SBB locken Amazon und Lidl in die Bahnhöfe

Migros und Coop erwartet grosse Konkurrenz: Die Bundesbahnen flirten mit dem US-Onlinehändler Amazon – und machen den Weg für die erste Lidl-Filiale frei.

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Die SBB wollen die Bereiche rund um die Bahnhöfe aufwerten. Dafür müssen alkoholisierte Randständige und Jugendliche sowie Taxis das Feld räumen («berneroberlaender.ch/Newsnetz» berichtete). Aber auch im Bahnhofsinnern wollen die SBB den Kunden ein attraktiveres Angebot bieten; sie setzen dabei auf eine Vielfalt von Mietern, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet. Ganz oben auf der SBB-Wunschliste: der US-Konzern Amazon.

«Die Shoppingtour der Zukunft soll im Bahnhof stattfinden», heisst es auf der Internetseite der SBB-Immobilien-Abteilung. Was die Kunden in den Bahnhöfen, die schon heute zu den grössten Shoppingcentern der Schweiz gehören, allerdings an Shopping-Angebot zu sehen bekommen, gleicht einem Einheitsbrei: Dominiert wird die Mieterschaft von Coop, Migros und Valora. Und eigenständige Verpflegungsformate wie Hitzberger oder Marché wurden zuletzt von den beiden Genossenschaftsriesen aufgekauft.

Amazons Panty, die Vorratskammer in der Box

Um das Shopping-Angebot in den Bahnhöfen zu erweitern, hofft Jürg Stöckli, Leiter des SBB-Geschäftsbereichs Immobilien, auf den US-Onlinehändler Amazon. «Wir möchten Amazon gern in der Schweiz und bei uns in den Bahnhöfen haben», sagt Stöckli gegenüber der «Aargauer Zeitung». Die SBB hätten das Unternehmen von sich aus angesprochen, und die Amazon-Vertreter hätten interessiert zugehört. In welchem Format Stöcklis Wunschkandidat in den Bahnhöfen präsent sein will, behält Stöckli für sich, es handle sich allerdings eher weniger um Lebensmittel, sondern um Non-Food-Produkte. Gemäss Stöckli sei man daran interessiert, den Bahnhof als Abholstation zu nutzen, «mit täglich 1,3 Millionen Reisenden sind wir ein attraktiver Standort dafür».

Über einen Markteintritt des Unternehmens von US-Milliardär Jeff Bezos in der Schweiz wurde zuletzt häufig spekuliert. Der Onlinehändler habe vor, das Food-Angebot «Pantry» zu lancieren, das seit 2015 in Österreich und Deutschland als «Vorratskammer in der Box» angepriesen wird, berichtete die «Handelszeitung». Damit sollen die Wocheneinkäufe bei den Grossverteilern überflüssig werden. Für den Pantry-Dienst verpflichtete Amazon kürzlich einen ehemaligen Aldi-Suisse-Topmanager.

Auch Lidl und Aldi zeigen Interesse

Und der US-Gigant bringt sich fürs Offlinegeschäft weiter in Position: Diesen Monat kaufte Amazon die Bio-Handelskette Whole Foods für rund 14 Milliarden Dollar. Und Erfahrungen mit Ladenlokalen sammelt Amazon derzeit in amerikanischen Städten, wo das Unternehmen knapp zehn Buchläden betreibt. In Seattle hat die Firma zudem einen Convenience-Shop namens «Amazon Go» eröffnet mit Softgetränken, Sandwiches und anderen Lebensmitteln.

Auf den Teppichetagen von Coop und Migros beobachte man die Schritte der Amerikaner denn auch mit Argusaugen, schreibt die «Aargauer Zeitung». Aber nicht nur Amazon rückt Coop und Migros auf den Leib: Denn Stöckli wagt im Lebensmittelbereich einen Tabubruch.

Bisher sind es in erster Linie die beiden Schweizer Grossverteiler, die mit Supermärkten in Bahnhöfen eingemietet sind. Laut Stöckli habe bei Aldi und Lidl in den letzten Monaten ein Sinneswandel stattgefunden. Innenstädtische Lagen seien vermehrt in den Fokus der deutschen Discounter gerückt. In Morges VD kommt es sogar zur ersten Kooperation mit den SBB: Im dortigen Bahnhof werde der ersten Vertrag mit Lidl abgeschlossen; die Eröffnung sei 2019 geplant.

Es sei gut denkbar, dass in Zukunft weitere Aldi- und Lidl-Filialen in die SBB-Bahnhöfe einziehen würden, sagt Stöckli, und betont gleichzeitig, dass Migros, Coop und Valora starke und wichtige Partner der SBB seien.

nag

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