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«Sind auch ohne Gegengeschäfte mit Schweden voll ausgelastet»

Laut Pilatus-Chef Oscar Schwenk laufen die Verhandlungen mit Schweden über den Kauf von PC-21 auch nach dem Gripen-Nein weiter. Gegengeschäfte hält Schwenk sowieso für «Blödsinn».

Konnte kürzlich mit seinem neuen Business-Jet erste Erfolge feiern: Pilatus-Verwaltungsratspräsident Oscar Schwenk.
Konnte kürzlich mit seinem neuen Business-Jet erste Erfolge feiern: Pilatus-Verwaltungsratspräsident Oscar Schwenk.
Keystone

Pilatus-Verwaltungsratspräsident Oscar Schwenk ist trotz des Gripen-Neins zuversichtlich, dass Schweden das Trainingsflugzeug PC-21 kaufen wird. «Ich bin optimistisch, dass es dereinst für die schwedische Luftwaffe fliegt», sagte er in einem Interview der «Finanz und Wirtschaft» (FuW).

Hätte das Stimmvolk am 18. Mai dem Kauf des schwedischen Kampfjets zugestimmt, hätte Pilatus bereits in ungefähr zwei Jahren die rund 20 Trainingsflugzeuge liefern können, sagte Schwenk auch gegenüber der «Samstagsrundschau» von Radion SRF1. Nun werde es halt etwas länger dauern bis zu einem möglichen Abschluss. Die Verhandlungen liefen weiter.

Konkurrenz aus Brasilien

Allerdings verwies Schwenk darauf, dass Brasilien sich inzwischen entschieden hat, 36 Gripen des Herstellers Saab zu erwerben. Der Vertrag zum Verkauf im Umfang von 4,5 Milliarden Dollar soll Ende Jahr unterschrieben werden.

Brasilien werde bestimmt auf Gegengeschäften bestehen, sagte der Verwaltungsratspräsident der Pilatus Flugzeugwerke AG im Radiointerview. In Brasilien aber sitze mit Embraer ein Konkurrent bei den militärischen Trainingsflugzeugen.

Gegengeschäfte ein «Blödsinn»

Gegengeschäfte seien sowieso ein «absoluter Blödsinn» und ein Albtraum für jedes involvierte Unternehmen, sagte Schwenk. Es bestehe unter anderem die Gefahr, dass mit dem Technologietransfer militärische Geheimnisse nicht mehr geheim blieben.

Zudem daure es lange, im anderen Land passende Firmen zu finden und die Leute auszubilden. «Schlauer wäre es vermutlich gewesen, man hätten den Gripen in Schweden hergestellt und hätte dafür einen sehr aggressiven Preis gemacht», kritisierte Schwenk in der «Samstagsrundschau».

Gegengeschäfte machten nur Sinn, wenn ein Unternehmen Zugang zu neuer Technologie oder einen Marktzutritt erhalte oder eigene Produkte verkaufen könne. Nur die Produktion für einige Jahre auszulasten, mache keinen Sinn.

Business-Jet auf Kurs

Pilatus sei auch «ohne militärische Gegengeschäfte mit Schweden voll ausgelastet», sagte Schwenk gegenüber der «Finanz und Wirtschaft». Vom neuen Business-Jet PC-24, der erst am 1. August vorgestellt werden soll, sind bereits 84 Maschinen bestellt. Die ersten rund 9 Millionen Franken teuren Maschinen sollen in zwei Jahren ausgeliefert werden, wie Pilatus am vergangenen Mittwoch mitgeteilt hatte.

Um beim PC-24 die Gewinnschwelle zu erreichen, müssten etwa 300 bis 400 der zweistrahligen Düsenjets ausgeliefert werden, sagte Schwenk in der «Samstagsrundschau». Pilatus sei zwar ein Hochrisikogeschäft, aber zum Glück seit acht Jahren schuldenfrei und könne seine Projekte aus eigener Kraft - ohne die risikoscheuen Banken - finanzieren.

Kein Ausstieg aus dem Militär

Es sei nicht geplant, dass Pilatus aus dem Geschäft mit dem Militär aussteige und nur noch auf die zivile Luftfahrt setze. Immerhin sei man bei den militärischen Trainingsflugzeugen weltweit führend und erwirtschafte damit zwei Drittel des Umsatzes.

Das militärische Geschäft sei aber sehr zyklisch und schwer planbar, wie man zuletzt bei der Gripen-Abstimmung gesehen habe. Pilatus wolle deswegen auch einen Fuss im Geschäft mit zivilen Flugzeugen haben.

Die in der Schweiz umstrittenen Lieferungen von militärischen Trainingsflugzeugen unter anderem nach Saudiarabien oder Katar verteidigte Schwenk mit dem Hinweis auf die Exportbewilligung durch den Bund.

Bei Lieferungen in mögliche Konfliktgebiete brauche es zunächst klare Regeln. Der Staat müsse festlegen, in welche Länder exportiert werden dürfe. Allerdings würde Pilatus selbst bei einer Bewilligung nicht alle Länder beliefern. Schwenkt verwies dabei auf einen pilatus-eigenen Kodex. Namen wollte er aber keine nennen.

Gefragt, wie viele der rund 800 Trainingsflugzeuge PC-7 und PC-9 inzwischen entgegen der Abmachungen bewaffnet seien, sagte der Pilatus-Präsident, er gehe von einem einstelligen Prozentbereich aus.

Pilatus-Flieger für Luftpolizeidienst

Mit Bewilligung bewaffnet sind Pilatus-Trainingsflugzeuge der irischen und der slowenischen Luftwaffe. In Irland würden die Flieger zum Luftpolizeidienst eingesetzt.

Schwenk warf denn auch gleich die Idee in die Debatte um die Schweizer Luftwaffe, für den Luftpolizeidienst künftig bewaffnete Pilatus-Trainingsflugzeuge einzusetzen.

Auch während des World Economic Forums (WEF) könne der Luftraum so geschützt werden. Es sei kaum vorstellbar, dass das WEF mit einem ausländischen Kampfjet angegriffen werde. Vielmehr sei mit einem Angriff mit einem Sport- oder Passagierflugzeug zu rechnen.

Um solche abzufangen, seien Kampfflugzeuge viel zu schnell. «Sie müssen dann dauernd links und rechts Bögen fliegen». Ein langsameres bewaffnetes Trainingsflugzeug sei einer solchen Aufgabe besser gewachsen.

SDA/kpn

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