SBB und BLS reden wieder miteinander

Im Streit um Fernverkehrslinien wollen die SBB und die BLS nun eine einvernehmliche Lösung finden.

Im Fernverkehr-Konflikt zwischen BLS und SBB gibt es erstmals Zeichen für eine Lösung.

Im Fernverkehr-Konflikt zwischen BLS und SBB gibt es erstmals Zeichen für eine Lösung.

(Bild: Rapahel Moser)

Julian Witschi

Es ist das erste versöhnliche Signal seit über zwei Jahren. Bislang haben sich die SBB vehement dagegen gewehrt, dass ihr Monopol im gewinnträchtigen Fernverkehr geknackt wird. Gegen die Vergabe von zwei Fernverkehrslinien an die BLS legte das von Andreas Meyer geführte Unternehmen vor einem Jahr beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Diese Beschwerde wollen die SBB jetzt sistieren. Das bedeutet, dass das Verfahren für eine bestimmte Zeit unterbrochen wird, wie die Bundesbahnen gestern erklärten. Allerdings ziehen sie ihre Beschwerde nicht zurück.

Die SBB begründen ihren Schritt so: «Seit einigen Wochen führen BLS und SBB wieder konstruktive Gespräche bezüglich der zukünftigen Zusammenarbeit im nationalen Fernverkehr.» Die beiden Bahnunternehmen wollten nun eine einvernehmliche Lösung finden und diese noch im eben angefangenen dritten Quartal dieses Jahres präsentieren, heisst es.

BLS erfreut, aber …

Die BLS begrüsst den Schritt der SBB und bestätigt, dass die beiden Bahnen über eine gemeinsame Lösung sprechen. Zu den Details äusserte sich BLS-Sprecherin Barbara Weber nicht. Ziel sei eine Lösung «im Interesse der Kunden und des gesamten ÖV-Systems».

Der entscheidende Punkt aber bleibt offen. Nämlich, ob die BLS für Fernverkehrslinien eine Konzession erhält. Beide Bahnunternehmen äussern sich vorläufig nicht zu dieser Frage. Bislang hat SBB-Chef Meyer Konkurrenz im Fernverkehr strikte abgelehnt. Weil nach seiner Darstellung das gesamte ÖV-System leiden würde, wenn die Intercity- und Interregiolinien nicht mehr aus einer Hand organisiert und betrieben würden. Und überhaupt habe die Politik bislang über den Wechsel zum Mehrbahnenmodell im Fernverkehr nicht befunden.

Kooperation mit Südostbahn

Allerdings darf die ursprünglich ebenfalls an Fernverkehrskonzessionen interessierte Südostbahn künftig im Auftrag der SBB auf solchen Linien fahren. So von Bern nach Chur oder über die Gotthard-Bergstrecke. Auf ein solches Kooperationsangebot, Fuhrhalterin der SBB auf bestimmten Strecken zu werden, ist die BLS bislang nicht eingetreten.

Die BLS hatte vom Bundesamt für Verkehr Konzessionen für zwei Fernverkehrslinien zugesprochen erhalten: für Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten. Vor zwei Monaten hat das Berner Bahnunternehmen aber angekündigt, es könne die beiden Strecken nicht wie geplant am15. Dezember 2019 übernehmen. Weil die Beschwerde der SBB damals noch hängig war, sei die Vorbereitungszeit zu kurz geworden. Die BLS ging davon aus, dass sie frühestens per Fahrplanwechsel im Dezember 2020 losfahren könnte.

Die BLS wird nun laut Sprecherin Weber prüfen, was aufgrund der neuen Ausgangslage möglich ist. Ein Streitpunkt sind auch die acht Doppelstockzüge, welche die BLS bei Stadler für ihre Fernverkehrslinien bestellt hat. Wo diese ab Ende Jahr eingesetzt werden, bleibt unklar. Die SBB haben sich trotz Mangel an eigenen Zügen nicht dazu durchringen können, die neuen der BLS vorläufig zu mieten. Der bernische Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) kritisierte dies öffentlich. Nun reden die Spitzen der beiden Bahnen immerhin wieder miteinander.

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