Schlag für Sunrise

Jetzt wird es richtig eng in Sachen UPC-Deal: Eine äusserst einflussreiche Stimme aus den USA wendet sich gegen den Deal.

Er steht unter Druck, diesen Deal mit UPC über die Bühne zu bringen: Sunrise-Chef Olaf Swantee. Foto: Christian Beutler/Keystone

Er steht unter Druck, diesen Deal mit UPC über die Bühne zu bringen: Sunrise-Chef Olaf Swantee. Foto: Christian Beutler/Keystone

Die 6,3 Milliarden Franken schwere Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch den Schweizer Telekomkonzern Sunrise steht auf der Kippe. Neben einigen grossen Aktionären hat sich nun auch der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS gegen den Deal ausgesprochen. Er empfiehlt den Aktionären, die für den Zukauf geplante milliardenschwere Kapitalerhöhung abzulehnen. Das geht aus einem Reuters am Donnerstag vorliegenden Dokument hervor. Offiziell will ISS seine Empfehlung erst am Freitag veröffentlichen. Bereits zuvor galt die Zustimmung der Eigentümer zu der Geldspritze als ungewiss.

Eine Sunrise-Sprecherin erklärte, der Konzern prüfe die Einzelheiten der ISS-Empfehlung und werde diese zu gegebener Zeit kommentieren. An der Börse gaben die Anleger dem Deal und der damit verbundenen Kapitalerhöhung offenbar weniger gute Chancen - die Sunrise-Aktie legte gut zwei Prozent zu.

Mit der Übernahme will Sunrise Boden auf den deutlich grösseren Konkurrenten Swisscom gut machen. Doch der grösste Aktionär - die deutsche Freenet mit einem Anteil von 24,5 Prozent - hat sich gegen die geplante, bis zu 2,8 Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals ausgesprochen. Über diese sollen die Aktionäre am 23. Oktober abstimmen.

Das Zählen beginnt und das Zittern auch

Um fortzufahren, benötigt Sunrise die Zustimmung von mindestens der Hälfte der anwesenden Aktionäre. Das könnte jedoch knapp werden - zumal bei solchen Aktionärstreffen nie alle Eigentümer anwesend sind. Bei der vergangenen Generalversammlung im April waren lediglich knapp 62 Prozent des Aktienkapitals vertreten.

Nach einer Erhebung von Reuters waren zuletzt Investoren mit einem Aktienanteil von über 30 Prozent gegen den Deal. Hinzu kommt nun noch die Ablehnung von ISS, der viele Pensionskassen und Anlageeinrichtungen folgen. Die Experten begründeten ihre negative Empfehlung mit dem Kaufpreis, der aus ihrer Sicht zu hoch ist. Zudem dürfte der Zukauf Sunrise zwar kurz- bis mittelfristig einen Vorteil verschaffen. Aber längerfristig sei dieser weniger offensichtlich - weil dann fraglich sei, ob Kabel noch mit Technologien wie 5G oder Glasfaser mithalten könne. Der Schweizer Stimmrechtsberater Ethos hatte sich für den Deal ausgesprochen. Eine Stellungnahme vom Berater Glass Lewis steht noch aus.


Der Sunrise-Chef glaubt an einen SiegOlaf Swantee erklärt, wie er die umstrittene UPC-Übernahme über die Bühne bringen will und was der Milliarden-Deal bringt. (7. Oktober 2019, Abo+)

red/reuters

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