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Swisscom droht 143-Millionen-Busse

Die Swisscom soll bei der Vermarktung von Sportinhalten die Regeln nicht eingehalten haben. Die Wettbewerbskommission könnte deswegen eine Riesenbusse verhängen.

Grosses Geschäft mit Sportsendungen: Ein Mann wählt über Swisscom-TV ein Programm.
Grosses Geschäft mit Sportsendungen: Ein Mann wählt über Swisscom-TV ein Programm.
Swisscom, Keystone

Die Strafzahlung von 143 Millionen Franken beantragt das Weko-Sekretariat der Wettbewerbskommission, wie die Swisscom bekannt gab. Der Telecomkonzern soll sich beim Vermarkten von Sportinhalten übers Bezahlfernsehen (Pay-TV) unzulässig verhalten haben.

Gemäss Weko-Sekretariat sei die Swisscom beziehungsweise die Tochter Teleclub marktbeherrschend bei der Übertragung von Schweizer Fussball- und Eishockeyspielen.

Gleichwertiges Angebot

Deshalb müsse der Konzern allen TV-Plattformen in der Schweiz ein gleichwertiges Teleclub-Sportangebot zu nicht diskriminierenden Bedingungen anbieten. Dies tut die Swisscom heute nicht. So bietet sie auf ihrem Swisscom-TV beispielsweise die Übertragung sämtlicher Schweizer Eishockeyspiele an.

Die Konkurrenz wie der Kabelnetzanbieter UPC Cablecom oder Sunrise schauen dabei in die Röhre. Auf ihren Netzen sind jeweils nur wenige Eishockeyspiele live zu sehen, und dies erst noch zu höheren Preisen für die Kunden als bei Swisscom-TV. Deshalb hatten Kabelnetzbetreiber bei der Weko geklagt.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Swisscom weist die Vorwürfe zurück. Sie sei überzeugt, sich rechtmässig verhalten zu haben, und halte die Sanktion für ungerechtfertigt, schreibt der grösste Schweizer Telecomkonzern in einem Communiqué: «Entsprechend ist die Swisscom befremdet über den Inhalt des Verfügungsentwurfs und die Bussenandrohung.»

Die zur Swisscom gehörende Kino- und Pay-TV-Gruppe Cinetrade hatte 2012 unter anderem die Übertragungs- und Vermarktungsrechte für die obersten beiden Ligen der Schweizer Fussballmeisterschaft für mindestens 140 Millionen Franken gekauft.

Rechte bis 2017 bei Swisscom

Auch die Rechte für die Spiele der Eishockeymeisterschaft liegen bei ihr. Das Nachsehen haben Kabelnetzbetreiber, die gemeinsam mit der SRG ebenfalls um die Rechte geboten hatten. Die Fussball- und Eishockeyrechte sind bis 2017 im Besitz der Swisscom.

Damit hat der «blaue Riese» einen mächtigen Trumpf im immer hitzigeren Kampf mit den Kabelnetzbetreibern und Sunrise um den Fernsehzuschauer. Für Fussball- und Eishockeyfans ist Swisscom-TV die einzige Wahl, um alle Spiele live zu sehen.

Swisscom will Investitionen schützen

Diese hohen Investitionen würden ein erweitertes Sportangebot bei der Verbreitung über Swisscom-TV rechtfertigen. «Nur dadurch können die Investitionen genügend geschützt werden», schrieb die Swisscom.

Zudem habe die Konkurrenz die Sportübertragungen übers Pay-TV lange vernachlässigt. Erst der Einstieg der Swisscom habe einen intensiven Wettbewerb im Schweizer Fernsehmarkt überhaupt erst ermöglicht. Erst die Swisscom habe sukzessive ein umfassendes Angebot an Livespielen der Fussball- und Eishockeyliga aufgebaut.

«Sportinteressierte profitieren heute dank dem Engagement der Swisscom und von Cinetrade von einem viel breiteren Angebot an Liveübertragungen sowohl im Free-TV als auch im Pay-TV», schreibt der «blaue Riese»: «So sind beispielsweise im Schweizer Fussball heute vier- bis sechsmal mehr Spiele live im Free-TV verfügbar.»

Auch Konkurrenz habe mitgeboten

Die Swisscom bemängelt, das Weko-Sekretariat habe nur den Pay-TV-Markt angeschaut. Das Sekretariat hätte auch den Free-TV-Markt miteinbeziehen sollen, sagte Konzernsprecher Carsten Roetz auf Anfrage.

Zudem stösst sich der Telecomanbieter an dem Vorwurf der Marktbeherrschung. Der Verkauf der Übertragungsrechte sei über eine Auktion passiert, an der auch die Konkurrenz teilgenommen habe, sagte Roetz. Das heisst, es habe einen Wettbewerb um die Rechte gegeben.

Es sei fragwürdig, wenn dem Sieger einer solchen Auktion anschliessend Marktbeherrschung vorgeworfen werde, sagte Roetz. Im Grund kritisiere die Weko damit indirekt die Rechtevergabe durch eine Auktion.

Erst definitive Verfügung anfechtbar

Beim jetzigen Schritt des Weko-Sekretariats handelt es sich erst um einen Verfügungsentwurf. Zu diesem muss die Swisscom Stellung nehmen. Dafür hat sie bis Mitte September Zeit.

Danach wird die Weko eine Verfügung erarbeiten. Erst diese Verfügung kann vor Bundesverwaltungsgericht und später vor Bundesgericht angefochten werden. Es sei noch zu früh, zu sagen, ob die Swisscom dies tue, sagte Roetz.

«Gravierender Nachteil des Wettbewerbs»

UPC Cablecom begrüsste das Weko-Verdikt: «Nachdem die Swisscom nunmehr bereits seit Jahren ihre Monopolstellung zum gravierenden Nachteil des Wettbewerbs ausnutzt, bleibt zu hoffen, dass das Verfahren nicht noch über viele Jahre vor den Gerichten fortgesetzt wird», schrieb der Kabelnetzbetreiber in einem Communiqué.

Auch Sunrise zeigt sich zufrieden: «Sunrise erwartet, dass die Swisscom bzw. Cinetrade ihr Verhalten nun ändern und uns die entsprechenden Angebote für die Übertragung von Sportveranstaltungen unterbreiten wird.»

SDA

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