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So verabschiedet sich die FTD

Die «Financial Times Deutschland» (FTD) erscheint zum letzten Mal – mit Ironie und einem «Vermächtnis» der Kommentatoren und Kolumnisten.

«Final Times»: Die letzte Ausgabe in der Druckerei in Berlin. (6. Dezember 2012)
«Final Times»: Die letzte Ausgabe in der Druckerei in Berlin. (6. Dezember 2012)
Keystone

Schwarzer Humor zum Abschied: Als «Final Times Deutschland» erscheint die letzte Ausgabe der «Financial Times Deutschland» heute Freitag am Kiosk. Die übrigen Buchstaben hat die Redaktion einfach aus dem Schriftzug des Titelblatts purzeln lassen. Auch farblich bietet die sonst in lachsrosa erscheinende Wirtschaftszeitung einen ungewohnten Anblick: «Endlich schwarz» titelt anlässlich ihrer Einstellung nach knapp 13 Jahren in weissen Lettern auf schwarzem Grund.

In ihrer Abschiedsausgabe bietet die «FTD» ihren Lesern einen Rückblick auf ihre besten Geschichten, die schönsten Illustrationen und ihre grössten Irrtümer. Zudem bietet sie einen Einblick in die Arbeitsweise und das Seelenleben ihrer Redakteure.

Auf einem Foto auf der letzten Seite verneigen sich die Mitarbeiter. Darunter heisst es: «Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der «FTD» sind. Es tut uns leid. Wir entschuldigen uns vorbehaltlos. Aber: Wenn wir noch einmal von vorn anfangen dürften – wir würden es jederzeit wieder genauso machen.»

Die Chefredaktion übt aber auch bissige Kritik und entschuldigt sich gleichfalls bei den Gesellschaftern, «dass wir so viele Millionen verbrannt haben» und bei den Anzeigenkunden, «dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben». Das Hamburger Verlagshaus Gruner Jahr hatte am 23. November das Aus der defizitären «FTD» offiziell bestätigt. Die Zeitung schrieb seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Betroffen sind nach Verlagsangaben 364 Mitarbeiter aus der Gemeinschaftsredaktion der Gruner Jahr Wirtschaftsmedien, für einige sollen andere Arbeitsplätze im Verlag gesucht werden.

Mitarbeiter wollen demonstrieren

Das Unternehmen hatte seinerzeit mitgeteilt, dass für das Anlegermagazin «Börse Online» sowie das Monatsmagazin «Impulse» die Möglichkeit eines Verkaufs geprüft werde. Sollten die Verhandlungen nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese Titel die Einstellung geplant. Das Magazin «Capital» sowie die Neugründung «Business Punk» sollen dagegen erhalten und nach Berlin verlegt werden.

Mit einer Demonstration wollen die Mitarbeiter der «Financial Times Deutschland» am Freitag das Ende der Zeitung anprangern. Am frühen Nachmittag (14.00 Uhr) will sich die Belegschaft vor dem Hauptgebäude in Hamburg versammeln. Mehr als 350 Mitarbeiter würden entlassen, «und das während der schlimmsten strukturellen Medienkrise seit Bestehen der Bundesrepublik», erklärte der Gesamtbetriebsrat. «Die Kolleginnen und Kollegen der G J Wirtschaftsmedien wollen sich nicht von Gruner Jahr billig abspeisen lassen.»

Letzte Ausgabe mit «besten Scoops»

In der gesamten Ausgabe begleitet die «FTD» mit viel Ironie das eigene Aus. Anstatt die Seiten durchzunummerieren, werden die Leser fortlaufend darauf hingewiesen, dass sich die Zeitung ihrem Ende nähert: «noch 42» ist etwa auf der ersten Seite zu lesen.

Im ersten Buch «Letzte Ehre» hat die «FTD» eine Auswahl ihrer «besten Scoops, Magazinideen, Optiken und Meinungsbeiträge» zusammengestellt. Im folgenden Teil «Letzte Worte» findet sich all das, was die Redaktion «unbedingt noch loswerden» wollte. Die Rubrik «Letzter Auftritt» bietet einen Blick auf die Mitarbeiter und ihre Leser. Die «FTD» verabschiedet sich schliesslich mit ihrem «Letzten Willen», einem letzten grossen Leitartikel – «dem Vermächtnis unserer Kommentatoren und Kolumnisten», wie es im Editorial heisst.

Schon vor einigen Tagen hatte die «FTD» eine Online-Auktion gestartet, bei der Andenken an die knapp 13-jährige Redaktionsgeschichte versteigert wurden. Bislang wurden 24'700 Euro eingenommen. Von den insgesamt 122 Gegenständen sind bereits 81 versteigert worden, wie der zuständige «FTD»-Redakteur sagte. Der Erlös der Ebay-Auktion kommt der Organisation Reporter ohne Grenzen zugute.

In der Zeitungsbranche reihten sich in den vergangenen Monaten die Hiobsbotschaften aneinander: Die «Frankfurter Rundschau» hat Insolvenz angemeldet, dem Berliner Verlag drohen Stellenkürzungen. Bei der Nürnberger «Abendzeitung» gingen Ende September die Lichter aus. Im Oktober hatte die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz angemeldet.

dapd/rub

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