Jetzt werden Hund und Katze vernetzt

Die Tech-Industrie entdeckt die Haustiere: Gadgets messen, wie viel sich Ihre vierbeinigen Freunde bewegen, was sie fressen oder wie viel sie schlafen.

Überwachen, wie viel sich das Tier bewegt: Hund mit Tracker.

Überwachen, wie viel sich das Tier bewegt: Hund mit Tracker.

(Bild: Keystone Whistle Labs)

Caroline Freigang@c_freigang

Nachdem das Herrchen seine Kalorienzufuhr, sportliche Betätigung und Schlafrhythmus bereits übers Smartphone überwacht, ist nun der vierbeinige Freund dran. Hund und Katze werden mit Wearables ausgestattet, also mit Geräten und Trackern, die man am Halsband befestigen kann, um deren Aktivität übers Smartphone zu überwachen.

Auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona wurden kürzlich eine Reihe dieser Gadgets vorgestellt. Damit können Besitzer beispielsweise über eine App Standort und Aktivität des Tieres überwachen, also wie viel es sich bewegt oder schläft. Dies soll dem Herrchen und Frauchen zeigen, ob sie mit ihrem vierbeinigen Freund genügend Gassi gegangen sind.

Kalorienverbrauch angezeigt

Auch Vodafone, der weltweit zweitgrösste Mobilfunkkonzern, verkauft bereits einen Haustier-Tracker namens V-Pet. Dieser lässt sich am Halsband des Tieres befestigen, und der Besitzer kann überwachen, wo sich dieses aufhält. Über die verbundene App können Herrchen und Frauchen zudem eine sichere Zone um ihr Haus herum definieren. Verlässt ihr Haustier diese Zone, werden sie übers Smartphone informiert.

Der V-Pet-Tracker lässt den Besitzer zudem wissen, wie viel der Hund oder die Katze gerannt ist, gespielt oder geschlafen hat. Und: Er zeigt an, wie viele Kalorien das Tier dabei verbrannt hat. Diese Information soll dabei helfen, die Futterportionen optimal zu gestalten. Das Gerät funktioniert mit einer SIM-Karte und einem Abo. «Es geht darum, eine bessere Beziehung zu Ihrem Haustier aufzubauen», sagte Vodafone-Sprecher Steve Shepperson-Smith der Nachrichtenagentur AFP.

Gerät wirft Hund Leckerli zu

Weitere Firmen haben digitale Dog-Sitter auf den Markt gebracht. Diese funktionieren über Kameras, die in der Wohnung oder im Haus aufgestellt werden und über die Besitzer ihre Haustiere beobachten können, wenn sie ausser Haus sind. Das Unternehmen Furbo etwa verkauft eine Hundekamera, über die Nutzer via Smartphone hören und sehen können, was das Haustier tut, und sogar zu ihrem Hund oder ihrer Katze sprechen können.

Bellt der Hund beispielsweise, erhält der Nutzer einen Alarm aufs Smartphone und kann sich über die Kamera zu Hause umsehen, was los ist. Die Furbo-Kamera kommt mit einem Leckerli-Fach, das mit bis zu 100 Leckerli gefüllt werden kann. Auf Kommando via Smartphone können diese dem Hund zugeworfen werden. Angaben des Unternehmens zufolge ist Furbo die «meistverkaufte Hundekamera auf Amazon». Die Rezensionen dort sind allerdings gemischt. Kunden beschweren sich darüber, dass der Leckerli-Auswurf nach bereits einer Woche nicht mehr funktionierte. Zudem lasse sich die App manchmal nicht mit dem Gerät verbinden.

Automatische Katzenbox

Das südkoreanische Start-up Purr Song stellte in Barcelona derweil ein automatisches, intelligentes Katzenklo vor, die Lavvie Bot. Dieses reinigt sich automatisch und füllt sich selbst nach. Nachdem die Katze ihr Geschäft verrichtet hat, recht die Lavvie Bot automatisch und schleudert eine Handvoll frische Katzenstreu über den Boden.

Ausserdem schickt die Box Nachrichten auf das Handy des Besitzers. Sie kann Angaben zum Gewicht der Katze übermitteln oder zu der Dauer und Häufigkeit, mit der die Katze ihr WC benützt. So sollen mögliche Gesundheitsprobleme erkannt werden.

Das deutsche Start-up Relaxopet setzt unterdessen auf die psychische Gesundheit der Haustiere. Es verkauft ein Gadget, das Haustieren in Stresssituationen ermöglichen soll, sich zu entspannen Das Gerät sendet Klangwellen für Hunde und Katzen aus, die das Unterbewusstsein der Tiere stimulieren sollen. Amazon-Kunden beschwerten sich auch über dieses Gerät: Dieses habe «gar keine Wirkung gezeigt», ihre Hündin habe sogar den Raum verlassen, wenn sie es angemacht hätte, schreibt eine Nutzerin.

Smartphone-Markt gesättigt

Das Vordringen mit Gadgets in der Haustier-Industrie hat einen guten Grund: Der Smartphone-Markt ist langsam gesättigt, Hersteller und Mobilfunkkonzerne müssen neue Wege einschlagen, um weiter zu wachsen. 2018 ist die Smartphone-Produktion laut Angaben der Credit Suisse um 7 Prozent geschrumpft, 2019 soll sich dies weiter zuspitzen: Die Experten rechnen damit, dass die Smartphone-Produktion im ersten Quartal um ganze 20 Prozent einbricht. Damit wäre sie auf dem tiefsten Stand seit 2013.

«Wenn man annimmt, dass fast jeder Mensch in Europa, der ein Telefon haben möchte, bereits ein Handy hat, ist Vodafone klug, Haustiere zu vernetzen», sagt Ben Wood, Analyst bei der technischen Forschungsberatung CCS Insight, zu AFP. «Der Heimtiermarkt ist ein unglaublich lukratives Segment, das im Jahresvergleich stetig wächst.»

Marktforscher schätzen, dass der Haustier-Wearables-Markt bis im Jahr 2024 auf 8 Milliarden Dollar wachsen soll. 2017 war dieser laut Global Market Insights noch 1,85 Milliarden Dollar gross.

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