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Sulzer mit mehr Umsatz – aber weniger Gewinn

Der Schweizer Industriegigant macht rund 7 Prozent weniger Gewinn trotz mehr Umsatz. Die Rentabiltätseinbusse geht vor allem auf eine Übernahme zurück.

Sulzer hat 2011 von der guten Lage in vielen seiner Absatzmärkte profitiert. Der Umsatz des Industriekonzerns stieg um 12,4 Prozent auf 3,58 Milliarden Franken. Der Reingewinn ging dennoch um 6,9 Prozent auf 279,8 Millionen Franken zurück. Das Ergebnis belastet hat insbesondere der Kauf des schwedischen Wasserpumpen-Herstellers Cardo Flow Solutions, dessen Integration zu Mehraufwand führte. Der Gewinn der Pumpensparte, die rund 50 Prozent des Sulzer-Umsatzes und bisher auch knapp die Hälfte des Ertrags beisteuerte, fiel deshalb um 11 Prozent.

Zudem konnte Sulzer im vergangenen Jahr weniger von Immobilienverkäufen profitieren als noch 2010, was den Betriebsgewinn ebenfalls schmälerte. Das Betriebsergebnis des Konzerns (Ebit) sank so 2011 alles in allem im Vergleich zum Vorjahr um 10,4 Prozent auf 364,1 Millionen Franken, wie Sulzer mitteilte. Mit Ausnahme des Pumpengeschäfts trugen allerdings alle Konzerndivisionen mehr zum Ergebnis bei als im Vorjahr. Doch bei Sulzer Chemtech, welche Trennkolonnen und Mischanlagen für chemische Stoffe herstellt, sank die Rentabilität. Finanzchef Jürgen Brandt begründete dies am Donnerstag an der Medienkonferenz in Winterthur mit dem starken Franken, der die Schweizer Standorte der Chemtech- Sparte belastete.

Insgesamt, so Brandt weiter, schütze die globale Präsenz Sulzer jedoch vor materiellen Effekten des starken Frankens. Auswirkungen auf die ausgewiesenen Zahlen hatte die Frankenstärke dennoch - wenn auch gleichermassen auf der Einnahme- wie auf der Ausgabeseite. So weist Sulzer in Lokalwährungen gerechnet und um Akquisitionseffekte bereinigt für 2011 sogar ein Umsatzplus von 17,2 Prozent aus.

Jährliches Wachstum von 6 bis 8 Prozent

Von einem starken Wachstum geht der Sulzer-Konzern auch in den kommenden Jahren aus. Gemäss der ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Wachstumsziele bis 2015 rechnet der Konzern mit einem jährlichen organischen Wachstum von 6 bis 8 Prozent und einer Rentabilität auf ähnlich hohem Niveau wie in den vergangenen Jahren.

Den Investoren gefielen diese mittelfristigen Aussichten offensichtlich genau so wie das Jahresergebnis, welches sich innerhalb der Erwartungen der Analysten bewegte. Der Aktienkurs von Sulzer kletterte am Donnerstag jedenfalls deutlich nach oben und notierte kurz vor 14 Uhr 3,9 Prozent über dem Stand des Vorabends, derweil der Gesamtmarkt nur leicht im Plus lag.

Mit einem Umsatzplus in der angestrebten Höhe rechnet Sulzer bereits im laufenden Jahr. Finanzchef Brandt, der den Konzern die letzten dreieinhalb Monate interimistisch geführt hat, rechnet in seinem Ausblick in allen für Sulzer relevanten Märkten mit einer Stabilisierung - was für Sulzer besonderes in der Erdöl- und Gasindustrie einschenkt, für welche der Konzern Pumpen liefert.

Schulden nach grosser Übernahme

Beim Geschäft mit Wasserpumpen, das für Sulzer mit der Übernahme von Cardo Flow Solutions letztes Jahr an Bedeutung gewonnen hat, geht Brandt sogar von einem Wachstum des Marktes aus. Der Kauf des schwedischen Pumpenherstellers, der auch massgeblich zum markanten Anstieg der Mitarbeiterzahl um beinahe einen Viertel auf über 17'000 beitrug, hatte allerdings auch Auswirkungen auf die Finanzierung von Sulzer.

So hat Sulzer für die Akquisition eine Anleihe ausgegeben, weshalb der Konzern Ende 2011 eine Nettoverschuldung von 337 Millionen Fr. auswies. Brandt wies darauf hin, dass Sulzers Bilanz mit einem Eigenkapitalanteil von 46 Prozent dennoch weiterhin solide sei.

Neuer Konzernchef

Seit Dienstag kann sich Brandt zudem wieder auf die finanziellen Belange des Sulzer-Konzerns konzentrieren, nachdem der Verwaltungsrat einen neuen Konzernchef präsentiert hat. Mit Klaus Stahlmann wurde ein ausgewiesener Marktkenner zum Nachfolger von Ton Büchner gewählt, der Ende Oktober Sulzer in Richtung des Beschichtungs- und Spezialchemiekonzerns Akzo Nobel verliess.

Zu Reden gegeben hat in den Medien allerdings die jüngste Vergangenheit Stahlmanns: Als Manager beim deutschen MAN-Konzern nahm dieser letzten Frühling den Hut, weil im Zuge einer Korruptionsaffäre gegen ihn ermittelt wurde. Das Verfahren gegen ihn wurde inzwischen eingestellt. Zur möglichen Änderungen an Sulzers Strategie sagte der neue Sulzer-Konzernchef am Donnerstag noch nichts.

SDA/ami

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