Susanne Ruoff stolpert über die Postauto-Affäre

Der Postauto-Skandal hat Konsequenzen auf oberster Personalebene: Susanne Ruoff gibt ihren Job auf.

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Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos
Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Es war eine Überraschung, als Susanne Ruoff 2011 zur Post-Chefin ernannt wurde. Kaum jemand hatte damals die IT-Managerin auf der Rechnung. Nicht ganz so überraschend erfolgt nun ihr Rücktritt. Sie stolperte über die Postauto-Affäre, deretwegen sie schon seit Monaten in der Kritik stand.

Während eines Jahrzehnts soll Postauto Schweiz über hundert Millionen Franken an Subventionsgeldern unrechtmässig bezogen haben. Doch noch vor wenigen Tagen wollte Ruoff von einem Rücktritt deswegen nichts wissen. Damals trat sie in Interlaken am Wirtschaftstreffen Swiss Economic Forum auf. Sie sagte dem Schweizer Fernsehen nur, sie werde ihre Schlüsse ziehen, wenn sie den Untersuchungsbericht zur Postauto-Affäre gesehen habe.

Am Freitag war es nun so weit. Nach Einsicht in die Untersuchungsberichte habe sie feststellen müssen, dass es für die widerrechtliche Buchungspraxis bei Postauto in der untersuchten Zeit zwischen 2007 und 2015 gewisse Hinweise gegeben habe, heisst es in einer Stellungnahme von Ruoff.

Griff trotz Aktennotiz nicht ein: Post-Chefin Susanne Ruoff äussert sich an einer Medienkonferenz in Bern zu den Buchungstricks bei Postauto. (Foto: Peter Schneider, Keystone/6. Februar 2018)

Die abtretende Post-Chefin bestreitet aber, dass es Beweise geben würde, dass sie von dieser Praxis Kenntnis hatte. Sie wolle deshalb festhalten, dass sie nichts von den fiktiven Buchungen gewusst habe, die über viele Jahre – somit auch schon vor ihrer Zeit als Post-Chefin – getätigt wurden. «Wie in jedem Unternehmen habe ich mich als CEO auf die internen und externen Kontrollsysteme verlassen», so Ruoff.

Ein Sprecher der Post sagt dazu: «Die Untersuchung ist abgeschlossen, und die Berichte liegen vor. Auch vor diesem Hintergrund hat der Verwaltungsrat die Kündigung von Frau Ruoff zur Kenntnis genommen.» Der Verwaltungsrat der Post habe seine Entscheide gefällt und werde die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Post will zurückzahlen

Der Abschlussbericht wird heute Montag von Bundesrätin Doris Leuthard und Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller vorgestellt. Dann sollte Klarheit darüber bestehen, was Ruoff wirklich zu welchem Zeitpunkt gewusst hat.

Bereits im Februar, wenige Tage nach Bekanntwerden des Postauto-Skandals, berichtete der «Blick», dass Ruoff schon vor sechs Jahren über Unregelmässigkeiten bei der Post-Tochter informiert worden sei. Ruoff soll damals mit Vertretern des Bundes an einer Sitzung teilgenommen haben, bei der es um die Gewinne von Postauto Schweiz ging.

Bildstrecke: So reagieren Politiker auf den Rücktritt der Post-Chefin

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Interessant wird es auch sein, zu erfahren, wie gross der Schaden ist, den Postauto durch die Buchungstricks verursacht hat. Mit dem Jahresergebnis gab die Post bekannt, für die Jahre 2016 und 2017 Rückstellungen über 30 Millionen Franken vorgenommen zu haben.

Zudem hat der Staatsbetrieb angekündigt, dem Bund und den Kantonen 78 Millionen Franken an unrechtmässigen Subventionen für die Postauto-Sparte zurückzahlen zu wollen. Die Affäre hat das letzte Geschäftsjahr von Postauto belastet. Statt eines Gewinns resultierte ein Verlust von 69 Millionen Franken. Auch beim Postkonzern waren die Zahlen rückläufig.

Schwaller stützte Ruoff

Seit Auffliegen des Postauto-Skandals hatte sich Post-Verwaltungsratspräsident Schwaller strikt hinter Ruoff gestellt. Er hatte ihr das Vertrauen ausgesprochen. Das operative Geschäft brauche nun Stabilität, hiess es. Und dafür sei Ruoff die Richtige. Der Plan von Schwaller & Co. lautete wie folgt: rasch eine saubere Aufklärung an die Hand nehmen, nebenbei das normale Geschäft fortführen und dann so schnell wie möglich reinen Tisch machen. Doch die Umsetzung dieses Vorhabens verlief alles andere als reibungslos.

Denn die interne Untersuchung geriet für die Post zum Debakel. Erst sollte Ruoff selbst die Untersuchung leiten. Die Frau also, die nun kurz vor der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zurücktritt. Dann übernahm Schwaller die Verantwortung. Erst als kritisiert wurde, dass auch ein Verwaltungsratspräsident nicht unabhängig genug sei, wurde eine externe Expertengruppe eingesetzt, welche die Verantwortung für den Bericht trug.

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