Niederländischer Staat steigt bei Air France-KLM ein und verärgert Paris

Den Haag will mehr Kontrolle über Zukunft der Luftfahrtallianz und hat sich für 680 Millionen Euro eingekauft – die Aktie stürzt ab.

Eine Maschine der KLM und eine der Air France am Flughafen Schiphol in Amsterdam. Foto: AFP/Robin Utrecht (28. Mai 2018)

Eine Maschine der KLM und eine der Air France am Flughafen Schiphol in Amsterdam. Foto: AFP/Robin Utrecht (28. Mai 2018)

Um seinen Einfluss auf die Zukunft von Air France-KLM zu sichern, ist der niederländische Staat überraschend bei der Luftfahrtallianz eingestiegen. Finanzminister Wopke Hoekstra sagte am Dienstagabend in Den Haag, die Regierung habe Aktien im Umfang von 680 Millionen Euro gekauft und halte nun 12,68 Prozent des Kapitals. Damit solle der «direkte» Einfluss auf die Allianz gesichert werden. Frankreich reagierte verärgert, die Aktie von Air France-KLM stürzte ab.

Die französische Air France und die niederländische KLM waren im Jahr 2004 eine Allianz eingegangen. Beide Fluggesellschaften werden aber nach wie vor in vielen Bereichen getrennt geführt. Der französische Staat hält selbst 14,3 Prozent der Aktien der Gruppe - auf diesen Anteil wollen die Niederlande nach Aussage von Hoekstra früher oder später ebenfalls kommen.

«Die niederländische Regierung möchte in der Lage sein, die künftige Entwicklung von Air France-KLM direkt zu beeinflussen, um so gut wie möglich das öffentliche niederländische Interesse zu wahren», sagte Finanzminister Hoekstra zur Begründung. Denn wichtige Entscheidungen über die Strategie von KLM würden inzwischen zunehmend auf der Ebene der Allianz von Air France-KLM getroffen.

Paris: keine «staatliche Einmischung»

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich überrascht. Weder der Verwaltungsrat der Allianz noch die französische Regierung seien über den Schritt informiert worden, sagte er der französischen Wirtschaftszeitung «Les Echos». Le Maire warnte, die Prinzipien der guten Unternehmensführung müssten respektiert werden. Es dürfe keine «staatliche Einmischung» geben.

Haushaltsminister Gérald Darmanin sagte am Mittwoch, es sei wichtig, dass sich die Staaten «so wenig wie möglich» in den Betrieb eines so grossen Konzerns einmischten. «Wir sollten die Menschen bei Air France-KLM arbeiten lassen», sagte er dem Radiosender Europe 1. Zudem sei es wichtig, «gute Beziehungen» zu den Niederlanden zu haben.

Sorgen um Stabilität der Allianz

Zuletzt hatte es auch Spannungen um KLM-Chef Pieter Elbers gegeben. Die niederländische Regierung war eingeschritten, als Zweifel laut wurden, dass er auf seinem Posten bleiben würde. Medienberichten zufolge wird seine Rolle in der Allianz als «schwierig» angesehen. Der Chef von Air France-KLM, der Kanadier Ben Smith, will die beiden Fluggesellschaften enger zusammenführen. Elbers gilt dabei als Hindernis. Zum Eintritt des niederländischen Staates äusserte sich die Allianz zunächst nicht.

In den vergangenen Jahren hatten zudem heftige Arbeitskämpfe bei Air France immer wieder für Turbulenzen gesorgt. Das weckte in den Niederlanden Sorgen um die Stabilität der Allianz. Der Einstieg von Den Haag wird nun auch als Mittel zur Wahrung der Interessen rund um den Flughafen Amsterdam-Schiphol gesehen. Eine solide Luftfahrtallianz mit einem ausgebauten Drehkreuz in Schiphol sei von «grosser Bedeutung für die Niederlande», schrieb Hoekstra in einem Brief an das Parlament.

Die Aktie der französisch-niederländischen Luftfahrtallianz brach an der Pariser Börse am Mittwochmorgen ein. Das Papier verlor nur 40 Minuten nach Börsenbeginn über 11 Prozent und fiel auf 11,3 Euro.

anf/afp

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