Österreichs Staatsbahn will gebrauchte Stadler-Züge kaufen

Die ÖBB liebäugeln mit einer Occasionsflotte von Kiss-Zügen des Schweizer Herstellers.

Noch fahren die Kiss-Züge von Stadler im Design der privaten Westbahn in Österreich. Foto: Trainspotter LGs

Noch fahren die Kiss-Züge von Stadler im Design der privaten Westbahn in Österreich. Foto: Trainspotter LGs

Bernhard Odehnal@BernhardOdehnal

So etwas nennt man eine massgeschneiderte Ausschreibung: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) schreiben den Kauf von gebrauchten Elektrotriebzügen aus, 17 Stück, 4- und 6-teilig, Geschwindigkeit bis 200 km/h. Wie es der Zufall so will, bietet ein einziges Unternehmen diese Züge an: die private Westbahn, die heute mit 17 Triebzügen des Typs Kiss von Stadler Rail zwischen Wien und Salzburg fährt. Ein ähnliches Angebot hat die Deutsche Bahn gestellt. Auch die DB ist offenbar an den Stadler-Zügen interessiert.

Für die Eigentümer der Westbahn, zu denen die französische Staatsbahn SNCF und der Gründer des Baukonzerns Strabag, Hans-Peter Haselsteiner, gehören, sind diese Angebote eine schlechte Nachricht. Offenbar rechnen ÖBB und DB damit, dass die zwar erfolgreiche, aber hoch verschuldete Privatbahn nicht mehr lange durchhalten wird, und wollen sich das Wertvollste sichern – die Schweizer Züge.

Zweifel an der Qualität

«Es wird uns auch weiterhin geben», versichert hingegen Westbahn-Sprecherin Ines Volpert. Sie spricht von einer Grundsanierung, um das Unternehmen auf stabile Füsse zu stellen. Angeblich will die Westbahn neue Züge beim chinesischen Bahnbau-Giganten CRRC bestellen. Dafür gibt es keine Bestätigung, aber auch kein Dementi: Die Westbahn plane, mit dem «am schnellsten lieferfähigen Qualitätslieferanten auf dem Weltmarkt ein noch weiter verbessertes Zugkonzept für Doppelstockzüge mit 200 km/h rasch umzusetzen», sagt Volpert. Schnell liefern könnten die Chinesen. An der Qualität der Züge gibt es in Europa starke Zweifel.

Mit dem Umstieg der Westbahn auf chinesische Züge würde die Bussnanger Stadler Rail einen Kunden im Nachbarland verlieren. Auf der anderen Seite würde der Verkauf der Kiss-Garnituren bedeuten, dass Peter Spuhlers Firma bei den ÖBB einen Fuss in die Tür bekommt.

Bei den bisherigen Ausschreibungen der österreichischen Staatsbahn kamen stets nur die Platzhirsche Siemens und Bombardier zum Zug. Nun dürften auch Stadler-Züge eine Option sein. «Wenn es auf dem Markt die Möglichkeit gibt, weiteres Rollmaterial zu bekommen, dann sehen wir uns das an», schreibt Bernhard Rieder, Mediensprecher der ÖBB, an Tamedia: «Damit können wir ältere Garnituren möglicherweise früher austauschen.» Stadler Rail will sich nicht äussern, da es sich «um ein Betreiber- und Beschaffungsthema handelt».

Auch in Tschechien gibt es Gerüchte, dass die Privatbahn Leo-Express ihre sieben Stadler-Züge des Typs «Flirt» verkaufe. Den Umstieg auf China-Produkte hat Leo-Express vor drei Jahren beschlossen. Laut Fachpresse sind die Züge noch nicht eingetroffen.

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