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Kanadas Banknoten schmelzen

Papier? Das war einmal. In neuen Banknoten hat es in der Regel Kunststoff. Das hat Vorteile, solange es nicht zu heiss wird. In Kanada ertragen die neuen Dollarnoten aber die Hitze schlecht.

Verträgt keine Hitze: Die kanadische 50-Dollar-Banknote ungeschmolzen.
Verträgt keine Hitze: Die kanadische 50-Dollar-Banknote ungeschmolzen.
Reuters

Die Geschichte erregt längst über Kanada hinaus Aufsehen. Sie hat den Weg in renommierte Blätter wie «The Wall Street Journal» gefunden und wird auch unter europäischen Banknotenspezialisten heftig diskutiert. Nicholos Billard, bei einer Baufirma in Ontario beschäftigt, soll zu Weihnachten 2011 einen Bonus von 800 kanadischen Dollar erhalten haben. Ausgehändigt wurde ihm das Geld in Form von acht nigelnagelneuen 100-Dollar-Scheinen – Kunststoffnoten. Die Bank of Canada – die kanadische Notenbank – bringt seit 2011 Banknoten auf Polymerbasis in Umlauf.

Billard trug die Noten stolz nach Hause, steckte sie erst einmal in eine leere Kaffeekanne aus Blech und platzierte diese in die Nähe eines Heizkörpers. Am nächsten Morgen waren die Geldscheine verschrumpelt und klebten zusammen. Der Bauarbeiter scheint nicht der Einzige im Land zu sein, dem das Geld unter den Fingern wegschmilzt. Eine Bankangestellte aus British Columbia soll laut einem Radiosender mit eigenen Augen geschmolzene und verklebte Polymernoten gesehen haben. Sie seien während einer Hitzeperiode auf dem Armaturenbrett eines Autos zerflossen.

Kanadische Notenbank sieht keine Probleme

Von einer Frau wird zudem berichtet, dass sie nach monatelangem verbissenem Insistieren von der Bank of Canada für geschmolzene Geldscheine entschädigt worden sei. Das deutet darauf hin, dass die Geschichten kaum frei erfunden sind. Dennoch wischt man bei der Notenbank Meldungen dieser Art als Einzelfälle vom Tisch. Das Material sei bei Temperaturen zwischen minus 75 und plus 140 Grad Celsius getestet worden. Bei welcher Temperatur das Polymergeld zu schmelzen beginnt, will die Zentralbank nicht bekannt geben. Von eigenen Experimenten rät sie aber ab.

Die Verantwortlichen der Notenbank wollen kein Problem sehen. Noch im letzten November sprach Bank-of-Canada-Chef Mark Carney anlässlich der Lancierung der polymeren 20-Dollar-Note von einem wichtigen Meilenstein. Carney schwärmte: «Die Polymerserie ist eine kanadische Innovation, auf die wir stolz sein können.»

Bei der Schweizerischen Nationalbank scheint man den Fall zu kennen. Sprecher Walter Meier will sich zu den Eigenschaften der kanadischen Noten aber nicht äussern, «da uns die technischen Details nicht bekannt sind».

Hitzetests in der Schweiz

Die Nationalbank begann vor über acht Jahren mit der Entwicklung einer neuen Banknotenserie. Den Druckbeginn musste sie wegen «technischer Schwierigkeiten» wiederholt hinausschieben. Die Schweizer Noten werden zwar anders als die kanadischen nicht ganz aus Kunststoff gefertigt. Sie enthalten aber ebenfalls eine polymere Schicht. Um den hohen Anforderungen zu genügen, werden die Noten verschiedenen Tests unterzogen. Unter anderem prüft man sie auch auf Hitzebeständigkeit. Meier sagt: «Bevor eine neue Banknotenserie in den Umlauf kommt, müssen die Banknoten diese Tests bestehen.»

Da stellt sich die Frage, ob das Material der neuen Schweizer Noten grosser Hitze standhalten kann. Lieferantin ist die auf Sicherheitspapiere spezialisierte Firma Landqart in Landquart. Deren Chef, Alfonso Ciotola, will sich aber weder zum Schmelzpunkt der kanadischen Banknoten noch zu dem der eigenen Produkte äussern. Man wolle der Branche «weder technische noch kundenspezifische Informationen weitergeben».

Landqart hat mit Durasafe ein Produkt patentieren lassen, das aussen aus Papier, im Kern aus einer polymeren Schicht besteht. Es wird gemunkelt, dass Probleme bei der Verklebung dieser Schichten Grund für die Verzögerung beim Druck der neuen Schweizer Banknoten sein könnten. Allerdings begann die marokkanische Zentralbank al-Maghrib unlängst mit dem Druck neuer Banknoten auf Basis der Durasafe-Technologie – offenbar ohne Probleme. Die «Handelszeitung» schloss daraus, dass damit anstelle von Landqart die Schweizer Nationalbank und Orell Füssli als Druckerei in Erklärungsnot gerieten.

Nationalbank-Sprecher Meier bezweifelt, dass sich der marokkanische Schein mit dem Schweizer Banknotenprojekt vergleichen lässt. In Marokko handle es sich um eine Gedenknote mit dem sonst unüblichen Wert von 25 Dirhams. Bei der neuen Notenserie der Schweiz gehe es um ein komplexes Projekt, das «hohe sicherheitstechnische, qualitative und produktionstechnische Anforderungen für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre erfüllen» muss.

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