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Machtkampf um VW: Porsche erhöht Anteil

Der Sportwagenhersteller ist nach einer weiteren Aufstockung im Besitz von 42,6 Prozent der VW-Aktien plus 31,5 Prozent Optionen. In Wolfsburg kommt das nicht gut an.

Im nächsten Jahr wolle man den Anteil auf 75 Prozent aufstocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag freimachen, teilte der Porsche am Sonntag in Stuttgart mit. Voraussetzung sei, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmten. Inklusive der Optionen auf Stammaktien käme Porsche demnach auf 74,1 Prozent an Volkswagen. Das Land Niedersachsen besitzt etwa 20 Prozent, damit wären nur noch rund sechs Prozent der VW-Stammaktien frei handelbar. An dem Fahrplan, noch im November/Dezember 2008 die 50-Prozent-Hürde bei VW zu nehmen, werde unverändert festgehalten, teilte Porsche mit.

Zu der Offenlegung seiner Aktienpositionen im Zusammenhang mit der VW-Übernahme habe man sich aufgrund der «dramatischen Verwerfungen auf den Finanzmärkten» entschlossen, schrieben die Stuttgarter.

Nach extremen Schwankungen des VW-Börsenwerts

Hintergrund der Bekanntgabe sind offenbar die extremen Kursschwankungen der VW-Aktie in den vergangenen Wochen: Zunächst war der Kurs auf rund 400 Euro in die Höhe geschnellt, am Freitag war das Papier dann nur noch 218 Euro wert. Die Ursache dieser Schwankungen waren für Marktteilnehmer unerklärlich und erschienen durch den realen Wert des Unternehmens nicht gedeckt.

Porsche habe sich zur Bekanntgabe seiner VW-Beteiligungen entschlossen, nachdem offenkundig geworden sei, dass «deutlich mehr Shortpositionen im Markt sind als erwartet». Die Offenlegung solle nun den Leerverkäufern - also Investoren, die auf einen fallenden VW-Kurs gewettet haben oder noch wetten - Gelegenheit geben, «ihre Positionen in Ruhe und ohne grösseres Risiko aufzulösen».

Hinzu komme, dass die EU-Kommission die von der Bundesregierung geplante Neuauflage des VW-Gesetzes laut Presseberichten als europarechtswidrig einstufen werde, schrieb Porsche und bezog sich dabei offensichtlich auf eine Vorabmeldung des «Spiegels». Das Magazin berichtete am Wochenende, auch die neue Fassung des Gesetzes verstosse gegen EU-Recht, was die Kommission voraussichtlich am Mittwoch kommender Woche feststellen werde.

«Für die VW-Beschäftigten eine Katastrophe»

Ein VW-Sprecher erklärte auf Anfrage, der Konzern sei von der aktuellen Entwicklung nicht überrascht. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh kritisierte die Porsche-Bekanntgabe scharf. Den von Porsche angepeilten «Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag» werde es nicht geben: «Bei Volkswagen braucht man 80 Prozent, um einen solchen Vertrag abzuschliessen.» Dies stehe im VW-Gesetz und in der Satzung. «Deshalb müssen einige Herren aufpassen, dass ihr Traum nicht zum Albtraum wird», sagte Osterloh. Einem Beherrschungsvertrag zwischen Porsche und Volkswagen müsste die VW-Hauptversammlung zustimmen.

Der Volkswagen-Betriebsrat lehne es strikt ab, dass Porsche einen solchen Vertrag mit VW schliesse. «Für die mehr als 360'000 Beschäftigten von Volkswagen wäre es eine Katastrophe, wenn Manager, die Arbeitnehmerrechte mit Füssen treten, in diesem Unternehmen das Sagen bekämen.» Der VW-Betriebsrat sehe nicht, dass Porsche bereit sei, sich seiner sozialen Verantwortung für die VW-Beschäftigten zu stellen. In diesem Punkt gebe es bisher weder konkrete Zusagen noch Angebote.

AP/cpm

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