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Marcel Ospels Verzicht – Wunder geschehen doch

Marcel Ospel & Co. verzichten auf 33 Millionen Franken. Das ist eine grosse Überraschung – und bestätigt die These des «Schwarzen Schwans» des Bestsellerautors Nassim Nicholas Taleb.

Bei den Sachbüchern liegt derzeit an der Spitze der Bestsellerliste ein Buch mit dem Titel «Der Schwarze Schwan». Der Autor Nassim Nicholas Taleb geht der Frage nach: Warum geschehen öfters Dinge, die eigentlich gemäss den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit und den Prognosen der Experten gar nie geschehen dürften? Solche Ereignisse nennt Taleb «Schwarze Schwäne», weil die Menschen jahrhundertelang überzeugt waren, dass es diese Vögel nur in Weiss gebe – bis man schliesslich auch eine schwarze Variante entdeckte.

Das Schicksal der UBS und das Verhalten ihrer Manager sind typische «Schwarze Schwäne» im Sinne von Taleb:

- Die Gewinne der UBS und die damit verbundenen Boni der Manager waren nie geplant und abgesichert. Sie waren zu einem guten Teil Zufall und Glück. Deshalb war der Absturz und die riesigen Abschreibungen der UBS keineswegs so überraschend, wie sie zunächst erschienen. Der ehemalige Wertschriftenhändler Taleb beschreibt das Verhalten der Banker wie folgt: «Die Banker haben alle – speziell sich selbst – dazu verleitet zu glauben, sie würden sich ‹konservativ› verhalten. Sie sind aber nicht konservativ, sondern nur aussergewöhnlich geschickt in der Kunst, sich selbst zu betrügen, indem sie riesige Verluste einfach unter den Teppich gekehrt haben.»

- Auch die Boni in Millionenhöhe der Manager passen zur These des «Schwarzen Schwans»: «Menschen haben einen Anreiz, gegen das System zu wetten, denn sie erhalten den Bonus für ihre Jahresleistung. Dabei produzieren sie bloss die Illusion dieser Leistung, die eines Tages wieder verschwinden wird.»

- Die Rechtfertigung der hohen Boni war ebenfalls typisch für eine «Schwarze Schwäne»-Welt: «Wir Menschen sind die Opfer der Asymmetrie der Wahrnehmung von zufälligen Ereignissen», stellt Taleb fest. «Wir bezeichnen Erfolge als Folge unserer Fähigkeiten und Misserfolge als Folge von äusserlichen Ereignissen, die wir nicht kontrollieren können, nämlich dem Zufall. Wir fühlen uns für die guten Dinge verantwortlich, aber nicht für die schlechten.»

- Manager sind besonders anfällig für negative Überraschungen. Taleb: «Um Manager zu sein, braucht man nicht besonders viel Hirnmasse, sondern vielmehr eine Kombination von Charisma, die Fähigkeit, Langweile ertragen und die Fähigkeit, oberflächlich ein riesiges Arbeitspensum bewältigen zu können.»

Monatelang haben Schweizerinnen und Schweizer darauf gewartet, dass der Ex-Präsident der UBS, Marcel Ospel, ein Teil seiner Millionen zurückzahlen würde. Das Ereignis wurde immer unwahrscheinlicher. Es wurde selbst zu einem «Schwarzen Schwan». Jetzt ist auch dieser Vogel gesichtet worden, Marcel Ospel gibt nun 22 Millionen Franken zurück, die restlichen 11 Millionen teilen sich Ex-Vizepräsident Stephan Haeringer und der ehemalige Finanzchef Marco Suter. Wunder geschehen also doch – und das wurde auch Zeit.

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