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Kommentar: Das Drama einer Bank

Das amerikanische Finanzsystem durchläuft die schlimmste Krise seit der Depression der frühen 30er-Jahre. Das Vertrauen der Investoren ist stark angeschlagen, nicht einmal die Banker trauen einander noch über den Weg. Dies erklärt, warum eine Rettung des Traditionshauses Lehman Brothers so schwierig ist und warum die 158 Jahre alte Bank wahrscheinlich liquidiert werden muss.

Eine Bank hat drei Pfeiler, auf denen ihr Geschäft aufbaut: Eine solide Kapitalbasis, ein vorausschauendes Management und das Vertrauen der Kunden. Lehman ist der klassische Fall eines Instituts, bei dem alle drei Pfeiler unterspült sind. Konzernchef Richard Fuld gehört zu jener Sorte von Wallstreet-Bankern, welche die Schuld an der Krise bei allen anderen – vor allem den Medien und den Hedge Funds – suchten, nur nicht bei sich selber. Die Tatsache aber, dass Lehman bis zu 80 Milliarden Dollar an faulen Krediten in den Büchern hatte, ohne sie abschreiben zu wollen, drückte immer mehr auf die Glaubwürdigkeit des Managements. Andere Banken hielten sich entsprechend mit Gegengeschäften zurück und schwächten sie weiter. Als in den letzten Tagen klar wurde, dass Fuld keine Verhandlungsmacht mehr hatte, brach das letzte Vertrauen weg. Die Kapitaldecke wurde zu dünn, um die Bank über Wasser zu halten.

Der Kollaps ist für die Angestellten eine traumatische Erfahrung, umso mehr als Fuld genügend Zeit gehabt hätte, die Bank zu sanieren. Dies hätte indes etwas Selbstkritik verlangt. Deshalb hielt sich die US-Regierung bei Lehman zu Recht zurück. Es gibt keinen Grund, eine Pleitefirma mit Steuergeldern auszukaufen, deren Existenz für die Märkte nicht elementar ist.

Die Finanzkrise ist das Produkt einer langen Phase des extremen Laisser-faire in der Politik und der viel zu lockeren Geldpolitik eines Alan Greenspan. Es wird nicht Wochen oder Monate dauern, bis die Trümmer dieser Ära weggeräumt sind. Es wird wohl Jahre brauchen, die Banken zu stabilisieren und eine neue Kultur der kontrollierten Risikofreude heranzubilden. Darin liegt die vorrangige Aufgabe einer Regierung, nicht in der «Rettung» von maroden Finanzhäusern.

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