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OECD sagt Schweiz Rezession voraus

Die Schweiz muss 2009 nach Erwartung der OECD erstmals seit fünf Jahren wieder mit einer leichten Rezession rechnen.

Noch düsterer sind die Prognosen der Pariser Institution vom Dienstag für viele andere Industrieländer, darunter auch die grossen Nachbarn der Schweiz.

Wie stark das wirtschaftliche Klima im Sog der Finanzkrise umgeschlagen hat, zeigt der Vergleich mit dem letzten Wirtschaftsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom vergangenen Juni. Damals wurde der Schweiz für 2009 noch ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,4 Prozent vorausgesagt. Nun erwarten die Pariser Ökonomen einen Rückgang um 0,2 Prozent. Das wäre genau gleich viel wie bei der letzten Rezession der Schweizer Wirtschaft im Jahre 2003.

Extrem angespannte Lage

Als Grund für die leicht negative Entwicklung werden die schlechteren Exportaussichten und den geringeren Beitrag des Finanzsektors zum Wachstum genannt. Weil die Finanzdienstleistungen mit 12,5 Prozent erheblich mehr zum BIP beitragen als in den meisten OECD-Ländern, liegt hier auch ein erhebliches Abwärtsrisiko. Eine länger andauernde Finanzkrise hätte einen ausgeprägteren direkten Effekt auf das Wirtschaftswachstum und die Steuereinnahmen in der Schweiz, heisst es im Bericht.

Trifft hingegen die OECD-Annahme zu, dass die extrem angespannte Lage auf den Finanzmärkten nur von kurzer Dauer sein wird, kann die Schweiz schon 2010 wieder mit einem Wachstum von 1,6 Prozent rechnen. Allerdings dürfte die Arbeitslosigkeit bis ins Jahr 2010 steigen, und zwar von 3,5 Prozent Erwerbslosen im laufenden Jahr auf 3,8 und 4,2 Prozent in den beiden nächsten Jahren.

Beispiellose Leitzinssenkung

Teuerungsgefahren gibt es nach dem Ausreisser der Inflationsrate auf 2,5 Prozent in diesem Jahr hingegen kaum. Die mittlere Jahresteuerung sollte vielmehr 2009 und 2010 auf 1,0 und 1,1 Prozent fallen. Noch nicht berücksichtigt ist in der OECD-Prognose die beispiellose Leitzinssenkung der Nationalbank vom vergangenen Donnerstag um einen vollen Prozentpunkt. Lobend erwähnt wird die Strategie der Nationalbank in der Geldpolitik. Die direkte Steuerung des Dreimonatslibor verdiene Beachtung und könne in turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten von Vorteil sein.

Für die öffentlichen Haushalte erwarten die Pariser Fachleute 2009 und 2010 deutlich rückläufige Überschüsse, selbst wenn die Personalausgaben beim Bund unter Kontrolle gehalten würden. Die Fiskalpolitik sollte aber das Wirksamwerden der automatischen Stabilisatoren zulassen.

Schweiz steht etwas besser da

Die OECD hatte bereits vor knapp zwei Wochen vorab gemeldet, dass die USA, Europa und Japan 2009 erstmals seit der Ölkrise von 1974 gemeinsam in die Rezession zurückfallen dürften. Inzwischen nahm die Institution die Prognose für den Euroraum noch einmal leicht zurück, von einem Minus von 0,5 auf 0,6 Prozent. Deutschland muss mit einem Rückgang des BIP um 0,8 Prozent rechnen, während für Frankreich und Italien negative Raten von 0,4 und 1,0 Prozent vorausgesagt werden. In den USA wird ein Minus um 0,9 Prozent vorausgesagt, in Japan ein Rückgang um 0,1 Prozent. Für alle 30 in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer ergibt sich ein Minus von 0,4 Prozent. Auch für 2010 steht die Schweiz laut der Prognose etwas besser da als die gesamte OECD und der Euroraum, die lediglich mit 1,5 beziehungsweise 1,2 Prozent Wachstum rechnen können.

AP/sam

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