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Jetzt muss auch Villiger gehen

Oswald Grübel ist ein erfolgreicher Banker eines vergangenen Bankings. Sein Rücktritt als UBS-CEO ist konsequent und richtig. Doch mit seinem Abgang ist es nicht getan.

Nun steigt der Druck auf den Verwaltungsratspräsidenten: Alt-Bundesrat Kaspar Villiger.
Nun steigt der Druck auf den Verwaltungsratspräsidenten: Alt-Bundesrat Kaspar Villiger.
Keystone

Oswald Grübel ist als CEO der Grossbank UBS zurückgetreten. Der Schritt ist nicht vollkommen überraschend. Wer Grübel am letzten Sonntagabend im Interview der Tagesschau des Schweizer Fernsehens gesehen hat und seine Auftritte über die letzten Jahre verfolgt hat, konnte so etwas bereits erahnen. Der oberste operative Chef der Bank hat klar die Verantwortung für den mutmasslich betrügerischen Akt des Händlers Kweku Adoboli im Londoner Investmentbanking auf sich genommen, der der Bank einen Verlust in der Höhe von 2,3 Milliarden Dollar eingebrockt hat. Auf die Frage, was das denn nun bedeute, meinte Grübel damals, dass er selbst auch die Konsequenzen zu tragen habe. Was das heisst, sagte er damals noch nicht.

Bereits im Voraus anberaumt war dann letzte Woche die Verwaltungsratssitzung der UBS in Singapur. Es konnte daher schon vermutet werden, dass Grübel dort seinen Rücktritt beantragen wird. Wie die UBS heute bestätigt, ist es genau so geschehen. Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hat in einer Telefonkonferenz heute Nachmittag betont, dass Grübel nicht vom Verwaltungsrat zum Rücktritt aufgefordert wurde, dass man dort den Schritt bedauert und Grübel sogar intensiv gedrängt habe, nicht sofort zu gehen. Das ist glaubhaft. Nicht weil man mit Oswald Grübel an der Spitze noch die weitere Zukunft planen wollte. Villiger hat heute auch erklärt, dass man die Nachfolgeplanung schon vor einigen Wochen gestartet habe. Doch man wollte den Machtwechsel sorgfältiger planen und vollziehen. Jetzt ist er mitten im Sturm erfolgt.

Banker der Vergangenheit

Oswald Grübel hat als CEO gleich beide Grossbanken der Schweiz geleitet. Er war unbestritten ein sehr erfolgreicher Banker. Er hat die Credit Suisse nach der Krise unter Lukas Mühlemann wieder auf Vordermann gebracht und er hat die UBS nach der Finanzkrise wieder zu Gewinnen und Neugeldzuflüssen zurückgeführt. Aber Oswald Grübel ist ein Banker der Zeit vor der Finanzkrise. Dieses Banking hat keine Zukunft mehr – darf keine Zukunf mehr haben – auch im Interesse der Gesellschaft insgesamt.

Deshalb ist der Rücktritt von Oswald Grübel gerade jetzt richtig und konsequent. Denn Oswald Grübel hat recht: Er ist für das Geschehen in London verantwortlich. Nicht im strafrechtlichen Sinn und nicht, weil er das Vorgehen des Händlers toleriert hätte. Verantwortlich ist Grübel insofern, als er die Risikokultur verteidigt hat, die solches Handeln möglich macht.

Lauthals hat er sich stets gegen Massnahmen gewehrt, die die Risiken beschneiden, die Banken potenziell auch auf Kosten der Allgemeinheit eingehen. Er hat die Gefahren kleingeredet und die Politik für ihre Versuche heftig kritisiert, die Banken zu zähmen – besonders die Investmentbanker. Und dies ausgerechnet als CEO jener Bank, die wegen ihrer übermässig eingegangenen Risiken durch den Schweizer Staat und die Nationalbank gerettet werden musste. Dass Oswald Grübel jetzt von sich aus gegen den Willen des Verwaltungsrates geht, spricht für ihn. Der Schritt ist konsequent und zeugt von einem gesunden Einschätzungsvermögen.

Schwache Führung in unruhigen Zeiten

Jetzt drängt vor allem die Frage, wie es mit der Bank weitergeht. Die Stelle von Grübel als CEO wird nun «interimistisch» Sergio Ermotti einnehmen. Dieser arbeitet erst seit April für die UBS, zuvor war er in führenden Positionen bei der italienischen Grossbank Unicredit und der US-Investmentbank Merrill Lynch tätig. Ermotti galt aber von Beginn weg als Kronfavorit für die Grübel-Nachfolge. UBS-Präsident Villiger bestätigt denn heute auch, dass der Mann selbst in der endgültigen Auswahl als CEO der UBS sehr gute Karten habe.

Die nächste Zeit wird für Ermotti und die Bank sehr herausfordernd sein. Auf den Finanzmärkten droht ein neuer Sturm und der neue Chef sitzt nur halb im Sattel. Sein Präsident – Kaspar Villiger – kann ihm als Nichtbanker wenig Unterstützung bieten und wird im Frühjahr 2013 ebenfalls gehen. In dieser Zeit der ungesicherten Führung soll die Bank auch noch neu aufgestellt werden – vor allem im Investmentbanking. Der Prozess soll sogar noch schneller vorangetrieben werden, als ohnehin schon geplant. Wie die UBS heute betont, soll dieses Geschäft redimensioniert und strikt auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet werden.

So konsequent und richtig der Rücktritt von Oswald Grübel ist, so inkonsequent und falsch ist es, dass die UBS keine weiteren Konsequenzen zieht: Die Unruhe der Zwischenphase nach Grübels Rücktritt liesse sich mindern, wenn auch im Präsidium der Übergang rascher vonstatten ginge, das heisst wenn Kaspar Villiger seinem designierten Nachfolger Axel Weber so rasch wie möglich – und nicht erst im Frühjahr 2013 – den Stuhl überlassen würde. Doch davon will Villiger bisher nichts wissen. Wie der Präsident der Bank wird auch Carsten Kengeter, der Chef der Investmentbank, wo der 2,3 Milliardenverlust durch das Wirken des Händlers Kweku Adoboli aufgetreten ist, seinen Posten behalten.

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