Pensionskassen-Affäre erschüttert die Schwyzer Kantonalbank

Kuno Kennel könnte wegen einer Pensionskassen-Affäre bei der Schwyzer Kantonalbank zurückgetreten sein.

Bankratspräsident Kuno Kennel. Foto: PD

Bankratspräsident Kuno Kennel. Foto: PD

Bernhard Kislig@berrkii

Missbrauchtes Vertrauen und eine zerbrochene Geschäftspartnerschaft stehen am Anfang der Pensionskassen-Affäre, in die sich die Schwyzer Kantonalbank verstrickt hat. Für Bankratspräsident Kuno Kennel dürfte dies nun Folgen haben. Gemäss informierten Kreisen soll er heute oder in den kommenden Tagen seinen Rücktritt bekannt geben. Kennel wollte gestern nichts dazu sagen – er dementierte aber auch nicht.

Berichte in mehreren Medien warfen in den vergangenen Tagen und Wochen kein gutes Licht auf Kennel. Dabei wurde klar, dass er sich auf Geschäfte mit dem schillernden Unternehmer Serge Aerne eingelassen hatte. Diese Zeitung machte unter anderem ein E-Mail publik, in dem Kennel an Aerne schrieb: «Kannst Du jetzt nicht 1 Millionen für Aerius locker machen?» Kennel sass damals im Verwaltungsrat der ­Aerius Holding AG. Das Geld floss tatsächlich: Die von Aerne gegründete Pensionskasse Phoenix überwies den Betrag in zwei Tranchen.

Dieser Zeitung liegen auch Hinweise vor, wonach der Anlageausschuss der Phoenix dieses Investment seriös geprüft hat. Doch Vertrauen und Reputation sind im Bankgeschäft von grosser Bedeutung. Bei Negativschlagzeilen wird ein Bankratspräsident rasch zur Belastung – selbst wenn ihm am Ende inhaltlich wenig nachgewiesen werden kann.

Gewiss hat Kennel aber zu viel Vertrauen geschenkt. Er erhoffte sich von Aerne ein Eintritts-ticket in das Pensionskassengeschäft. Für die Bank wäre das ein attraktives Geschäftsfeld, da aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen die Margen im traditionellen Bankgeschäft gesunken sind. Aerne, der unter anderem im Immobiliengeschäft Geld verdient hat, gründete mit der Nova Vorsorge auch eine Firma, die Verwaltungsdienstleistungen an Pensionskassen verkauft. Die Schwyzer Kantonalbank beteiligte sich an der Nova. Informierte Kreise sprechen von einer Investition im Umfang von 2 Millionen Franken.

Namhafter Partner steigt ein

Die Beteiligung der renommierten Kantonalbank weckte Vertrauen. Deshalb fusionierte Anfang 2015 eine Pensionskassenverwalterin mit der Nova. Es entstand die Nova Vorsorge Holding, an der Aerne mit 31 Prozent beteiligt war. Die Nova bestand zuvor nur aus einem Rumpfteam – mit der neuen Partnerin kam ein Unternehmen mit 50 erfahrenen Angestellten hinzu.

Doch die Partnerschaft hielt nicht lange. Nur acht Monate später war den Beteiligten klar, dass es zur Trennung kommen muss. Mehrere Gründe werden genannt: unterschiedliche Geschäftsinteressen, manipulierte Zahlen und persönliche Unstimmigkeiten.

Für 9 Millionen Luft gekauft

Wie aus Gerichtsakten hervorgeht, wurde der Unternehmenswert der Nova Holding auf 17,5 Millionen Franken veranschlagt. Aerne wurde herausgekauft und erhielt für seinen Aktienanteil weitere 6 Millionen Franken ausbezahlt. Hinzu kam schliesslich ein vertraglich vereinbarter «Earn out» über 1 Million Franken.

Insgesamt erhielt Serge Aerne also rund 9 Millionen Franken. Pikant dabei: Die Schwyzer Kantonalbank hat dafür praktisch keinen Gegenwert erhalten. Oder plakativ ausgedrückt: Sie hat für 9 Millionen Franken Luft gekauft. Der Betrag entspricht auch nahezu den 10 Millionen Franken, welche die Kantonalbank wie offiziell bestätigt auf der Nova Holding abgeschrieben hat. Die Nova hat zwar mit Phoenix und Profaro zwei Pensionskassen mit in die Ehe gebracht. Doch die Profaro hat sich kurz darauf mit einer anderen Pensionskasse zusammengeschlossen.

Verfahren gegen Phoenix

Auch bei der Phoenix kam es rasch zur Trennung. Als Grund wird das Risiko eines Reputationsschadens genannt. Auf Veranlassung beteiligter Parteien wurde praktisch zeitgleich auch ein aufsichtsrechtliches Verfahren gegen die Phoenix eingeleitet, die heute finanziell in Schieflage ist. Letztlich hat also die Nova nur eine Hülle mit in die Fusion gebracht. Kennel muss sich vorwerfen lassen, dass er das Geschäft zu wenig genau geprüft und zu viel Vertrauen geschenkt hat.

Die Schwyzer Kantonalbank und das Partnerunternehmen der Nova Holding haben schliesslich gegen Aerne Zivil- und Strafklage eingereicht. Vor knapp zwei Wochen hat das Zivilgericht Schwyz die Zivilklage vollumfänglich abgewiesen. Das Urteil ist für die Schwyzer Kantonalbank mehr als nur ernüchternd ausgefallen: Die Vorwürfe seien zu spät geltend gemacht worden. Und nach einer ausführlichen inhaltlichen Würdigung kommt das Gericht zum Schluss, dass es die Klage selbst bei rechtzeitiger Einreichung abgewiesen hätte. Die Frist läuft zwar noch, doch laut informierten Kreisen ist es unwahrscheinlich, dass das Urteil angefochten wird. Weiterhin hängig ist die Strafklage, in der es unter anderem um Bilanzmanipulationen geht.

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