Post schafft Gebühren-Ärgernis ab

Die Post ­reagiert auf den Druck aus der Politik und des Preisüber­wachers. Sie wird ab Anfang 2018 keine Gebühr von 13 Franken mehr erheben, wenn sie am Zoll bei einer Stichprobe ein Paket ­öffnet.

Pakete am Zoll: Im Auftrag des Zolls überprüft die Post mit Stichproben, ob die Pakete etwas Illegales beinhalten.

Pakete am Zoll: Im Auftrag des Zolls überprüft die Post mit Stichproben, ob die Pakete etwas Illegales beinhalten.

(Bild: Keystone)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Für die Kunden war die Gebühr ein Ärgernis: Die Post führt im Auftrag der Zollverwaltung stichprobenweise Kontrollen von Paketen durch, die vom Ausland in die Schweiz geschickt werden. Dem zufällig ausgewählten Empfänger stellte sie ­dafür bislang eine Gebühr von 13 Franken in Rechnung.

Den meisten Kunden von ausländischen Onlineshops ist nicht bewusst, dass eine solche Gebühr fällig werden kann. Entsprechend gross war dann jeweils der Ärger bei vielen Kunden, wenn sie in Rechnung gestellt wurde. Die ­Kunden fühlten sich «willkürlich» behandelt.

Der Ärger hat ein Ende

Ab Anfang 2018 ist nun Schluss mit dem Ärgernis: Die Post hat entschieden, ab dann auf die Gebühr zu verzichten. Der Verzicht ist Teil einer Einigung mit dem Preisüberwacher Stefan Meierhans, welche dieser und die Post am Montag veröffentlicht ­haben. Die Stiftung Konsumentenschutz zeigte sich erfreut darüber, dass die Post auf die «unsäg­liche ­Gebühr» verzichten wird.

Neben dem Preisüberwacher hat vor allem auch die Politik mächtig Druck auf die Post gemacht. Im Frühling überwies das Parlament eine Motion des ­Obwaldner CVP-Ständerats Erich Ettlin, welche eine Abschaffung dieser Gebühr verlangt. Dies war für Postchefin Susanne Ruoff offenbar ein klares Zeichen, dass sie nicht mehr an der bisherigen Praxis festhalten konnte. Die Post selbst musste am Montag einräumen, dass die Gebühr «nicht befriedigend» sei.

2018 trägt die Post die Kosten

Der Preisüberwacher betont, dass die Post die Gebühr für das Jahr 2018 «kompensationslos» abschaffe. Das bedeutet, dass sie die wegfallenden Einnahmen in der Höhe eines sechsstelligen Betrags nicht mit einer Tariferhöhung hereinholen wird. Wie es im Jahr 2019 weitergehen wird, ist offen.

Postsprecher Oliver Flüeler sagt dazu: «Auf die Dauer kann die Post die Kosten nicht selbst tragen. Sie wird sich mit den Partnern zusammensetzen, um eine Lösung zu finden, die für alle vertretbar ist.»

Briefpost schlägt nicht auf

Der Preisüberwacher und die Post haben sich bei weiteren Themen geeinigt. Die Vereinbarung soll die Kunden mit zehn Millionen Franken entlasten. Der wichtigste Punkt ist, dass der gelbe Riese die Preise für Briefe der A- und der B-Post im nächsten Jahr wie bisher belassen wird. Allerdings: Postpräsident Urs Schwaller kündigte Ende Juni an, dass er auf Anfang 2019 die Preise für A- und B-Post erhöhen möchte.

Bei den Paketen führt die Post eine neue Einteilung nach Gewicht ein. Statt wie bisher fünf gibt es künftig noch drei Kategorien. Pakete bis 2 Kilogramm bleiben gleich teuer. Diese machen laut der Post einen Anteil von 85 Prozent aus. Der Tarif für Pakete zwischen 11 und 20 Kilogramm schlägt dagegen von 15 auf 20.50 Franken auf. Im Gegenzug sinkt die Gebühr für Pakete von 21 bis 30 Kilogramm von 22 auf 20.50 Franken. Unter dem Strich befürchtet der Konsumentenschutz eine «Mehr­belastung der Privatkunden».

Für die Nutzer der Paketpost gibt es zudem ein paar Zückerchen. Drucken sie die Etiketten für ihre Pakete über die Internetseite der Post aus, erhalten sie eine Vergünstigung von 50 Rappen bis 3 Franken. Und Retouren im Versandhandel werden 50 Rappen günstiger.

Weihnachtsmann Meierhans

Preisüberwacher Stefan Meierhans hat schliesslich ein Flair für Massnahmen, welche allen Bürgern zeigen, was er bei den Staatsbetrieben herausgeholt hat. So musste die Post im Mai dieses Jahres allen Haushalten Briefmarken im Wert von 2 Franken zustellen. Was eine grössere logistische Übung war.

Bei der neuen Vereinbarung gibt es nun eine Weihnachts­aktion: Wer einen Monat vor Weihnachten ein Inlandpaket verschickt, bezahlt als Privat­kunde einen Franken weniger pro Paket. Der Preisüberwacher spielt in diesem Jahr Weihnachtsmann.

Berner Zeitung

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