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Modekette reagiert mit Kleider-Abo auf Betrüger

Bestellen, einmal anziehen, wieder zurückschicken: Ein neues Geschäftsmodell soll dem grassierenden «Klamottenklau» entgegenwirken. Auch H&M ist interessiert.

Grosse Konzerne wie H&M denken darüber nach, Kleider an ihre Kunden zu verleihen. Foto: Keystone
Grosse Konzerne wie H&M denken darüber nach, Kleider an ihre Kunden zu verleihen. Foto: Keystone

Statt allgemeiner Aufregung gab es nur Schulterzucken. Die US-amerikanische Modekette Dressbarn mit ihren mehr als 600 Geschäften stellt nach fast 60 ­Jahren den Betrieb ein. Vor ein bis zwei Jahrzehnten hätte dies noch zu einem grösseren Bericht in den TV-Nachrichten geführt. Doch die Pressemeldung stiess auf ­wenig Beachtung. 600 Läden, 60 Jahre – was ist das schon in einer Branche, in der jede Woche irgendwer für immer seine Pforten schliesst?

Weltweit, vor allem aber in den USA, ist die Modebranche in einen Mehrfrontenkampf verstrickt, den sie kaum gewinnen kann. Da ist der Onlineriese Amazon, der ihr ein gutes Stück des Geschäfts weggenommen hat. Da sind die knapper gewordenen Budgets junger Menschen, die zu allem Überfluss auch nochgerne ausgehen und in den Urlaub fahren.

Und da ist das neue Phänomen des «Wardrobing», das man sehr frei mit «Klamottenklau» übersetzen könnte und das die Händler Unsummen kostet: Kunden bestellen online eine Bluse, eine Hose oder eine Jacke, ziehen sie einen Abend lang an und senden sie dann mit dem Vermerk «passt nicht» oder «gefällt nicht» zurück.

Trotz Schmutz und Parfüm: Echte Beweise fehlen meist

Zwar entdecken die Händler oft Anzeichen dafür, dass die zurückgeschickten Sachen getragen wurden – etwa intensiven Parfümgeruch oder Verschmutzung. Da aber echte Beweise meist fehlen, müssen sie den Kaufpreis erstatten. In einer britischen Umfrage gestand jüngst jeder fünfte Modekunde, «Ward­robing» zu betreiben – zumindest gelegentlich. In manchen Läden werden 50 Prozent aller Waren zurückgeschickt.

Die US-Bekleidungskette Urban Outfitters, eine der grösseren und bekannteren im Land, will nun gegensteuern. Für eine monat­liche Gebühr von umgerechnet 90 Franken sollen sich Kunden alle vier Wochen sechs ­besondere Stücke aus dem eigenen Sortiment und aus dem von Partnern leihen können, darunter der Schuhhersteller Reebok, der zu Adidas gehört. Hinzu kommen Modeklassiker, die das Unternehmen auf Flohmärkten und bei Spezialhändlern einkauft.

Das Konzept zielt auf gleich mehrere Gruppen: die Instagram-Generation, die anscheinend für jedes Foto ein neues Outfit braucht und sich mit dem grassierenden «Wardrobing» rechtlich auf sehr dünnem Eis bewegt; Nachhaltigkeitsfans, die sich freuen, wenn schicke Kleider regelmässig getragen werden statt nur im Schrank herumzuliegen; und schliesslich jene, denen aus Geldnot oder Frust über die sich ständig ändernden Trends die Modebegeisterung abhanden­gekommen ist und die nun wieder die Chance haben, sich stets aktuell zu kleiden.

Sicherung der Existenz mit Pizza-Kette

Urban Outfitters rechnet damit, binnen eines Jahres 50'000 Abonnenten zu gewinnen. Auch noch grössere Konkurrenten wie H&M aus Schweden denken über Leihoptionen nach. Für kleinere Firmen gibt es bereits eine Internetplattform, über die Anbieter das Mietgeschäft, die ­anschliessende Reinigung und auch womöglich nötige Ausbesserungsarbeiten abwickeln können.

Ob sich der Verleihtrend durchsetzen wird, ist völlig offen – bislang funktionierte er nur für teure Spitzenmode. Auch müssen die Anbieter aufpassen, dass sie nicht ihre Verkäufe ruinieren, schliesslich soll die Vermietung eine Ergänzung und kein Ersatz für das bisherige Geschäftsmodell sein.

Urban Outfitters hält deshalb schon länger auch in anderen Branchen Ausschau nach Möglichkeiten, die eigene Existenz zu sichern: Vor einiger Zeit übernahm die amerikanische Modefirma eine Pizza-Kette.

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