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«Kaspar Villiger war eine totale Nullnummer in dieser Geschichte»

Vertreter der FDP, CVP und der SP begrüssen den Rücktritt von UBS-Chef Oswald Grübel. Der Grüne Ueli Leuenberger und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli fordern jedoch den Kopf des Präsidenten.

Über den Rücktritt nicht erstaunt: CVP-Präsident Christophe Darbellay.
Über den Rücktritt nicht erstaunt: CVP-Präsident Christophe Darbellay.
Keystone
Trennbankensystem, einen weniger arroganten UBS-Chef und einen Schweizer Finanzplatz ohne Bankgeheimnis und dubiose Machenschaften: Das wünscht der Parteipräsident der Grünen Ueli Leuenberger nach Oswald Grübels Rücktritt von der Spitze der Grossbank UBS.
Trennbankensystem, einen weniger arroganten UBS-Chef und einen Schweizer Finanzplatz ohne Bankgeheimnis und dubiose Machenschaften: Das wünscht der Parteipräsident der Grünen Ueli Leuenberger nach Oswald Grübels Rücktritt von der Spitze der Grossbank UBS.
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Statt Grübel hätte seiner Meinung nach Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger gehen müssen: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.
Statt Grübel hätte seiner Meinung nach Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger gehen müssen: SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli.
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Schweizer Politikerinnen und Politiker reagieren mehrheitlich positiv auf Oswald Grübels Abgang vom UBS-Chefposten. Für Ueli Leuenberger, den Präsidenten der Grünen Partei Schweiz hat der Sachse damit die Konsequenzen gezogen aus den Fehlern, die begangen wurden. Wesentlich sei nun aber, was der neue Kapitän am Steuer des Bankriesen leiste. Leuenberger hat drei Wünsche.

«Ich hoffe man sieht die Notwendigkeit eines Trennbankensystems ein», sagt Leuenberger gegenüber Redaktion Tamedia. Er hofft damit auf eine Abspaltung des Investmentbankings. «Ich wünsche mir auch, dass der Neue weniger arrogant ist als Grübel», fährt der Chef der Grünen fort. «Man kann sich nicht von der Politik retten lassen und dann so arrogant auftreten.»

Kritik an Villiger

Zu guter Letzt fordert Leuenberger generell ein Umdenken am Schweizer Bankenplatz. Die Zukunft könne nicht «mit Bankgeheimnis und dubiosen Machenschaften» bewältigt werden. Die Banken sollten sich stattdessen auf ihre ursprüngliche Funktion besinnen, beispielsweise die Kreditvergabe an Unternehmen. «Wenn im Investmentbanking Renditen von 25 Prozent angestrebt werden, dann leiden natürlich andere Bereiche», meint Leuenberger.

Kein gutes Haar lässt der Chef der Grünen auch am UBS-Verwaltungsratspräsidenten. «Kaspar Villiger war eine totale Nullnummer in dieser Geschichte». Es sei nun an der Zeit, dass auch der ehemalige Bundesrat von seiner Funktion bei der UBS zurücktrete.

Mörgeli: «Der Falsche ist gegangen»

Auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli zielt auf Kaspar Villiger. Mörgeli bedauert den Rücktritt Oswald Grübels: «Der Falsche ist gegangen». Statt Grübel hätte seiner Meinung nach vielmehr Verwaltungsratspräsident Villiger den Posten räumen sollen. Der ehemalige FDP-Bundesrat verstehe nichts von Banken, müsse nun sofort zurücktreten und Platz machen für den Deutschen Axel Weber, den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Bundesbank. Dieser wurde von der UBS bereits als Nachfolger von Villiger vorgeschlagen. Die Wahl soll aber erst an der Generalversammlung 2012 erfolgen.

Mörgeli fordert deshalb eine ausserordentliche Generalversammlung, an der diese Wahl vorgezogen wird. Es sei wichtig, dass jemand mit Bankenverstädnis Grübels Nachfolge suche. «Sicher nicht Villiger.»

Für Grübels Entscheidung, den Posten zu räumen, hat Mörgeli Verständnis. «Er wurde nicht mehr getragen. Und jemand wie Grübel hat es nicht nötig, sich durch den Kakao ziehen zu lassen.» Dass der Bankenchef das Risiko beim Investmentbanking nicht im Griff gehabt habe, glaubt Mörgeli nicht. «Diesen Londoner Banker aus Ghana hat ja nicht er persönlich angestellt.»

