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Kleidung nur für den Insta-Post gekauft – und retourniert

Täglich ein neues Outfit: Um ihre Follower zu bespassen, werden Kunden kreativ.

Selfies vom täglichen Outfit: Immer mehr Leute shoppen nur für Likes.
Selfies vom täglichen Outfit: Immer mehr Leute shoppen nur für Likes.
iStock

Sie sind als «Zalando-Partys» bekannt: Kunden bestellen am Wochenende online neue Kleider, gehen damit aus und schicken die Ware am Montag wieder zurück. Jetzt gibt es offenbar ein neues Phänomen: Onlineshopping nur für den Instagram-Account.

Seitdem der Hashtag #outfitoftheday, oder kurz #ootd, die Runde macht, steigt der Druck bei einigen Nutzern, sich täglich neu bekleidet auf dem sozialen Netzwerk zu präsentieren. Immer mehr Menschen bestellen dafür online Kleidung, tragen diese einzig für das Foto und schicken sie wieder zurück. Das zeigt eine Umfrage der britischen Kreditkartenfirma Barclaycard.

Vor allem Männer

Demnach gab fast jeder zehnte Einkaufende zu, Kleidung nur für ein Foto auf sozialen Medien zu kaufen und diese dann zurückzuschicken. Für die Umfrage wurden 2002 Erwachsene befragt. Besonders Männer nutzten diesen Trick fürs tägliche Update zum Outfit.

Überraschenderweise nutzten nicht nur jüngere Kunden ohne dickes Portemonnaie den Onlinehandel für den neuen Instagram-Post. Die Daten zeigten, dass vor allem 35- bis 44-Jährige für das perfekte Bild auf sozialen Medien shoppten.

Allerdings befragte Barclaycard für die Studie nur Kunden ab 18 Jahren – die ganz jungen Instagram-Nutzer wurden also ausgelassen. Bei Instagram gilt eine Alterslimite von 13 Jahren. Die meisten Nutzer sind jedoch zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Bei Zalando habe man keine Kenntnis von solchen Fällen, sagt Sprecher Alex Styles. Jede Retoure werde aber geprüft, ob sie getragen worden sei. Entsprechend würde bei getragenen Kleidern kein Geld zurückerstattet.

Erst probieren, dann zahlen

Immer öfter lassen Onlineportale ihre Kunden die Ware erst dann bezahlen, wenn sie diese bereits anprobiert haben. Diese Praxis dürfte dazu beitragen, dass immer mehr Nutzer Gebrauch vom Für-den-Hashtag-Shoppen machen dürften. Das schreibt Barclaycard.

Auch für Schweizer Kunden gibt es etwa bei Zalando die Möglichkeit, auf Rechnung zu bezahlen. Diese Zahlvariante sei sehr beliebt. Der britische Onlineshop Asos, der ebenfalls in die Schweiz liefert, bietet diese Option an.

«Bestellt ein Kunde Kleider auf Rechnung und schickt diese getragen zurück, wird der Rechnungsbetrag dennoch verrechnet», sagt Zalando-Sprecher Styles. Je nach Fall zeige sich Zalando aber auch kulant und verrechne die getragene Kleidung nicht.

Um diese Fälle von «posten und zurückschicken» zu reduzieren, könnten Händler ihren Kunden entgegenkommen, sagt George Allardice, Strategiechef beim britischen Kreditkartenanbieter Barclaycard. Detailhändler könnten etwa mit Videos und Fotos zeigen, wie Kunden mit einzelnen Stücken verschiedene Looks herstellen können. «Das würde die Rücksendungen von nur fürs Foto getragener Ware reduzieren.»

Mieten statt kaufen

Einige Labels haben sich derweil den Trend zunutze gemacht, Outfits für den Auftritt auf sozialen Medien ständig wechseln zu müssen. Der US-Onlinehändler Rent a Runway vermietet Frauen Designerkleider für spezielle Anlässe. Ausserdem bietet er ein Leih-Abo an, bei dem Frauen für 139 Dollar im Monat drei Kleidungsstücke zugeschickt bekommen, die sie dann wieder zurücksenden.

Das Unternehmen Fashion Nova vermarktet seine Stücke fast nur über Instagram. Stücke, die Stars zu Anlässen tragen, können etwa innerhalb von 24 Stunden nachgefertigt werden. Dies, dank lokaler Produktion, wie Gründer Richard Saghian dem Onlineportal «Women’s Wear Daily» sagte. So kommen pro Woche 600 neue Stücke auf den Markt. Diese sind nicht fürs längere Tragen gemacht: Meistens tragen Kunden die Stücke, die meist unter 50 Dollar kosten, nur wenige Male. So oft, bis das Instagram-Profil einen neuen Look verlangt.

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