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Lehman Brothers vor dem Bankrott

Die Chefs der grössten US-Banken suchen unter der Führung des Finanzministers eine Lösung für Lehman. Trotzdem wird ein Konkurs immer wahrscheinlicher.

Verlierer der Finanzkrise: Lehman Brothers, New York. Die Traditionsbank, 158 Jahre alt, hat Gläubigerschutz beantragt. Sie wird wegen Fehlinvestitionen im amerikanischen Hypothekenmarkt wohl ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn nicht sogar Bankrott gehen.
Verlierer der Finanzkrise: Lehman Brothers, New York. Die Traditionsbank, 158 Jahre alt, hat Gläubigerschutz beantragt. Sie wird wegen Fehlinvestitionen im amerikanischen Hypothekenmarkt wohl ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn nicht sogar Bankrott gehen.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: Bank of America. Die zweitgrösste US-Bank übernahm im Januar 2008 die grösste amerikanische Hypothekenbank Countrywide, jetzt steht sie vor dem Kauf der legendären Investmentfirma Merrill Lynch. Die aggressive Wachstumsstrategie der BoA in der Finanzkrise provozieren zwar Kritik, aber im zweiten Quartal meldete das Institut einen Gewinn, der weit über den Erwartungen lag.
Gewinner der Finanzkrise: Bank of America. Die zweitgrösste US-Bank übernahm im Januar 2008 die grösste amerikanische Hypothekenbank Countrywide, jetzt steht sie vor dem Kauf der legendären Investmentfirma Merrill Lynch. Die aggressive Wachstumsstrategie der BoA in der Finanzkrise provozieren zwar Kritik, aber im zweiten Quartal meldete das Institut einen Gewinn, der weit über den Erwartungen lag.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: Raiffeisen. Der traditionelle Banken-Verbund erweist sich in unsicheren Zeiten als geschützter Hafen. Im ersten Halbjahr 2008 fliessen den Raiffeisen-Banken 6 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern zu.
Gewinner der Finanzkrise: Raiffeisen. Der traditionelle Banken-Verbund erweist sich in unsicheren Zeiten als geschützter Hafen. Im ersten Halbjahr 2008 fliessen den Raiffeisen-Banken 6 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern zu.
Keystone
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Was tun? Seit Freitagabend verhandeln die Spitzen der wichtigsten amerikanischen Banken unter Führung von US-Finanzminister Henry Paulson und dem Präsidenten der New Yorker Notenbank über die Zukunft von Lehman Brothers – und anderer gefährdeter Finanzinstitute. Bis zur Eröffnung der asiatischen Börsen hätte eigentlich eine Lösung gefunden werden sollen, um die schwer angeschlagene viertgrösste US-Investmentbank zu retten, bei Redaktionsschluss waren die Gespräche aber noch immer im Gang.

Eine Liquidierung von Lehman ist allerdings wahrscheinlicher geworden, nachdem sich die britische Barclays Bank nach Informationen amerikanischer Medien gestern als mögliche Käuferin zurückgezogen hat. Sie hätte die «guten Teile» des Finanzhauses aufkaufen sollen, und der ganze Rest – rund 85 Milliarden Dollar – wäre in eine sogenannte schlechte Bank ausgelagert worden. Damit liesse sich verhindern, dass diese Anlagen massiv unter ihrem ursprünglichen Preis verkauft werden müssten, was den Wert vergleichbarer Anlagen anderer Finanzinstitute weiter senken würde.

Keine Bank mit genügend Reserven

Die Verhandlungen sind nicht zuletzt darum so schwierig, weil praktisch alle Banken in einem schlechten Zustand sind. Kaum eine hat noch genügend Geld zur Verfügung, eine solche Übernahme problemlos durchführen zu können. Deshalb bestand Barclays – wie die auch als mögliche Käuferin genannte Bank of America – auch weiterhin auf finanzieller Unterstützung durch die Regierung zur Absicherung vor möglichen Verlusten. Finanzministerium und Notenbank drängen jedoch diesmal auf eine Lösung, welche die Steuerzahler nicht belastet. Dies dürfte der Grund sein, dass Barclays sich aus den Verhandlungen zurückgezogen hat. Ob sich eine andere Bank finden lässt, die unter diesen Umständen zugreift, ist sehr fraglich. Gut möglich also, dass Lehman am Ende doch liquidiert werden muss. Ein Vorgang, dem die Banken und Regierungen der Welt mit Sorge entgegensehen, weil die grosse Wall-Street-Bank weltweit derart vernetzt ist, dass die Schockwellen des Zusammenbruchs die fragile Finanzindustrie weiter schwächen könnten.

An den Krisensitzungen im Gebäude der Notenbank in Manhattan wird deshalb auch über sehr viel mehr diskutiert als nur über Lehman. Bereits zeichnet sich ab, dass die Turbulenzen weitere Finanzinstitute in den Abgrund reissen könnten – Washington Mutual, AIG, Merrill Lynch. Und jedes Mal, wenn das Finanzministerium und die Notenbank einen Befreiungsschlag versuchten, etwa mit der Rettung von Bear Sterns oder Fannie Mae und Freddie Mac, beruhigte dies die Märkte nur kurz. Schon wenige Tage danach ging es wieder weiter abwärts.

«Man muss sich das wie eine Epidemie vorstellen», sagt James Melchor, Chef des Hedge-Funds Balestra Capital, «eine Epidemie von Kapitalzerstörung.» Viele Analysten glauben, dass die Abwärtsspirale erst endet, wenn die Häuserpreise so tief sind, dass sie wieder in einem realistischen Verhältnis zum Haushaltseinkommen der Konsumenten stehen. Die Kreditkrise hat im Immobilienmarkt begonnen, von dort aus muss auch die Lösung kommen. Das aber würde bedeuten, dass die Finanzinstitute, die noch immer reichlich Immobilienanlagen in ihren Büchern haben, noch viele weitere Milliarden werden abschreiben müssen.

Es bleibt deshalb auch fraglich, wie lange eine Lösung für Lehman die Märkte beruhigen würde, selbst wenn sich doch noch eine Bank finden würde, die das Finanzhaus oder Teile davon übernimmt. Lehman hat jedenfalls bereits eine Anwaltskanzlei engagiert, damit diese im Notfall das Konkursverfahren vorbereiten kann.

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