So will der neue Chef Meyer Burger fit machen

Die Margen und der Auftragseingang von Meyer Burger sind noch längst nicht gross genug, damit das Thuner Solarunternehmen Gewinne erzielen kann. Der neue Chef Hans Brändle will dies so rasch wie möglich ändern.

Der neue Meyer Burger-CEO Hans Brändle erklärt im Interview, wie er die Firma in die schwarzen Zahlen bringen will.
Julian Witschi

Seine Schonfrist von 100 Tagen als Chef von Meyer Burger ist zwar noch nicht ganz abgelaufen. Trotzdem stellte sich Hans Brändle am Mittwoch in Zürich den bohrenden Fragen von Analysten und Medien.

Denn nach einem weiteren Verlust von 97 Millionen Franken muss Brändle rasch handeln, obwohl die Aktionäre letzten Dezember eine Kapitalerhöhung über 165 Millionen Franken genehmigt hatten. Denn einen grossen Teil davon benötigt Meyer Burger, um im Mai eine Anleihe über 130 Millionen Franken zurückzahlen zu können.

Wer einen angespannten und unnahbaren Manager erwartet hatte, den überraschte der 55-Jährige. Brändle stellte sich mit Augenzwinkern vor, weil ihn das Fernsehen im Vorgespräch mit dem ebenfalls neuen Verwaltungsratspräsidenten Alexander Vogel verwechselte: «Früher wurde mir noch gesagt, ich gliche eher George Clooney, aber man verändert sich offenbar mit der Zeit.»

Einige Zahlen von Meyer Burger:

Der ehemalige Leiter der Oberflächensparte des Technologiekonzerns OC Oerlikon stapelte sodann tief, als er seine Erfahrungen in der Fotovoltaikbranche als eher bescheiden bezeichnete. Dabei führte er bei OC Oerlikon einst den neu aufgebauten Bereich Solar.

Brändle lieferte denn auch eine ausführliche Branchenanalyse. Die Stellung von Meyer Burger beeindrucke ihn extrem: «Bei mehreren Schlüsselprodukten beträgt der Marktanteil 80 Prozent und mehr.» Meyer Burger sei zudem unangefochten Technologieführer. Mit den Produktionsanlangen könnten die Kunden Solaranlagen mit markant höheren Leistungen bei tieferen Kosten herstellen.

Einige Dämpfer

Der Fotovoltaikmarkt sei sehr attraktiv mit Wachstumsper­spektiven im zweistelligen Prozentbereich, sagte Brändle und erinnerte so an den Optimismus seines Vorgängers Peter Pauli. Im zweiten Halbjahr 2016 fiel der Auftragseingang mit 188 Millionen Franken aber leicht unter den Erwartungen von Analysten aus. Auch die Margen enttäuschten etwas.

Aber alleine im Januar und Februar 2017 seien Aufträge über insgesamt 104 Millionen Franken eingegangen, betonte Brändle. Meyer Burger erzielte zudem 2016 erstmals seit fünf Jahren vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) schwarze Zahlen. Die entsprechende Marge von 2,3 Prozent «ist aber noch bei weitem nicht genügend, auch netto positiv zu werden».

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Brändle treibt daher das im September lancierte Sparprogramm mit Hochdruck voran. Bis Ende März werden 240 Mitarbeitende die Firma verlassen haben. Damit ist das Ziel von 250 Stellen weniger fast erreicht. Am Sitz in Thun sinkt die Zahl der Festangestellten von 410 auf 340.

Brändle will zudem die Margen verbessern: mit höheren Verkaufspreisen, der Aufgabe unrentabler Produkte und Druck auf die Lieferanten. «Es geht schlicht darum, das Bluten bei der Profitabilität zu stoppen.» In einem nächsten Schritt will er das Servicegeschäft ausbauen.

Eine Überraschung hatte Brändle noch parat, nachdem er kürzlich bereits die Herstellung von Diamantdrahtsägen in den USA eingestellt hatte. In China wird mit dem Werk in Minhang bei Shanghai ein Standort geschlossen. Die Produktion kommt nach Thun, um hier Jobs zu sichern. Wann allerdings Meyer Burger die Gewinnzone erreicht und die Mitarbeitenden definitiv aufatmen können, liess Brändle offen.

Berner Zeitung

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