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Migros steigt beim Onlineprofi Digitec ein

Der Internethandel der Migros harzt. Der Detailhandelsriese kauft nun 30 Prozent der Galaxus AG, die den Elektronikhändler Digitec betreibt. Credit-Suisse-Analyst Damian Künzi schätzt den Deal ein.

Migros kauft einen 30-Prozent-Anteil an Galaxus, der Muttergesellschaft des Elektronikhändlers Digitec. Neben dem Onlineshop betreibt Digitec auch Läden: Das Digitec-Logo der Filiale beim Technopark in Zürich. (6. Juni 2012)
Migros kauft einen 30-Prozent-Anteil an Galaxus, der Muttergesellschaft des Elektronikhändlers Digitec. Neben dem Onlineshop betreibt Digitec auch Läden: Das Digitec-Logo der Filiale beim Technopark in Zürich. (6. Juni 2012)
Keystone
Migros ist seit langem in der Unterhaltungselektronik tätig: Flachbildfernseher im Sonderangebot in der Migros im Glattzentrum in Wallisellen ZH. (24. Februar 2009)
Migros ist seit langem in der Unterhaltungselektronik tätig: Flachbildfernseher im Sonderangebot in der Migros im Glattzentrum in Wallisellen ZH. (24. Februar 2009)
Keystone
Das natürliche Wachstum ist für Migros in der Schweiz kaum möglich. Der Detailhandelsriese wächst vor allem durch Zukäufe. Die Migros hält einen 22-Prozent-Anteil am Bekleidungshändler Vögele. Dieses Engagement war in letzter Zeit nicht erfolgreich: Die Logos von Migros und Vögele in Pfäffikon SZ. (8. März 2011)
Das natürliche Wachstum ist für Migros in der Schweiz kaum möglich. Der Detailhandelsriese wächst vor allem durch Zukäufe. Die Migros hält einen 22-Prozent-Anteil am Bekleidungshändler Vögele. Dieses Engagement war in letzter Zeit nicht erfolgreich: Die Logos von Migros und Vögele in Pfäffikon SZ. (8. März 2011)
Keystone
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Die Migros will im Internet zulegen. Das Unternehmen erwirbt deshalb 30 Prozent an der Galaxus AG, der Muttergesellschaft von Digitec – nach eigenen Angaben der führende Schweizer Onlinehändler in den Bereichen IT, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation. Galaxus betreibt auch das Onlinewarenhaus Galaxus.

Die heute bekannt gemachte Vereinbarung gibt Migros für die Zukunft die Option, Galaxus vollständig zu übernehmen. Über den Kaufpreis vereinbarten die Vertragspartner Stillschweigen. Der 2001 gegründete Onlineshop Digitec beschäftigt 300 Angestellte. Für die Mitarbeitenden ändere sich durch die Übernahme nichts, heisst es in einer Mitteilung.Redaktion Tamedia hat bei Damian Künzi von der Credit Suisse nachgefragt, was von dem Schritt der beiden Unternehmen zu halten ist. Der Ökonom ist Detailhandelsspezialist in der Research-Abteilung der Grossbank.

Migros und Galaxus begründen die Beteiligung mit einem Austausch von Kompetenz und Erfahrung. Es gehe um die «Vernetzung zwischen Online- und stationärem Geschäft». Geht das?

Ja, Onlinehändler wie Digitec haben vermehrt Standorte, wo man ihre Produkte kaufen kann, ohne vorherige Onlinebestellung. Gleichzeitig streben die etablierten Anbieter im stationären Handel immer mehr ins Internet. Die Verschmelzung von Internet und stationärem Handel kann man im Nonfood-Bereich überall beobachten. Bei einer geschickten Umsetzung gibt es zwischen den beiden Absatzkanälen durchaus Synergien.

Migros bekanntestes Onlineangebot Le Shop musste zuletzt einen Umsatzrückgang von 7 Prozent im ersten Quartal 2012 hinnehmen. Ist der Einstieg bei Digitec etwa eine Verzweiflungstat?

Nein, das glaube ich nicht. Insgesamt wird das Onlinegeschäft ein Wachstumsmarkt bleiben, auch wenn es wie bei Le Shop von Rückschlägen begleitet ist. Das sieht man beispielsweise am grossen Wachstum von Coop@home, das allerdings von tiefem Niveau aus startet. Gerade im Nonfood-Bereich wachsen die Online-Absatzkanäle überall recht schnell. Bei der Galaxus-Beteiligung der Migros kann man deshalb sicher nicht von einer Verzweiflungstat sprechen.

Weshalb entwickelt sich Le Shop von der Migros nicht so gut? Macht die etwas falsch?

Ich war selber überrascht vom Rückgang bei Le Shop. Im ersten Quartal verzeichnete aber der gesamte Detailhandel aufgrund der sinkenden Preise ein leichtes Umsatzminus. Ich bin fest überzeugt, dass das Onlinegeschäft langfristig ein Wachstumsmarkt bleibt.

Digitec hat sich in elf Jahren laut eigenen Angaben zum führenden Anbieter in seiner Branche entwickelt. Was hat die Firma richtig gemacht?

Digitec arbeitet sehr professionell und effizient, etwa bei der Logistik und der Infrastruktur des Onlineshops. Zudem haben sie ein sehr grosses Angebot. Der Konsument weiss, dass er dort fündig wird. Das ist ein grosser Trumpf. Die jungen Unternehmensgründer standen zudem oft in der Öffentlichkeit und gaben dem Unternehmen ein Gesicht. Das half in der Aufbauphase sicherlich, um Digitec von der Masse der oft anonym wirkenden Onlinestores abzuheben.

Die Firma Galaxus betreibt noch andere Plattformen, vor allem ein gleichnamiges Warenhaus. Das kennt man weniger. War das ein Grund, um auf die Migros zuzugehen?

Es ist natürlich viel schwieriger, eine solche Plattform aufzubauen, nur schon, weil das Sortiment viel breiter und unterschiedlicher ist. Es ist deshalb nicht so einfach, die Erfahrung vom Elektronik-Onlineshop eins zu eins auf das Warenhaus zu übertragen. Bei der Internetplattform und der Logistik mag das gehen, aber beim Einkauf ist ein Onlinewarenhaus eine viel grössere Herausforderung als ein Shop, der auf eine Warenkategorie beschränkt ist. Das Unternehmen gibt keine Zahlen bekannt. Ich kann deshalb nicht sagen, ob Galaxus eine Erfolgsgeschichte ist oder ob sie sich dort die Zähne ausbeissen.

Galaxus-Mitgründer Florian Teuteberg sagt, die Beteiligung eröffne «enorme Wachstumsperspektiven». Ist das realistisch?

Ich glaube schon, dass es Synergien gibt. Galaxus und Digitec können im Einkauf von den Kanälen der Migros profitieren, auch bei der Logistik kann eine Zusammenarbeit Vorteile eröffnen. Der Deal macht sicher auch aus Sicht von Digitec viel Sinn. Insgesamt erachte ich die Beteiligung als eine interessante Kombination und einen guten Schachzug von beiden Seiten.

SDA/rub

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