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Post ist für viele ein Stück Heimat

Wenn es um das neue Postgesetz geht, geniesst der Service public für Schweizer höchste Priorität. Dies zeigt eine Umfrage. Vor einer vollständigen Liberalisierung des Briefmarktes haben viele Respekt.

Glaubwürdiger als ein Bundesrat: Wenn es um Fragen rund um die Post geht, vertrauen Herr und Frau Schweizer den Pöstlern.
Glaubwürdiger als ein Bundesrat: Wenn es um Fragen rund um die Post geht, vertrauen Herr und Frau Schweizer den Pöstlern.
Post/zvg

Ende Mai hat der Bundesrat die Botschaft zur Totalrevision der Postgesetzgebung ans Parlament verabschiedet. Voraussichtlich in der Wintersession wird sich der Ständerat als Erstrat mit der Vorlage befassen. Die Eckpfeiler der Gesetzesvorlage: das Restmonopol im Postmarkt soll abgeschafft, gleichzeitig die Schweizerische Post aber zur Grundversorgung verpflichtet werden. Ausserdem soll die Postfinance in eine Aktiengesellschaft ausgelagert und der ordentlichen Finanzmarktaufsicht unterstellt werden. Die direkte Vergabe von Krediten und Hypotheken durch die Postfinance ist aber weiterhin nicht vorgesehen.Service public zentralIm Vorfeld der Beratung durch die Räte ist die Postführung nun einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Sie hat dem Forschungsinstitut GFS Bern den Auftrag erteilt, mittels einer repräsentativen Umfrage die Schweizer Bevölkerung zu ihrer Meinung zu den wichtigsten Punkten der Postgesetz-Revision zu befragen. «Die Post will damit zur Meinungsbildung beitragen», sagte Daniel Mollet, Leiter Unternehmenskommunikation der Post, gestern bei der Präsentation der Ergebnisse. Bei diesen Resultaten bleiben Überraschungen weit gehend aus. Laut Claude Longchamp, Institutsleiter des GFS, geniesst der Schutz des Service public unter den 1206 Befragten eindeutig Priorität vor allen anderen vorgesehenen Reformen. Das zeigt sich in den konkreten Zahlen: Neun von zehn Interviewten sind der Meinung, dass ein flächendeckendes Poststellennetz die Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft ist. 80 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass an der postalischen Grundversorgung für alle – also auch in abgelegenen Regionen – nicht gerüttelt werden sollte. Das deckt sich mit der Erkenntnis, dass neun von zehn Befragten die Schweizerische Post als Teil ihres Heimatgefühls empfinden. Für ebenso viele ist eine Post im Dorf gleichzusetzen mit einem attraktiveren Wohnort. «Diese klaren Ergebnisse zeigen, dass die Post eine der typisch schweizerischen Institutionen ist», kommentiert Longchamp. Pöstler schlagen BundesratEs scheint auch, dass die Schweizer Bevölkerung der Post und ihren Mitarbeitern sehr grosses Vertrauen entgegenbringt. Wenn es um Fragen rund um die Post geht, so erscheinen für acht von zehn Befragten die Postmitarbeiter und die Post als Unternehmen glaubwürdig. Zum Vergleich: die Institution Bundesrat ist in dieser Fragestellung nur für sechs von zehn Befragten glaubwürdig.Gegen LiberalisierungUmstritten ist bei der Bevölkerung die Frage, ob die Post die Möglichkeit erhalten sollte, Kredite und Hypotheken direkt vergeben zu können. 47 Prozent sind für eine Ausdehnung des Finanzdienstleistungsangebots der Post, 42 Prozent dagegen. Fast die Hälfte der Befragten hat Angst davor, dass die Post bei der Vergabe von Krediten zu hohe Risiken eingehen würde. «Wir werden die Information in diesem Bereich noch verstärken», hiess es bei der Post, welche dieses Vorurteil angesichts des lukrativen Geschäfts gerne ausräumen möchte. Ganz klar ist die Meinung von Herrn und Frau Schweizer zur vollständigen Briefmarktöffnung. Fast zwei Drittel finden diese nicht oder eher nicht sinnvoll, während nur ein Drittel der Befragten mehr oder weniger zustimmen. Interessant ist hier zu sehen, wie in der Schweiz lebende Ausländer die Situation anders beurteilen als Schweizer Bürger. Ausländische Befragte sehen in der Liberalisierung vor allem die Vorteile für die Wirtschaft, während Schweizer insbesondere betreffend Qualität der Dienstleistungen ihre Bedenken anmelden.

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