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Implenia übernimmt Infrastruktur-Spezialistin

Der Schweizer Marktführer im Baugeschäft kauft von der deutschen Bilfinger-Gruppe die Sparte Bilfinger Construction. Die Implenia-Aktie notiert nach Bekanntwerden der Übernahme im Plus.

Implenia will sich als Expertin für anspruchsvolle Infrastrukturprojekte etablieren: Arbeiter im Gotthard-Basistunnel. (20. Novemer 2014)
Implenia will sich als Expertin für anspruchsvolle Infrastrukturprojekte etablieren: Arbeiter im Gotthard-Basistunnel. (20. Novemer 2014)
Urs Flüeler, Keystone

Der Baukonzern Implenia expandiert im europäischen Infrastrukturgeschäft und übernimmt Bilfinger Construction. Die Einheit mit einer Produktionsleistung von rund 780 Millionen Franken und 1850 Mitarbeitenden bietet im deutschsprachigen Europa und in Skandinavien umfassende Dienstleistungen im Bereich Infrastrukturbau, wie Implenia heute mitteilte.

Zum Kaufpreis erklärte Implenia, Bilfinger Construction werde, abhängig vom Jahresabschluss 2014, auf rund 110 Millionen Euro bewertet (Equity Value). Dies führe im ersten Quartal 2015 zu einem Netto-Liquiditätsabfluss von rund 60 Millionen Euro. Die Transaktion soll zwischen Anfang Februar und Anfang März abgeschlossen werden. Das Zustandekommen ist von der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden abhängig.

Spezialtief-, Ingenieur- und Tunnelbau

Bilfinger Construction ist laut den Angaben führend in Spezialtief-, Ingenieur- und Tunnelbau. Das Unternehmen sei in Deutschland, Österreich, Norwegen und Schweden regional gut verankert. Mit der Übernahme mache die führende Schweizer Bau- und Baudienstleisterin einen wichtigen Schritt in der Umsetzung ihrer Strategie, sich international als Expertin für anspruchsvolle Infrastrukturprojekte zu etablieren, hiess es. Die Gruppe stärke damit ihre technische Kompetenz und Schlagkraft.

In den vergangenen 15 Jahren haben Implenia und Bilfinger Construction bereits mehrere Grossprojekte erfolgreich gemeinsam abgewickelt, darunter den Gotthard Basistunnel oder die Durchmesserlinie Zürich.

Börse reagiert positiv

Die Aktien von Implenia sind am Montag im frühen Handel gesucht worden. Nach Bekanntgabe der Übernahme der Sparte Bilfinger Construction vom deutschen Bilfinger-Konzern stieg der Kurs um 3,9 Prozent auf 57,40 Franken. Der Gesamtmarkt, gemessen am Swiss Performance Index, stieg dagegen nur um 0,5 Prozent. Damit kann der Implenia-Titel die eher negative Entwicklung in diesem Jahr etwas aufbessern. Bis am vergangenen Freitag verlor die Bau-Aktie fast 14 Prozent, nachdem sie im Jahr 2013 allerdings um 63 Prozent zugelegt hatte.

Der steigende Kurs zeigt an, dass die Anleger den Ausbau des Infrastrukturgeschäfts durch die Übernahme positiv bewerten. Analysten äusserten sich zuversichtlich: Die Akquisition entspreche der Strategie von Implenia, die Positionierung im internationalen Infrastrukturgeschäft zu verstärken, kommentierte Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

«Der Strategie entsprechend», hiess es bei Christian Arnold von der Bank Vontobel. Von einer «starken technischen Plattform» in europäischen Märkten, sprach Patrick Appenzeller von Baader Helvea. Der Kaufpreis sei problemlos finanzierbar, dürfte Implenia doch gemäss ZKB-Schätzungen Ende 2014 einen Netto-Cashbestand von etwas über 400 Millionen Franken aufweisen, heisst es bei der grössten Kantonalbank weiter. Von einer grossartigen Akquisition zu einem «vernünftigen Preis», schrieb Helvea.

Doppelt interessant

Der Kauf sei die «logische Weiterentwicklung der Wachstumsstrategie», sagte Implenia-Chef Anton Affentranger an einer Telefonkonferenz. Mit der Übernahme könne Implenia nämlich genau in den Märkten zulegen, in denen der Baukonzern auch wachsen wolle. So habe Bilfinger Construction in Deutschland und Schweden eine starke Position. Zusammen deckten beide Unternehmen die Märkte Schweiz, Österreich, Deutschland, Norwegen und Schweden ab.

Das ist laut Affentranger gleich doppelt interessant. Denn einerseits steige in diesen Ländern die Nachfrage nach Infrastrukturbauten, nach Tunnels, Brücken, Kraftwerken. Andererseits hätten all diese Staaten eine tiefe Verschuldungsquote. «Wir steigen nicht nur in Märkte ein, die wachsen, sondern auch in solche, in denen die öffentliche Hand auch gesund ist», sagte er.

Metrolinie als riskantestes Projekt

Zum Kaufpreis präzisierte Finanzchef Beat Fellmann, dass der von Bilfinger genannte Kaufpreis von 230 Millionen Euro auch ein Darlehen enthalte. Abzüglich aller mitgekauften Schulden zahle Implenia jedoch netto nur 60 Millionen Euro. Der Kaufpreis fällt laut Affentranger darum so tief aus, weil Implenia mit der Übernahme auch gewisse Projektrisiken übernimmt. Das grösste und darum wohl auch das riskanteste Projekt dabei ist der Bau der Metrolinie U5 in Berlin.

Die Übernahme von Bilfinger Construction soll bereits im Februar oder März 2015 abgeschlossen sein. Die dafür notwendigen behördlichen Bewilligungen sollten gemäss Affentranger kein Problem sein, weil Implenia und Bilfinger sich in den einzelnen Märkten kaum konkurrenzierten.

SDA/rub

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