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Swisscom will Stellenabbau mit Alters-Teilzeit abfedern

Die Swisscom streicht wieder Stellen. Um den Abbau sozial verträglich zu gestalten, hat sich das Unternehmen mit den Sozialpartnern auf Alters-Teilzeit geeinigt.

Jon Mettler
Ab dem Sommer erhalten Angestellte der Swisscom ab dem 58. Lebensjahr die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit freiwillig zu verkürzen. Foto: Samuel Trümpy/Keystone
Ab dem Sommer erhalten Angestellte der Swisscom ab dem 58. Lebensjahr die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit freiwillig zu verkürzen. Foto: Samuel Trümpy/Keystone

Die Swisscom will ihren Stellenabbau sozial verträglich gestalten. Daher können Angestellte, die vor der Pensionierung stehen, ab dem 1. Juli ihr Arbeitspensum freiwillig um bis zu 30 Prozent verringern. Voraussetzung ist, dass sie 58 Jahre alt sind. Nach zwei weiteren Jahren erhalten sie zudem die Möglichkeit, frühzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Die Swisscom wird die Reduktion der Arbeitszeit und damit Lohneinbussen subventionieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die älteren Mitarbeiter allfällige Verluste bei Einkommen respektive Altersvorsorge weitgehend ausgleichen können. Wie viel die Lohneinbusse im Zuge der Arbeitszeitverringerung effektiv abgedämpft wird, das ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Beschäftigungsgarantie bis zum 60. Lebensjahr

Um das Modell der Alters-Teilzeit mit anschliessender Frühpensionierung attraktiv zu machen, will die Swisscom allen Angestellten, die diese Option wählen, eine Beschäftigungsgarantie bis zum 60. Lebensjahr geben.

Wie die Gewerkschaft Syndicom am Morgen in einer Medienmitteilung bestätigt, hat sie mit dem blauen Riesen ein solches Modell vereinbart. Rund 1500 Mitarbeiter können davon profitieren.

Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall: Der staatsnahe Betrieb veröffentlicht am Donnerstag das Ergebnis für 2019. Syndicom erwartet, dass die Swisscom trotz ansehnlicher Gewinnzahlen auch im laufenden Jahr wieder Stellen streicht.

Sparprogramm bei der Swisscom

Das ist denn auch der Grund, warum die Gewerkschaft auf Alters-Teilzeit gedrängt hat. Vor vier Jahren hat die Swisscom ein Sparprogramm bekannt gegeben, das Ende 2020 ausläuft. Ziel ist es, jedes Jahr 100 Millionen Franken einzusparen. Grund dafür ist der andauernde Preisdruck im gesättigten Telecommarkt.

Die Sparmassnahmen sehen nicht nur einen Stellenabbau vor, sondern auch effizientere Arbeitsabläufe und kostengünstigere Systeme. Allein im Jahr 2018 baute der Schweizer Marktführer 541 Vollzeitstellen ab. Während die Swisscom in schrumpfenden Geschäftsbereichen wie Festnetztelefonie Arbeitsplätze streicht, baut sie in Wachstumsfeldern wie dem Geschäft mit der Datenwolke – der sogenannten Cloud – und Sicherheitsservices Stellen auf.

«Diese Massnahmen sind zwingend notwendig, um den Personalabbau bei Swisscom mit lebensabschnittsgerechten Arbeitszeitmodellen zu entschleunigen.»

Giorgio Pardini, Gewerkschaft Syndicom

Alters-Teilzeit sei deshalb «zwingend notwendig, um Arbeitsplätze für die Zukunft zu sichern und um den Personalabbau mit lebensabschnittsgerechten Arbeitszeitmodellen zu entschleunigen», sagt Giorgio Pardini, Mitglied der Geschäftsleitung von Syndicom.

Bei der Swisscom heisst es, dass es dem Wunsch vieler Mitarbeiter entspreche, die Arbeitszeit im Hinblick auf den Ruhestand zu verringern. Ausserdem profitiere das Unternehmen, sagt Personalchef Hans Werner: «Wir erwarten, den Stellenrückgang in Teilbereichen leicht abfedern zu können, und wollen damit im laufenden Jahr Erfahrungen sammeln.»

Syndicom macht keinen Hehl daraus, dass die Vereinbarung mit der Swisscom für die Gewerkschaft erst ein «Etappenziel» ist. Die Organisation kündigt an, sich beim Telecomanbieter weiterhin für «Arbeitszeitmodelle für alle Lebensabschnitte und eine Reduktion der effektiv geleisteten Arbeitszeit einzusetzen». Damit wolle Syndicom dem Personalabbau entgegenwirken.

Alters-Teilzeit bei Deutscher Telekom

In europäischen Telecombranchen kommt Alters-Teilzeit bereits zum Einsatz. Die Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf ein solches Modell geeinigt, um einen Stellenabbau bei den Shops des Unternehmens abzufedern.

Die Deutsche Telekom machte Ende Januar öffentlich, dass sie bis Ende 2021 total 99 von 504 eigenen Läden schliesst. Davon betroffen sind 800 Stellen in ganz Deutschland.

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