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Mobilfunk-Poker bringt Bund eine Milliarde

Die Mobilfunkauktion des Bundes, in der die Anbieter um sämtliche Frequenzen bieten, spült fast eine Milliarde Franken in die Bundeskasse. Am meisten Geld hat Sunrise auf den Tisch gelegt.

Bieten gegen den Datenkollaps: Handy-Antenne im Wallis.
Bieten gegen den Datenkollaps: Handy-Antenne im Wallis.
Keystone

Die Versteigerung aller Mobilfunkfrequenzen bringt einen Geldsegen für den Staat. Insgesamt fliesst fast 1 Milliarden Franken in die Bundeskasse. Knapp die Hälfte davon zahlt Sunrise, das am tiefsten in die Tasche greift. Mit der Vergabe der Frequenzen ist die Grundlage für den Ausbau der Handynetze gelegt. Das unterwegs Surfen wird massiv schneller.

In der zweiwöchigen Auktion kam ein Betrag von 996,3 Millionen Franken zusammen, wie die Eidg. Kommunikationskommission (Comcom) und das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) am Donnerstag bekannt gaben. Damit kommt der Staat wesentlich besser weg als bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahre 2000.

Damals flossen statt der erwarteten Milliarden bescheidene 205 Millionen Franken in die Bundeskasse. Das war nur wenig mehr als der Minimalpreis. Entsprechend lange Gesichter gab es beim Bund.

Etwas mehr als erwartet

Dagegen zeigte sich Comcom-Präsident Marc Furrer mit dem jetzigen Auktionserlös zufrieden. Die 996 Millionen Franken seien ein angemessener Preis, sagte er vor den Medien in Bern. Die Erwartungen seien leicht übertroffen worden. Der Mindestpreis für den Verkauf aller Frequenzen habe bei 637 Millionen Franken gelegen.

«Ziel der Auktion war es aber nicht, der Bundeskasse möglichst viel Geld zu bringen», sagte Furrer. Ziel der Auktion sei es gewesen, einen möglichst schnellen Ausbau der Mobilfunknetz zu ermöglichen, damit die Schweiz einen Spitzenplatz behalten könne.

Denn der Boom bei den Alleskönnerhandys (sog. Smartphones) und Tabletcomputern wie dem iPad lasse die Datenmenge in den Handynetzen explodieren. Das Volumen verdoppele sich alle 9 bis 12 Monate, sagte Furrer: «Dafür brauchen wir mehr Bandbreite.»

Auktion einzigartig

Die Versteigerung in der Schweiz war weltweit einzigartig: Trotz Kritik von Sunrise und Orange kamen gleich alle Mobilfunkfrequenzen auf einmal unter den Hammer. Den Zuschlag kamen Swisscom, Sunrise und Orange, denen nun deutlich mehr Frequenzen zur Verfügung stehen als bisher. Denn neben den heute genutzten Frequenzen sind weitere Frequenzbereiche frei, unter anderem durch die Abschaltung des vom Fernsehsendemasten verbreiteten analogen TVs. Zusammen mit der neuen Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) sind somit viel höhere Übertragungsgeschwindigkeiten möglich.

Mit der Vergabe aller Mobilfunkfrequenzen auf einen Schlag könnten die Netzbetreiber langfristig planen, sagte Furrer. Die neuen Konzessionen seien bis Ende 2028 gültig. Und die Auktion sei ein transparentes Verfahren. Die Marktteilnehmer würden selber entscheiden, wie viel sie für welche Frequenzen ausgeben wollten.

Am meisten Geld legt Sunrise auf den Tisch: Der zweitgrösste Telekomkonzern zahlt 482 Millionen Franken. Die Swisscom überweist 360 Millionen Franken, während Orange 155 Millionen Franken locker macht. Dass die Telekomunternehmen nun die Auktionskosten von 1 Milliarden Franken nun auf die Handynutzer überwälzen würden, glaubt Furrer nicht. Das verhindere der Wettbewerb: «Die Swisscom kann nicht einfach die Mobilfunkpreise um 20 Prozent erhöhen, weil sie die Auktionskosten abstottern muss», sagte der Comcom-Präsident: Denn sonst würden selbst träge Kunden den Anbieter wechseln.

Reihum Zufriedenheit

Alle drei Telekomunternehmen zeigten sich mit dem Ergebnis der Versteigerung zufrieden. Man habe das bekommen, was man gewollt habe, erklärten sie unisono. Neben den drei Grossen der Telekombranche hatte sich auch In&Phone zur Auktion beworben. Allerdings habe der Anbieter die Zulassungsbedingungen unter anderem für die Finanzierung nicht erfüllt und sei deshalb nicht zur Versteigerung zugelassen worden, sagte Furrer.

Und mit einem neuen Anbieter aus dem Ausland sei nicht zu rechnen gewesen. Drei Handynetzbetreiber seien für den Schweizer Markt genug. «Es hat nicht Platz für vier», sagte Furrer.

SDA/ami

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