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Mein Tesla und ich

Er ist einer der ersten Schweizer Besitzer eines Tesla-Elektroautos. Und er fühle sich deswegen total privilegiert, schreibt Roger Schawinski.

Schlicht himmlisches Fahrgefühl: Ein Tesla-Elektroauto.
Schlicht himmlisches Fahrgefühl: Ein Tesla-Elektroauto.
Keystone

Ich bin kein Autofan. Mein bisheriges Auto fuhr ich 16 Jahre lang, und ich liebte meinen Jaguar inniglich. Ich hatte das Gefühl, unglaublich privilegiert zu sein, weil ich im schönsten Auto der Welt sitzen durfte.

Als ich mich langsam nach einem Nachfolger umzuschauen begann, flüsterte mir mein Sohn Kevin das Wort Tesla ins Ohr. Ich las die unglaubliche Geschichte des jungen Elon Musk und seines Elektroautos, die mich an Steven Jobs, den grössten Visionär unserer Zeit, erinnerte. Bald unternahm ich eine Probefahrt im ersten Tesla-Modell, dem Roadster, doch der tiefergelegte Sportwagen hätte mich zu einem lächerlichen Spätpubertierenden gemacht.

Dann stand das Modell S vor der Tür, eine wunderschöne, wenn auch für den europäischen Markt etwas gar grosse und daher teure Limousine. Vor einem Jahr meldete ich mich spontan als Käufer an. Für mich war klar, dass hier die grösste Autorevolution seit hundert Jahren ihren Anfang nimmt. Da ich mein neues Auto ähnlich lang fahren möchte wie das alte, erschien es mir logisch, dabei sein zu wollen.

Alles ist beim Tesla S durchdacht, nicht nur reicht die Batterie für über 400 Kilometer. Hinzu kommt ein Armaturenbrett, das durch ein etwa doppelt so grosses iPad ersetzt worden ist, bei dem alle Funktionen per Touchscreen abgerufen werden können, darunter einige spannende, die ich bisher noch nie zur Verfügung hatte. Der Tesla ist immer online. So erkennt die Servicestelle, wenn bei meinem Wagen etwas nicht stimmt. Dann schickt sie mir ein Mail, und jemand kommt bei mir vorbei und repariert. Die mühe- und fugenlose Beschleunigungsleistung in weniger als 5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer ist für mich eine Versicherung für heikle Situationen und kein Anlass für Rennsimulationen.

Die neue Zeit

Das Fahrgefühl auf der Autobahn ist schlicht himmlisch, da man wie auf Schienen fährt. Dass der Tesla S bei allen Autotests einzigartige Höchstnoten erreichte – sogar bei der Sicherheit –, gab mir zusätzliches Vertrauen.

Bei mir hat die neue Zeit also vor einigen Wochen begonnen. Deshalb muss ich mich nun hier offiziell beim Emir von Katar und bei den Scheichs in Dubai abmelden, deren treuer Kunde ich fünfzig Jahre lang gewesen bin, selbst dann noch, wenn sie den Ölpreis jeweils in schwindelerregende Höhen getrieben haben, um ihren etwas gar extravaganten Lebensstil zu finanzieren. Nun produziere ich den Strom für meinen Tesla mit einer eigenen Fotovoltaikanlage und erfülle so einen Menschheitstraum, nämlich mit Sonnenenergie und völlig schadstofffrei Auto fahren zu können. Bald werden dies Millionen Menschen ebenfalls tun, wenn mehr und billigere Modelle von anderen Firmen auf den Markt kommen. Die Branchengrössen haben durch den Geniestreich von Elon Musk einen Weckruf bekommen, den sie nicht überhören können. Und so wird der Tesla in zwanzig Jahren wohl als Anfang einer gewaltigen Revolution gesehen werden, weil bis dann alle oder fast alle Autos auf ähnliche Art konstruiert sein werden.

Ich bin auch kein Neuheitenfreak. Doch hie und da erscheint mir eine Entwicklung epochal. Und deshalb bin ich nun einer der ersten Besitzer eines Tesla S in der Schweiz und fühle mich wieder einmal total privilegiert.

* Roger Schawinski gründete Radio 24, TeleZüri und Radio 1. Auf SRF 1 moderiert er die Sendung «Schawinski». Der Artikel ist am 13. September 2013 erschienen.

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