Parteigutachten entlastet Migros-Regionalfürsten

Damien Piller soll sich beim Bau zweier Filialen in Freiburg nicht bereichert haben. Die Migros-Genossenschaft hält an ihrem Verdacht fest.

Damien Piller ist seit 23 Jahren Präsident der Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg. (Archivbild)

Damien Piller ist seit 23 Jahren Präsident der Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg. (Archivbild)

Damien Piller, Präsident der Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg (MNF), soll unschuldig sein. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das die MNF in Auftrag gegeben hat, wie die Verwaltung der Genossenschaft in einer Mitteilung schreibt.

Piller wird vorgeworfen, sich beim Bau der Migros-Filialen in Belfaux und La Roche unrechtmässig bereichert zu haben. «Das unabhängige Audit zeigt deutlich, dass die vom Migros-Genossenschaftsbund (MGB) in Zürich gegen Damien Piller erhobenen Beschuldigungen haltlos sind», heisst es nun in der Mitteilung. Wer den von der Verwaltung der Migros Neuenburg-Freiburg in Auftrag gegebenen Expertenbericht erstellt hat, ist nicht angegeben.

Der MGB wurde über das Gutachten in Kenntnis gesetzt und sieht die Sache etwas anders. «Auch dieser Bericht stellt fest: Es gibt keine nachgewiesenen Gegenleistungen für die Zahlungen über 1,7 Millionen Franken an Firmen von Herrn Piller», sagt Tristan Cerf, Mediensprecher des Migros-Genossenschaftsbunds, auf Anfrage. «Der Auditbericht kommt ebenfalls zu Schluss, dass die Untersuchungen weitergehen müssen.»

Somit bestätige das Audit der regionalen Verwaltung die beiden umfassenden Untersuchungen, die der MGB und die Direktion der GMNF durch unabhängige Experten vornehmen liessen. «Es besteht weiterhin der begründete, schwerwiegende Verdacht der möglichen ungetreuen Geschäftsführung», sagt Cerf. Dieser werde aufgrund von Strafanzeigen des MGB und der Direktion der GMNF durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg untersucht.

Direktion verweigert Unterstützung der Untersuchung

Komplett abgeschlossen ist der Fall aber auch für die Migros Neuenburg-Freiburg noch nicht: Durch die Untersuchung wurden «zum Zeitpunkt der Ereignisse dennoch bedeutende Mängel in der Arbeit der Direktion sowie die ungenügende Beaufsichtigung durch die Verwaltung» festgestellt. «Die Verwaltung wird daher von ihrem Präsidenten weitere Informationen einfordern», schreibt die MNF. Die Direktion habe sich geweigert, die Untersuchung zu unterstützen.

Aufgrund des Gutachtens findet am 16. November eine Urabstimmung unter den 124’000 Mitgliedern der Regionalgenossenschaft Neuenburg-Freiburg statt. Diese wird darüber entscheiden, ob die Verwaltung ihre Aufgabe weiterhin wahr nimmt oder nicht.

Der Migros-Genossenschaftsbund unterstützt den Entscheid des Genossenschaftsrats der Migros Neuchâtel-Fribourg für eine Urabstimmung, bei der die Mitglieder der Genossenschaft über die sofortige Abberufung der regionalen Verwaltung befinden sollen. «Es besteht aufgrund der schwerwiegenden Vorfälle kein Vertrauen mehr zur regionalen Verwaltung und ihrem seit 23 Jahren amtierenden Präsidenten», sagt Mediensprecher Tristan Cerf.

aru/rf/anf

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