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Schweizer Kartellverfahren gegen grosse Brauer

Die Wettbewerbsbehörde hat ein Verfahren gegen Bierkonzerne und Importeure eröffnet. Ihr straff organisierter Vertrieb habe den Wettbewerb auszuhebeln versucht.

Konkret geht es um die Brauereien Inbev und Modelo. Die belgisch-brasilianische Inbev ist der weltgrösste Bierkonzern mit über 250 Marken und einem Weltmarktanteil von geschätzt 15 Prozent. Sie vertreibt etwa Beck’s und Stella Artois. Die mexikanische Modelo bedient rund 2 Prozent des Weltmarktes. Von ihr stammt das Trendbier Corona. Den beiden Brauereien wird vorgeworfen, mit unlauteren Mitteln den Schweizer Markt abgeschottet und damit den Wettbewerb ausgeschaltet zu haben.

Wie genau? Das Vorgehen sei am Beispiel einer Marke erklärt. Wer das mexikanische Trendbier Corona Extra in Händen hält, ahnt nicht, was an versteckten Informationen aufgedruckt ist. Die 33-Zentiliter-Flasche verlässt die Brauerei in Mexiko mit einem Länderaufdruck (beispielsweise GB für Grossbritannien), einem Ablaufdatum und einem Produktionscode. Modelo speichert die Daten und weiss jederzeit, welcher Länder-Generalimporteur welche Flaschen erhalten hat. Flaschen mit CH-Aufdruck gehen alle zum offiziellen Vertriebspartner Carlsberg/Feldschlösschen. Dieser verkauft sie exklusiv an seine Getränkehandelstöchter weiter, die Restaurants und Bars zum Listenpreis von 2.10 Franken beliefern.

Will nun ein unabhängiger Schweizer Getränkehändler Corona von Mexiko direkt importieren, so bleibt ihm das, so der Vorwurf, verwehrt. Modelo lehnt Direktlieferungen ab und verweist Händler an Carlsberg/Feldschlösschen. Ausländische Generalimporteure liefern ebenfalls kein Bier an Schweizer Händler. Nur Vereinzelte wagen das Risiko und verkaufen auf dem sogenannten Graumarkt Flaschen in Drittländer. Ein Risiko ist dies deshalb, weil jede Flasche rückverfolgbar ist. Wird der Händler erwischt, muss er mit einer Lieferreduktion oder einem Lieferstopp rechnen. Das Gleiche droht dem Generalimporteur (siehe Grafik). «Wir spüren solche Massnahmen durch häufige Lieferverzögerungen ausländischer Graumarkt-Lieferanten», sagt ein Importeur.

Schwerer Stand bei Ausländern

Die Anzeige erstatteten Carlsberg-Konkurrenten vor einem Jahr. Sie fühlen sich aus dem Markt gedrängt. Feldschlösschen ist seit 2008 offizieller Generalimporteur von Inbev- und Modelo-Bieren. Nachdem eine Vorabklärung Verdachtsmomente erhärtet hatte, wurde vor zwei Wochen die formelle Untersuchung eröffnet und im Handelsamtsblatt publiziert. «Involviert sind Inbev und Modelo, aber auch die Importfirma‹Ausländische Biere› und Carlsberg/Feldschlösschen sowie deren Tochterfirmen», bestätigt Patrik Ducrey, stellvertretender Direktor und Sprecher der Kommission. Was untersucht wird:

Ausländische Generalimporteure: «Untersucht werden Behauptungen, dass Modelo und Inbev für ihre Marken geeignete Massnahmen durchführten, um den Parallelimport zu unterbinden.» So etwa, dass die Brauereien ausländischen Generalimporteuren wie in Frankreich oder Deutschland faktisch untersagten, Bier in die Schweiz zu importieren.

Ausländische Getränkehändler: «Untersucht wird, ob es Händlern untersagt ist, Modelo- oder Inbev-Biermarken unter Umgehung des Generalimporteurs in die Schweiz zu liefern.»

Schweizer Generalimporteur: «Untersucht wird, ob Wirte faktisch ein Verbot haben, aus Parallelimporten stammendes Bier zu kaufen, und ob sie Sanktionen vonseiten des Generalimporteurs gewärtigen, falls sie es tun.»

Die Wettbewerbsbehörde versucht nun diese Behauptungen zu prüfen. Zur Dauer des Verfahrens wollte sich Ducrey nicht äussern. Die Untersuchung ist komplex. Denn ausländische Brauereien ohne Tochterfirmen in der Schweiz sind mit dem Kartellrecht juristisch kaum greifbar. Ein Abkommen zur Rechtshilfe in Wettbewerbsfragen mit der EU gibt es nicht. Die Wettbewerbskommission hat Inbev und Modelo die Unterlagen ins Ausland zugestellt und hofft auf freiwillige Auskunftsbereitschaft. «Sollte die Wettbewerbskommission zum Schluss kommen, dass Absprachen auf europäischer Ebene vorkommen, so würde sie die EU-Kommission davon unterrichten, mit der Bitte, die Vorwürfe zu untersuchen», sagt Ducrey.

Faustpfand Feldschlösschen

Ein juristisches Faustpfand hat die Behörde dennoch. Sollte sich der Verdacht erhärten, so könnte sie gegen den Generalimporteur Feldschlösschen vorgehen. Denn er wäre ein Profiteur dieser vertikalen Absprache zwischen Hersteller und Händler. Er kontrolliert bei Restaurants und Bars die Herkunft der Flaschen. Zum einen existieren Exklusivklauseln, die verpflichten, «ausschliesslich von Feldschlösschen» zu beziehen. Zum anderen gibt es Rückvergütungsklauseln. Nur wenn der Wirt «offizielles» Corona vertreibt, erhält er eine umsatzabhängige Belohnung. «Solche Wirte geben unabhängigen Getränkehändlern die Rückmeldung, dass sie kein‹fremdes› Corona mehr beziehen können», sagt ein Händler. Die Belohnung wird mit der Händlermarge finanziert. Eine Aufstellung von Einstands- und Verkaufspreisen zeigt, dass die Marge für ein 33-cl-Corona rund 1.50 Franken beträgt. Sie könnte um 50 Rappen tiefer liegen, würde der Wettbewerb spielen. Bei 12 Millionen Liter Konsum pro Jahr wäre das eine Monopolrente von 18 Millionen Franken allein für Corona.

Inbev nimmt keine Stellung dazu. Modelo schreibt: «Uns ist nicht bekannt, gegen das Wettbewerbsgesetz verstossen zu haben», sagt Sprecherin Jennifer Shelley. Die Firma «Ausländische Biere» bestätigt, «ins Verfahren involviert» zu sein. Feldschlösschen bestreitet, den Wettbewerb behindert zu haben. «Die Verträge zwischen Feldschlösschen und Inbev und Modelo lassen Parallelimporte explizit zu», sagt Sprecher Markus Werner. Er bestätigt Exklusivverträge. «Wenn sich ein Wirt entscheidet, mit uns einen exklusiven Bierliefervertrag abzuschliessen, so bezieht er in der Folge alle Biere von uns. Diese Verträge entsprechen den Anforderungen, welche die Kommission 2004 festgelegt hat», sagt Werner.

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