Mastercard startet zynische «Hunger Games»-Aktion zur WM

Bei jedem Goal von Messi oder Neymar wollte Mastercard Mahlzeiten spenden. Der Schuss ging nach hinten los.

Teil der Spendenaktion: Starfussballer Messi und Neymar (Archivbild).

Teil der Spendenaktion: Starfussballer Messi und Neymar (Archivbild).

(Bild: Keystone Leo Correa)

Caroline Freigang@c_freigang

Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Für jedes Goal, das die Fussballer Lionel Messi oder Neymar in nächster Zeit schiessen, wollte das Kreditkartenunternehmen Mastercard 10'000 Mahlzeiten an hungernde Kinder in Lateinamerika und der Karibik spenden. Die Kampagne, die in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der UNO aufgesetzt wurde, sollte über die Weltmeisterschaft hinaus bis ins Jahr 2020 andauern und für jedes offizielle Turnier gelten, in dem Messi oder Neymar spielen.

Messi liess sich in einer Mitteilung von Mastercard noch mit den Worten zitieren: «Ich bin stolz darauf, Teil dieser Kampagne zu sein, die dazu beitragen wird, das Leben von Tausenden von Kindern in meinem Land und anderen Regionen der Welt zu verändern.» Dann ging auf sozialen Medien ein Shitstorm los, die Initiative entwickelte sich zum PR-Desaster.

«Hunger Games»

Der Sportchef der britischen «Times» schrieb auf Twitter, Mastercard mache die Weltmeisterschaft zu einer Art «Hunger Games», in Anlehnung an die Film-Trilogie, in der sich Teilnehmer auf Leben und Tod bekämpfen, bis nur noch einer überlebt. Er rief dazu auf, die Mahlzeiten unabhängig von der Zahl geschossener Tore abzugeben.

Nutzer monierten ebenfalls, dass Kinder in armutgeplagten Ländern nur dann essen könnten, wenn Messi oder Neymar einen Ball am Goalie vorbeikriegen würden. Das versetze auch den Goalie in eine schlechte Lage. Halte er einen Ball, verwehre er 10'000 Kindern in Lateinamerika eine Mahlzeit:

Unabhängig von der Anzahl Tore

Auch der Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft Tite kritisierte die Aktion: «Die Spendenaktion ist sehr schön und grosszügig. Genauso grossartig wäre es, wenn Sie spenden würden, egal welcher Spieler von Argentinien oder Brasilien ein Tor schiesst.» Mastercard ist Sponsor der brasilianischen Nationalmannschaft.

Das Kreditkartenunternehmen hat mittlerweile reagiert und die Spendenaktion abgeändert. «Wir wollen nicht, dass die Fans, die Spieler oder irgendjemand das schwere Hungerproblem in Lateinamerika und der Karibik aus dem Blick verliert», teilte Mastercard mit. Man wolle nun unabhängig von der Anzahl Tore eine Million Mahlzeiten im laufenden Jahr spenden.

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