Pelli: «Es ist richtig, dass Herr Grübel die Verantwortung übernimmt»

FDP-Präsident Fulvio Pelli begrüsst den Rücktritt von Oswald Grübel vom Chefposten der Grossbank UBS. Der Schaden, der in London entstanden ist, sei die Konsequenz einer Strategie mit zu vielen Risiken im Eigenhandel. Der Verlust sei deshalb «nicht nur der Fehler einer Einzelperson, sondern auch ein Fehler der Strategie». Gegenüber Redaktion Tamedia sagt Fulvio Pelli: «Es ist richtig, dass Herr Grübel die Verantwortung übernimmt. Ich schätze es, dass er einen Neuanfang ermöglicht.»

FDP-Chef Pelli freut sich über die Ernennung von Sergio P. Ermotti zum interimistischen UBS-Chef. Beide stammen aus dem Tessin. «Ich kenne Herrn Ermotti gut. Er war die Nummer 2 bei der Unicredit in Italien und er hat eine grosse Erfahrung. Ich freue mich, dass ein Tessiner bei der UBS die Verantwortung übernimmt und wünsche ihm alles Gute», sagt Pelli. Ermotti habe die Reform der Bank zu einem kundenorientierten, soliden und bescheidenen Unternehmen nun konsequent und rasch umzusetzen.

Der Angriff der SVP auf Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger ist für die FDP «nichts weiter als Wahlkampfpropaganda», sagte Pelli. Dass die Fehler in London nicht verhindert worden seien, liege am Management, aber sicher nicht am Verwaltungsratspräsidenten.

Bischof: «Nicht die richtige Galionsfigur»

Der Rücktritt von Oswald Grübel ist für CVP-Nationalrat Pirmin Bischof (SO) keine Überraschung. Seit der London-Affäre habe sich ein solcher abgezeichnet, sagte der Finanzexperte. Auch die Interimslösung mit Sergio Ermotti sei keine Überraschung; sie habe sich ebenfalls abgezeichnet. Mit ihm setze die UBS ein Zeichen, denn er komme vom Private Bankung und nicht vom Investmentbanking. Damit stärke die grösste Vermögensverwalterin das Vertrauen in die Stabilität der Bank.

Bischof würdigte Grübels grosse Verdienste bei der Sanierung der UBS unmittelbar nach der Rettung der Bank durch die Steuerzahlenden. Er habe das schlingernde Schiff wieder auf Kurs gebracht. «Danach wollte er jedoch wieder auf den alten Kurs zurück», kritisiert Bischof den abtretenden Konzernchef.

Offenbar sei die Rettung der Bank durch den Staat für Grübel kein einschneidendes Erlebnis gewesen; für die Politik hingegen schon. «Auch konnte sich Grübel nicht mit dem ‹Too big to fail›-Paket indentifizieren», sagte Bischof. Aber er habe die Zeitenwende gespürt. «Und für diese Zeitenwende war er nicht die richtige Galionsfigur.»

Darbellay: Schweizer Werte können der Bank nur gut tun

CVP-Parteichef Christophe Darbellay ist über Oswald Grübels Rücktritt ebenfalls nicht überrascht. Gegenüber Redaktion Tamedia meint er, es sei bekannt gewesen, dass Grübel nicht zehn Jahre bleiben wird. Aber zuletzt habe es keine Alternative mehr zu einem Rücktritt gegeben. «Seine Pauschalkritik an die Schweizer Politik, das war zu viel.»

Erfreut ist der CVP-Präsident denn auch über die Ernennung von Sergio Ermotti zum interimistischen Chef der UBS. «Es ist gut, dass ein Schweizer CEO der Bank wird», so Darbellay. Ermotti verkörpere Schweizer Werte und dies könne der UBS nur gut tun.

Leutenegger Oberholzer: Wichtiger Schritt für Neuanfang

Auch die SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer begrüsst in einer ersten Reaktion den Rücktritt von UBS-Konzernchef Oswald Grübel. Dies sei ein wichtiger Schritt für den Neuanfang der Bank.

Grübel habe das Risikomanagement ganz offensichtlich nicht im Griff gehabt, was der Glaubwürdigkeit der Bank sehr geschadet habe. Vom Nachfolger erwartet sie, dass nun endlich ein Neuanfang gemacht wird. Teil dieses Neuanfanges ist für Leutenegger Oberholzer die Verkleinerung des Investmentbankings. Am besten lagere man diese Sparte in eine eigene Firma aus.

SDA/rub, pbe

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