Zum Hauptinhalt springen

Swisscom will Fastweb ganz für sich

Der Telekomkonzern Swisscom will seine italienische Tochter Fastweb komplett übernehmen. Der Kauf soll aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Tätigt eine Grossinvestition: Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter.
Tätigt eine Grossinvestition: Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter.
Keystone

Für die Übernahme offeriert Swisscom den verbliebenen Aktionären 18 Euro je Aktie in bar. Insgesamt beträgt der Kaufpreis 256 Millionen Euro (derzeit rund 328 Millionen Franken). Ziel sei es, sämtliche Minderheitsanteile an Fastweb in Höhe von gut 17,9 Prozent zu übernehmen und das Unternehmen von der Mailänder Börse zu nehmen, teilte die Swisscom am Mittwoch mit. Der Kaufpreis werde aus eigenen Mitteln oder über bestehende Kreditlinien finanziert.

Die Swisscom werde trotzdem in der Lage sein, 2011 eine Dividende auszuzahlen, die mindestens so hoch ist wie im Vorjahr. Zudem seien die nötigen finanziellen Reserven für allfällige weitere Transaktionen vorhanden.

Unterschiedliche Reaktionen an der Börse

Die Swisscom war Ende Mai 2007 für knapp 7 Milliarden Franken bei Fastweb eingestiegen. Vergangene Woche kursierten bereits Übernahmespekulationen um den Restanteil an Fastweb durch die Swisscom. So legte die Fastweb-Aktie am 1. September um 18 Prozent auf 13.30 Euro zu. Gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag entspricht die Offerte einem Aufschlag von satten 34,6 Prozent.

An der der Schweizer Börse hat das Angebot der Swisscom keine Wellen geworfen. Die Swisscom-Aktie hat sich am Mittwoch im frühen Handel etwas besser gehalten als der schwache Gesamtmarkt. Bis gegen 10.10 Uhr wurde der Titel zu 395,90 Fr. gehandelt. Das sind 0,5 Prozent weniger als am Vortag. Der Gesamtmarkt SMI lag gleichzeitig mit -0,7 Prozent etwas stärker im Minus.

Dagegen schossen die Fastweb-Aktien an der Börse in Mailand um gut ein Drittel auf 18 Euro hoch. Damit ist der Kurs auf das Niveau des Angebotspreises der Swisscom gestiegen, die 18 Euro pro Aktie in bar für die restlichen knapp 18 Prozent des Fastweb-Kapitals bietet.

Geschickter Zug

Analysten bezeichneten die Kaufofferte des «Blauen Riesen» als sinnvoll. Dadurch gewinne die Swisscom die vollständige Kontrolle über den Mailänder Breitbandanbieter, schrieb Vontobel-Analyst Serge Rotzer. Der Kaufpreis liege im Rahmen der Erwartungen.

Der Zeitpunkt für das Angebot sei geschickt gewählt, urteilte ZKB- Analyst Michael Inauen. Einerseits habe der Fastweb-Kurs durch die Turbulenzen um die Mehrwertsteuer- und Betrugsaffäre in Italien stark gelitten. Andererseits sei der Euro-Kurs auf einem historischem Tiefststand, was die Übernahme in Franken günstiger werden lasse.

Analysten rechnen mit tieferer Dividende

Da Fastweb bereits vollkonsolidiert sei, sei der Einfluss der Vollübernahme auf die Erfolgsrechnung der Swisscom begrenzt. Positiv sei, dass durch den Rückzug von der Börse die Kosten für die Kotierung der Fastweb-Aktie wegfallen würden, urteilten die Analysten.

Einziger Wermutstropfen sei, dass die Dividende der Swisscom tiefer ausfallen dürfte als erwartet. Rotzer rechnet mit maximal 22 Fr. Dividende pro Swisscom-Aktie nach 20 Fr. im Vorjahr. Zudem bestehe immer noch das Risiko einer Gollwill-Abschreibung. Die Swisscom habe durch die Mehrheitsübernahme bei Fastweb im Jahre 2007 noch einen Goodwill von 2,6 Milliarden Franken in den Büchern. Damals hatte sie für die Übernahme von 82,08 Prozent des Fastweb-Kapitals 47 Euro pro Aktie bezahlt.

SDA/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch