Neue SBB-Doppelstöcker laufen schlechter als geplant

Bombardier will, dass die SBB eine Option über weitere 100 der verspäteten Doppelstöcker ziehen. Doch bei der laufenden Einführung harzt es.

Die Qualität bei den Bombardier-Zügen stimmt noch nicht: Der Fernverkehrs-Doppelstockzug (FV-Dosto) im Zürcher HB. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die Qualität bei den Bombardier-Zügen stimmt noch nicht: Der Fernverkehrs-Doppelstockzug (FV-Dosto) im Zürcher HB. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Der Chef der Zugsparte von Bombardier, Danny Di Perna, will den SBB weitere der pannenanfälligen Doppelstockzüge schmackhaft machen. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sprach er am Wochenende davon, dass die Zuverlässigkeit der Züge seit dem vergangenen Jahr stark angestiegen sei. Ein Blick auf die letzten Monate zeigt jedoch: Die Zuverlässigkeit stagniert seit Monaten. Und man hinkt dem eigentlichen Plan hinterher.

Anfang Mai lautete die ­Botschaft von SBB und Bombardier: Nun geht es vorwärts mit den neuen Zügen. Die Zuverlässigkeit der Züge hatte sich bis ­dahin stetig gesteigert. Das bringt nun auch Di Perna im Interview vor: «Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Zuverlässigkeit des Zuges um den Faktor vier bis fünf verbessert. Vor allem aber: Der Trend zeigt ganz klar nach oben.»

Die zurückgelegte Distanz zwischen Pannen mit den neuen Doppelstöckern stieg tatsächlich seit Dezember 2018 deutlich an: Von 960 auf fast 3000 Kilometer im April. Die SBB prognostizierten in der Folge, dass es weiter aufwärtsgehe. Bis im August sollte diese Distanz auf fast 6000 Kilometer ansteigen. Doch das traf nicht ein. Die Zuverlässigkeit sank im Juni gar und konnte danach nicht dem Plan entsprechend gesteigert werden, wie der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Schweizer Eisenbahnrevue» zu entnehmen ist. Von einem Aufwärtstrend ist ebenso wenig zu sehen.

Bis Dezember Zeit

Die SBB halten fest, dass man das im Mai gesetzte Ziel bis Ende Jahr noch erreichen wolle: 7000 Kilometer ohne Zwischenfall. Damit wären die neuen Doppelstöcker noch immer unzuverlässiger als andere Zugtypen. Zum Vergleich: Die alten Doppelstöcker fahren im Durchschnitt 9000 Kilometer ohne Störung.

Die Hoffnungen liegen nun auf einer neuen Software. Diese werde im Herbst ausgerollt und solle die Zuverlässigkeit weiter steigern, sagt ein SBB-Sprecher auf Anfrage.

Im Interview versprüht Danny Di Perna Zuversicht. Seine Botschaft: Wir haben einen tollen Zug, der bald sehr gut fahren wird. Doch offenbar stimmt die Qualität bei den Bombardier-Zügen nicht. So wurden zwar die anfänglichen Türprobleme fast behoben, dafür taucht nun ein weiteres Problem auf: Der Hauptschalter führte zu mehr Störungen. Dieser sorgt dafür, dass der Strom von der Fahrleitung auf die Lok übertragen wird. Ein Grund dafür laut der «Eisenbahnrevue»: Qualitätsprobleme bei der Verkabelung.

Dem Wunsch von Di Perna, dass die SBB die im Vertrag vorgesehene Option über weitere 100 Fahrzeuge ziehen, erteilen die Bundesbahnen erst einmal eine Absage. «Für die SBB und Bombardier hat die reibungs­lose Inbetriebnahme jetzt erste Priorität. Die Frage für Optionsbestellungen stellt sich aktuell nicht», sagt ein SBB-Sprecher. Das klingt zumindest vonseiten Di Pernas anders.

Bis im Dezember müssen weitere Züge in den Einsatz gelangen und zuverlässiger funktionieren, wollen die SBB den geplanten Angebotsausbau mit neuen Zügen abdecken. Sonst heisst es für Pendler: weiterhin alte Züge mit Komforteinbussen und verkürzte Kompositionen. Dazu kommt das Wanken bei den neuen Zügen, das man aber mittels einer neuen Software in den Griff bekommen habe, sagte Di Perna. Ein anderer Ansatz, das Problem zu lösen, scheiterte.

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