Roboter, die schrauben und schweissen

Prix SVC

Kreative Ingenieure sind in der Industrie für die Automatisierung begehrt. Die Burgdorfer Firma Asic Robotics konnte sogar im Jahr des Frankenschocks einen Wachstumssprung wagen.

Sie füllt eine Halle: Milo Gasser, Chef von Asic Robotics, steht in der hinter Glaskästen geschützten neuesten Roboteranlage.

Sie füllt eine Halle: Milo Gasser, Chef von Asic Robotics, steht in der hinter Glaskästen geschützten neuesten Roboteranlage.

(Bild: Beat Mathys)

Julian Witschi

Alle 5,2 Sekunden ist eine Uhr fertig zusammengesetzt – aus zwei Dutzend kleinen und kleinsten Teilen. Das schafft eine Roboteranlage von Asic Robotics. Das Unternehmen mit Sitz in Burgdorf ist für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert.

Asic Robotics baut keine Roboter in Menschengestalt, sondern vollautomatische Produktionsanlagen mit Greifarmen, Förderbändern und Drehtellern. Diese können Teile aufeinandersetzen, verschrauben, schweissen, kleben oder etwa auch laserbohren. «Unsere Kunden kommen zu uns, bringen diverse Einzelteile mit und fragen, ob wir eine Maschine entwickeln können, die diese Teile in grosser Stückzahl montieren kann», sagt Unternehmenschef Milo Gasser. «Oftmals sollen die Anlagen die Produkte auch noch prüfen, beschriften und verpacken können.»

Ein Blick auf eine Roboteranlage von Asic Robotics.
(Video: zvg)

Dann beginnen sie zu tüfteln. Rund 90 Personen arbeiten in Burgdorf für Asic Robotics, ein grosser Teil sind Ingenieure. Milo Gasser (39), der seit 17 Jahren für das Unternehmen arbeitet, vergleicht Asic Robotics mit einer Erfinderwerkstatt von Daniel Düsentrieb. Sie grübeln, machen Handskizzen und beginnen dann, die allesamt extern eingekauften Geräte und Werkzeuge zusammenzufügen. Sie testen und perfektionieren ihre Anlage bis hin zur Inbetriebnahme.

Nur Prototypen

Grössere Anlagen kosten mehrere Millionen Franken. Insgesamt kommt die Gruppe so auf einen Jahresumsatz von 60 Millionen. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Autobranche, der Medizintechnik, der Elektronik und der Uhrenindustrie. Bei den Namen der Kunden bleibt Gasser diskret. Es seien Weltkonzerne darunter, sagt er.

Es erstaunt, dass sich Grossunternehmen Maschinen für zentrale Produktionsprozesse extern bauen lassen. Gasser sagt dazu, selbst Konzerne hätten die Ressourcen dafür oft nicht. Und sie würden ihr Prozess-Knowhow nicht an Asic Robotics verlieren, weil sie die Maschinen inklusive des geistigen Eigentums erhalten. «Wir haben kein einziges Patent, keine Lizenz.»

Jede Maschine sei eine Sonderanfertigung, ein Prototyp, sagt Gasser. Denn die Prozesse und Kunden seien immer anders. «Das ist spannend für unsere Mitarbeitenden. Die Leidenschaft und die innovativen Ideen aller Mitarbeiter machen den Unterschied zu den Konkurrenten», ist der Firmenchef überzeugt, denn «die schlauste Maschine ist letztlich auch die preiswerteste». So aufgestellt, konnte die stark exportorientierte Asic Robotics 2015 die geplante Erweiterung der Produktion um eine zweite Montagehalle und ein Lager durchziehen, obwohl die Nationalbank den Euromindestkurs aufgehoben hatte.

Statt ganz wegzuziehen

Und was sagt Gasser zum Vorwurf, Roboter würden Menschen die Arbeit wegnehmen? Es würden sich viele Schweizer Industriefirmen überlegen, die Produktion auszulagern. Mit der Investition in Automatisierung könne jedoch oft der Produktionsstandort Schweiz erhalten werden, womit entsprechende Arbeitsplätze verblieben. Für Gasser ist dies eine sehr gute Alternative zum Abwandern der Firmen in Billiglohnländer.

Die Burgdorfer selber wollen moderat wachsen. Mit 90 Angestellten am Hauptsitz sieht Gasser das Unternehmen gut aufgestellt. Hinzu kommen 10 Mitarbeitende bei der Tochterfirma Scheidegger in Burgdorf, 15 bei der Zufag in Lützelflüh und 85 Angestellte in Deutschland. Ob sie sich über den Gewinn des Prix SVC Espace Mittelland freuen können, zeigt sich am 13. März.

Berner Zeitung

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