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SBB verdienen trotz höherer Tarife massiv weniger

Die SBB beförderten 2013 zwar zum ersten Mal in ihrer Geschichte mehr als eine Million Kunden pro Tag. Doch wegen höherer Trassenpreise brach der Gewinn um über 40 Prozent ein. Auch die Pünktlichkeit hat gelitten.

SBB waren 2013 weniger pünktlich: Pendler warten im Bahnhof Museumsstrasse in Zürich auf eine S-Bahn.
SBB waren 2013 weniger pünktlich: Pendler warten im Bahnhof Museumsstrasse in Zürich auf eine S-Bahn.
Keystone

Die SBB transportierten im vergangenen Jahr 1'002'000 Kunden pro Tag – das sind rund 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein neuer Rekord. Die Zahl der Personenkilometer erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 17,8 Milliarden Kilometer.

Ermöglicht wurde dies vor allem durch die Angebotsverbesserungen in der Romandie mit 30 Prozent mehr Sitzplätzen und 14 zusätzlichen Zügen sowie den Halbstundentakt Zürich–Schaffhausen, wie die SBB mitteilen.

SBB Cargo seit 40 Jahren erstmals positiv

SBB Cargo erzielte erstmals seit über 40 Jahren ein positives Ergebnis von 14,7 Millionen Franken. Das Konzernergebnis ging aber um 184,2 Millionen auf 238,2 Millionen Franken zurück. Der Grossteil des um 332,1 Millionen Franken höheren Betriebsaufwands ist bedingt durch höhere Trassenpreise (163 Millionen) und Zusatzaufwendungen vorab beim Unterhalt am Schienennetz (128,6 Millionen).

Die Kundenpünktlichkeit lag im 2013 zwar auf hohem Niveau, jedoch konnte mit 87,5 Prozent der Wert des Vorjahres (88 Prozent) nicht ganz erreicht werden.

Tariferhöhung verpufft

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2012 hoben die SBB die Tarife im Schnitt um 5,2 Prozent an. Das brachte Mehrerträge im Umfang von 129 Millionen Franken ein.

Da die Division Personenverkehr ebenfalls gleichzeitig höhere Trassenpreise entrichten musste, schmolz dieser Gewinn aber weg. Aufgrund weiterer Mehrkosten brach das Ergebnis im Personenverkehr schliesslich um 64 Prozent ein, von 268,9 Millionen Franken auf 96,1 Millionen.

Verspätungen im Grossraum Zürich

Die Pünktlichkeit der SBB ging im vergangenen Jahr um 0,3 Punkte auf 87,5 Prozent zurück. Namentlich im Grossraum Zürich kam es im Sommer zu Verspätungen im S-Bahn-Netz. Gründe dafür waren laut der SBB die Arbeiten am Grossprojekt Durchmesserlinie, gleichzeitige Automatisierungen von Stellwerken sowie unerwartete Unterhaltsarbeiten am Schienennetz. Dennoch seien die Anschlüsse in 97,3 Prozent der Fälle garantiert gewesen. Das sei das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Messungen im Jahr 2008.

Die Kundenzufriedenheit ging im vergangenen Jahr um 0,3 Punkte auf 75,7 Punkte zurück. In der Romandie sei die Zufriedenheit grösser als im Raum Zürich. SBB-Chef Andreas Meyer gab sich selbstkritisch. Insbesondere bei der Kundeninformation in Störungsfällen bestehe Handlungsbedarf. «Hier müssen wir zulegen», sagte er. Massnahmen seien bereits eingeleitet worden.

Reagiert hat die SBB auch auf die Kritik an der rigiden Durchsetzung der Billettpflicht in den Zügen und an der Automatenbedienung. Dank angepasster Kulanzregeln habe sich die Situation merklich entspannt, sagte Meyer. Die Zahl der Reklamationen sei zurückgegangen.

Rote Zahlen bei SBB Infrastruktur

Die Resultate der SBB haben bei Verbänden und Gewerkschaften positive Reaktionen ausgelöst. Nicht überrascht sind sie von den roten Zahlen bei SBB Infrastruktur. Diese Division habe 70 Millionen Franken mehr ausgegeben als budgetiert, schreibt Pro Bahn in einer Mitteilung vom Dienstag. Dieses Geld sei aber nicht verschleudert, sondern zum Substanzerhalt eingesetzt worden. Wenn sich damit das Ausmass von technischen Zwischenfällen vermeiden lasse, trage dieser Verlust zur Steigerung der Zuverlässigkeit in der Zukunft bei.

Die roten Zahlen bei SBB Infrastruktur kommen für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) nicht überraschend. Die Zunahme des Verkehrs und der Geschwindigkeit hätten Folgen, die anfänglich stark unterschätzt worden seien.

Der VCS sieht in den zusätzlichen Unterhaltsarbeiten den Beweis für die Notwendigkeit der im Februar vom Volk gutgeheissenen Vorlage zur Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (FABI). Nun müssten auch der Bund und die Kantone ihre Verantwortung wahrnehmen und die nötigen Mittel für einen Angebotsausbau beim Regionalverkehr zur Verfügung stellen.

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