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Job-Schock: Novartis streicht über 2000 Stellen in der Schweiz

Der Pharmariese streicht jeden achten Arbeitsplatz in der Schweiz. Trotz Milliardengewinn sollen damit Kosten gesenkt werden.

Novartis will in der Schweiz rund 2150 Stellen innerhalb von vier Jahren abbauen. Nun äussert sich CEO Vasant Narasimhan. Video: SDA

Vas Narasimhan ist seit Februar neuer Chef von Novartis und hat sich mit seiner zupackenden Art ein Positiv-Image in der Öffentlichkeit erarbeitet. Bis heute. Denn der nun verkündete Jobabbau dürfte enorme Wellen schlagen.

Novartis will von seinen 13'000 Stellen in der Schweiz unter dem Strich 1700 streichen, teilte der Konzern mit. Das sind 13 Prozent aller Arbeitsplätze. Rechnet man den in Aussicht gestellten Aufbau von bis zu 450 Jobs in der Zell- und Gentherapie in Stein AG heraus, so umfasst der Kürzungsplan gar rund 2200 Arbeitsplätze.

1500 Jobs fallen in der Produktion in der Schweiz weg. 700 Arbeitsplätze sollen beim zentralen Dienstleister Novartis Business Services ins Ausland verlagert werden, was einen entsprechenden Abbau in Basel zur Folge haben wird. Die Stellenkürzungen sollen bis 2022 abgeschlossen sein.

Weniger herkömmliche Tabletten

Von den Kürzungen in der Produktion sind die Standorte Basel, Schweizerhalle BL, Stein AG und Locarno TI betroffen. Novartis begründet die Jobkürzungen mit dem «sich verändernden Produktportfolio». Sprich, der Konzern verkauft weniger herkömmliche Tabletten, wie sie zum Beispiel im grössten Pharmawerk in Stein AG vom Band laufen. Ferner würde die Neuorganisation der Produktion Synergien ermöglichen.

Novartis-Präsident Jörg Reinhardt hatte in der «NZZ am Sonntag» Anfang des Monats bereits neue Jobkürzungen in der Produktion angetönt, denn die 68 Werke des Konzerns seien nicht ausgelastet. So sorgen die Patentabläufe von Bestsellern wie Glivec dafür, dass der Konzern weniger Volumina produziert. Auch in Japan und den USA habe Novartis die Fertigung bereits rationalisiert, heisst es.

Nur der Auftakt

Der Job-Schock in der Schweiz ist indes nur der Auftakt. Wie es von Novartis heisst, würden auch in anderen Ländern Stellen in der Produktion abgebaut werden. Auch die Schliessung eines Standorts im Ausland sei nicht auszuschliessen.

Mit Blick auf das Werk in Schweizerhalle teilt Novartis mit, dass der Konzern «offen ist für neue Möglichkeiten, das Potenzial des Standorts zu optimieren». Dabei würde die «Zusammenarbeit mit externen Partnern genutzt». Im Klartext: Novartis sucht offenbar Nachmieter auf seinem Werksgelände, der Konzern hat zu viel Platz.

Nach der Auslagerung der Abbau

700 Jobs werden in Basel in der zentralen Dienstleistungseinheit Novartis Business Services gestrichen oder ins Ausland verlagert. Die Einheit versorgt alle Sparten des Konzerns mit Diensten wie Buchhaltung, Personal oder Einkauf. Um Geld zu sparen, wurden bereits einige Arbeiten an Service-Center im billigeren Ausland ausgelagert, wie nach Dublin (Irland), Hyderabad (Indien) oder ins tschechische Prag.

Der neue Stellenabbau wird damit erklärt, dass jetzt auch Management-Kapazitäten in diese Service-Center verlagert werden. Sprich, Novartis dezentralisiert die Abläufe wieder, nachdem sie zuvor jahrelang zentralisiert wurden.

2019 folgt weiterer Stellenabbau

Mit dem nun angekündigten Abbauprogramm beschleunigt Vas Narasimhan die Sparbemühungen deutlich. Schon 2017 hatte der Konzern Kürzungen an den Standorten St. Johann, Klybeck und Schweizerhalle angekündigt. Bis Mitte 2019 sollen hier insgesamt 500 Stellen gestrichen werden. Dabei wurden Shared-Service-Arbeiten nach Indien verlagert.

Im Gegenzug versprach Novartis 350 neue Stellen in den Bereichen Medikamentenentwicklung und in der Herstellung biotechnologischer Wirkstoffe. Ferner sollen in Stein bis zu 450 Stellen in der Produktion neuer Gentherapien entstehen. Dafür will Novartis bis zu 90 Millionen Franken investieren.

Nettogewinn von 7,7 Milliarden Dollar

Dennoch: Novartis erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 7,7 Milliarden Dollar, 12 Prozent mehr als im Vorjahr (wechselkursbereinigt). Der Konzern ist kein Sanierungsfall, und aus den bisher geäusserten Erklärungen geht nicht hervor, warum Konzernchef Narasimhan auf einmal so heftig an der Kostenschraube dreht.

Bekannt ist, dass Novartis versprochen hat, ab dem Jahr 2020 pro Jahr rund 1 Milliarde Dollar Kosten einzusparen. Bisher war der Konzern eine detaillierte Erklärung schuldig geblieben, wie das gelingen soll. Nun liegt sie vor. Es sind primär Job-Kürzungen.

Novartis rechtfertigt sich: Auch in Zukunft würde der Pharmariese rund 10 Prozent seiner Angestellten in der Schweiz beschäftigen, dabei würde das Land weniger als 2 Prozent zum Konzernumsatz beisteuern. «Nach der Umsetzung der geplanten Veränderungen wird Novartis 2022 etwa gleich viel Mitarbeitende in der Schweiz beschäftigen wie 2008», hiess es. «Novartis bleibt fest in der Schweiz verankert», ergänzt Vas Narasimhan.

Es ist kaum anzunehmen, dass dies die Arbeitnehmenden und die Politik besänftigen wird.

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