Zum Hauptinhalt springen

Nachruf auf einen Fehlkauf 

Mit der Jahresbilanz 2019 schliesst Novartis das Kapitel Alcon ab.

Holger Alich
Rückblick auf Alcon: «Wir haben insgesamt kein Geld verloren», sagt Novartis-Finanzchef Harry Kirsch. Foto: Keystone
Rückblick auf Alcon: «Wir haben insgesamt kein Geld verloren», sagt Novartis-Finanzchef Harry Kirsch. Foto: Keystone

Ein Überbleibsel der Ära von Konzerngründer Daniel Vasella hinterlässt noch einmal Spuren in der Bilanz von Novartis: der Augenheilspezialist Alcon. Von 2008 bis 2010 kaufte Vasella Alcon in mehreren Schritten für insgesamt rund 52 Milliarden Dollar – es ist bis heute die zweitteuerste Übernahme durch ein Schweizer Unternehmen. Sein Nach-Nachfolger Vas Narasimhan wickelte Alcon ab: Seit April ist die Firma wieder als eigenständige Gesellschaft an der Börse.

Durch die Abspaltung verbucht Novartis nun einen einmaligen Buchgewinn von 4,7 Milliarden Dollar. Der Löwenbetrag davon erklärt sich durch eine Neubewertung der Tochter, erklärt Novartis-Finanzchef Harry Kirsch. Vor der Abspaltung hatte Novartis Alcon einen Wert von rund 20 Milliarden Dollar zugesprochen. Am Stichtag der Abspaltung wurde dieser Wert auf 23,4 Milliarden Dollar korrigiert. Hinzu kommt die Neubewertung eines Alcon-Aktienpakets, das Novartis noch hält.

Diese Werte dürfen nicht mit dem damaligen Kaufpreis verglichen werden. Denn Novartis hatte Alcon mehrfach umgebaut und zum Beispiel das Geschäft mit Augenheilmedikamenten behalten. Die neue Alcon ist ein reines Medtech-Unternehmen, das auf Linsen und Chirurgiegeräte spezialisiert ist.

Goodwill ist anfällig für Wertkorrekturen

Durch die Abspaltung wird Novartis zudem ein Bewertungsrisiko los: Denn der Posten Goodwill – das sind immaterielle Vermögenswerte wie der Wert der Marke, Kundenbeziehungen und so weiter – schrumpft bei Novartis um rund 9 Milliarden Dollar. Früher buchte Novartis allein für Alcon 16 Milliarden Goodwill.

Damit entweicht Luft aus der Rechnungslegung: Denn Goodwill ist anfällig für Wertkorrekturen. Trüben sich die Zukunftsperspektiven ein, muss ein Abschreiber gebucht werden. Nun hat Novartis die Hälfte dieses riskanten Bilanzpostens Alcon übertragen.

Hat sich der Kauf von Alcon unter dem Strich gelohnt? «Wir haben insgesamt kein Geld verloren», sagt Novartis-Finanzchef Kirsch. Ein Erfolg sieht anders aus. Immerhin: Das verbliebene Geschäft mit Augenmedikamenten bietet Chancen – wie etwa das jüngst zugelassene Mittel Beovu gegen feuchte Makuladegeneration, eine häufige Augenerkrankung, die zu starkem Sehverlust führt.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch