Schwierige Entfesselung von Raiffeisen

Die neue Führung muss die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft senken.

Holger Alich@Holger_Alich

Die Briten nennen es «kitchen sinking»: Eine neue Unternehmensführung nimmt alle Altlasten zusammen und packt sie bei Antritt in das Zahlenwerk. Nach diesem Muster verfährt auch die neue Führung bei der Raiffeisen-Gruppe um Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle und Firmenchef Heinz Huber. Die miesen Zahlen sind nicht ihre, sondern das Ergebnis der Ära Vincenz, so die Botschaft.

Dem neuen Führungsduo muss nach den Skandalen eine doppelte Reform gelingen. Die Funktionsweise der Raiffeisen-Gruppe muss überarbeitet werden, die Basis verlangt nach mehr Macht. Dieser Prozess scheint gut zu laufen. So dürfte noch in diesem Jahr beschlossen werden, ob künftig jede Raiffeisenbank eine Stimme haben soll oder ob es beim Delegiertensystem bleibt.

Die zweite Reform ist die schwierigere. Hier ist bereits Ex-Chef Pierin Vincenz gescheitert. Das Problem lässt sich an einer einzigen Zahl festmachen: 70 Prozent. So hoch ist der Anteil der Zinseinnahmen an den Gesamterträgen bei Raiffeisen. Selbst die Postfinance hat mit 52 Prozent einen tieferen Wert, der aber immer noch als zu hoch gilt.

Nun müssen Lachappelle und Huber zeigen, dass sie bessere Wege kennen, um das Gewicht vom Zinsgeschäft zu reduzieren.

Vincenz wollte mit den Zukäufen von Fondsgesellschaften und der Privatbank Notenstein diese Abhängigkeit senken. Das ging daneben. Nun müssen Lachappelle und Huber zeigen, dass sie bessere Wege kennen, um das Gewicht vom Zinsgeschäft zu reduzieren. Ein Wundermittel gibt es aber nicht.

Firmenchef Huber hofft, den bestehenden Kunden mehr Produkte zu verkaufen. Doch das Wissen, wie die sogenannte Kundendurchdringung gesteigert werden kann, gilt als der heilige Gral im Privatkundengeschäft. Und die Zeit drängt: Ewig kann Raiffeisen ihren Wachstumskurs im Hypothekargeschäft nicht mehr fahren. Denn die Schweizerische Nationalbank wird wegen der Risiken nervös. Ausreden gibt es keine mehr: Ab heute gehen die Zahlen auf das Konto von Huber und Lachappelle.

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