Zum Hauptinhalt springen

Steuerstreit belastet Standort Schweiz

Die ungelösten Steuerfragen verunsichern internationale Unternehmen. Sie lassen die Schweiz links liegen und gehen nach Irland.

Wenn Markus Neuhaus über den Wirtschaftsstandort Schweiz referiert, kommt er beinahe ins Schwärmen. Der Chef von PricewaterhouseCoopers (PWC) Schweiz, dem grössten Wirtschaftsberater im Land, listet die Vorteile auf: die zentrale Lage Zürichs, die steuerliche Attraktivität, die gute Infrastruktur, die qualifizierten Arbeitskräfte, die politische Stabilität, die liberalen Arbeitsbedingungen, die hohe Lebensqualität.

Wenn da nur nicht dieser Steuerstreit mit den Nachbarstaaten wäre. Neuhaus meint nicht nur den Konflikt, der sich am Bankgeheimnis entzündet hat und der jetzt in unzähligen Neuverhandlungen von Doppelbesteuerungsabkommen entwirrt werden muss. Neuhaus denkt auch an die helvetische Art der Besteuerung von Holding- und Briefkastengesellschaften, die im Ausland argwöhnisch beobachtet wird, weil sie ebendiesem Ausland Steuersubstrat entzieht.

PWC schwimmen Felle davon

Nicht, dass der PWC-Chef Partei für das Ausland ergreifen würde. Ihn ärgert die Unsicherheit, die auf dem Wirtschaftsstandort Schweiz lastet, solange diese strittigen Fragen nicht geklärt sind. Das ärgert ihn vor allem deshalb, weil PWC damit ein Geschäft vermiest wird: das Geschäft mit der Neuansiedlung von Unternehmen.

«Wenn die Unsicherheit dieser offenen Steuerfragen weg wäre», sagt Neuhaus, «hätten wir innerhalb einer Woche fünf bis zehn Neuansiedlungen.» Konzerne, die ihren Holdingstandort nach Europa verlegen wollen, wüssten nicht, was in der Schweiz steuerlich auf sie zukomme. Deshalb hätten sich in jüngster Zeit mehrere Unternehmen gegen einen Standort Schweiz entschieden. Sie seien nach Irland gegangen, wo ihr Planungshorizont weiter reiche. Namen will Neuhaus keine preisgeben. Über Kunden redet man nicht öffentlich.

Kontraproduktive Gesetze

Es sind vor allem US-Firmen mit Tochtergesellschaften im Ausland, die nach Steueroptimierung suchen. Die Gewinne dieser ausländischen Töchter müssen sie in den USA versteuern, sofern die Besteuerung nach US-Recht höher liegt als im Land, in dem das Tochterunternehmen beheimatet ist. Die im Ausland entrichtete Steuer darf immerhin abgesetzt werden. Vermeidbar ist diese Zusatzbesteuerung in den USA etwa mit einem Holdingsitz in der Schweiz.

Noch etwas missfällt Neuhaus in der Schweiz: die Migrationsbestimmungen. «Da wollen wir einerseits Firmen anziehen. Andererseits zwingen wir sie, nicht europäische Mitarbeiter nach sechs Monaten wieder nach Hause zu schicken.» Das sei kontraproduktiv. Die zuständigen Bundesrätinnen, Eveline Widmer-Schlumpf und Doris Leuthard, argumentierten, sie stünden unter politischem Druck. «Dabei sind das nicht Arbeitsplätze, die Schweizern weggenommen werden», sagt Neuhaus.

Beratungsgeschäft steht still

Das Geschäft des Schweizer Branchenleaders stagniert. Im Geschäftsjahr 2009/10 ging der Bruttoumsatz von PWC um 1 Million auf 704 Millionen Franken zurück. Es sei nicht so, wie alle behaupten: dass der Beratungsbedarf steige, wenn es der Wirtschaft schlecht gehe, sagt Neuhaus. «Wenn nichts passiert in der Wirtschaft, hat das Auswirkungen auf die Honorareinnahmen in der Wirtschaftsprüfung.» Noch ist PWC aber die unangefochtene Nummer eins in der Schweiz – vor Ernst & Young und KPMG.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch