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Tamedia und Swisscom spannen zusammen

Der Telekomkonzern und das Medienunternehmen beenden ihren Übernahmekampf um die Publigroupe. Sie setzen nun auf Kooperation.

Erreichen zusammen 4,8 Millionen Nutzer pro Monat: Die beiden Portale Local.ch und Search.ch.
Erreichen zusammen 4,8 Millionen Nutzer pro Monat: Die beiden Portale Local.ch und Search.ch.
Keystone

Tamedia, zu der auch Redaktion Tamedia gehört, und Swisscom wollen aus Local.ch und Search.ch eine Schweizer Alternative zu Google entwickeln. Nachdem sowohl die Swisscom als auch Tamedia die Publigroupe je alleine hätten übernehmen wollen, haben sie sich laut Mitteilung vom Mittwoch jetzt auf eine Kooperation im Geschäft mit Verzeichnisdiensten geeinigt.

Damit beenden der Telekomkonzern und das Medienhaus ihren Bieterwettstreit. Dieser war ausgebrochen, nachdem die Medienvermarkterin Publigroupe ihr kriselndes Stammgeschäft mit Zeitungsanzeigen abgestossen hatte und als Filetstück Local.ch übrig geblieben war. Daran hielt die Swisscom bereits die Hälfte.

Gemeinsame Tochtergesellschaft

Tamedia wiederum besitzt 75 Prozent an Search.ch. Sie wird nun aber auch die restlichen 25 Prozent kaufen, die derzeit noch der Schweizerischen Post gehören. Tamedia werde eine bestehende Kaufoption ausüben und den Anteil der Post übernehmen, sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer.

Laut der Kooperationsvereinbarung soll die Swisscom nun mittels Kaufangebot die Publigroupe übernehmen. Danach werden Swisscom und Tamedia die Unternehmen Local.ch und Search.ch in eine gemeinsame Tochtergesellschaft einbringen.

Swisscom übernimmt die Mehrheit

Daran übernimmt die Swisscom die Mehrheit: Sie wird 69 Prozent an der gemeinsamen Tochtergesellschaft halten und das Unternehmen konsolidieren, sprich in die Bilanz aufnehmen. Tamedia erhält den restlichen Anteil von 31 Prozent.

Tamedia hat mit der Swisscom vereinbart, ihr Angebot nicht mehr zu erhöhen und ihre Publigroupe-Aktien der Swisscom anzudienen, falls deren Übernahmeangebot erfolgreich ist. Der Deal steht auch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.

Aktienkurs sinkt

Tamedia hatte am 17. April ein öffentliches Kaufangebot für die Publigroupe zu 150 Fr. je Aktie lanciert. Swisscom konterte am 16. Mai mit einer Offerte von 200 Fr. pro Aktie - wobei das Angebot von Tamedia mittlerweile aufgrund eines Zukaufs eines Aktienpakets auf 190 Fr. angestiegen war.

An der Börse wird nicht mehr mit einem besseren Angebot gerechnet: Nachdem der Titel in den letzten Tagen auf bis zu 214 Fr. gestiegen war, sank er am Mittwochmorgen leicht unter 200 Franken.

Schweizer Alternative zu Google

Mit der geplanten Kooperation entstehe die umfassendste Schweizer Verzeichnis- und Informationsplattform für Unternehmen, Privatpersonen sowie die öffentliche Hand, schreiben Swisscom und Tamedia. Sie wollen ihr Verzeichnisgeschäft zu einer «starken Schweizer Alternative zu Google weiter entwickeln».

Local.ch und Search.ch sollen aber als eigenständige Angebote weitergeführt werden. Eine Arbeitsgruppe werde nun Strukturen und Strategie erarbeiten, sagte Zimmer. Es sei zu früh, um Aussagen zu den Auswirkungen auf die Beschäftigten, die Leitungsgremien und die Standorte zu machen. Nicht nur im Aktionariat, auch im Verwaltungsrat werde die Swisscom über die Mehrheit verfügen.

Gemeinsam erreichen Local.ch und Search.ch pro Monat 4,8 Millionen Internetnutzer in der Schweiz. Zu Local.ch gehören neben der Onlineverzeichnisplattform Local.ch auch Telefonbücher. Der Such- und Informationsdienst Search.ch bietet unter anderem auch ein elektronisches Telefonbuch, eine interaktive Landkarte, einen Routenplaner, einen lokalen Wetterbericht sowie das Kinoprogramm.

Medienbeteiligungen stehen zum Verkauf

Wie bereits bekannt, will die Swisscom Minderheitsbeteiligungen der Publigroupe an den Medienunternehmen SNP Société Neuchâteloise de Presse, Südostschweiz Presse und Print sowie Rhône-Media verkaufen. Tamedia ist daran laut Konzernsprecher Zimmer nicht interessiert. Dem angekündigten Verkauf der Publigroupe-Anteile an der FPH Freie Presse Holding an die NZZ-Gruppe wird sich Swisscom nicht widersetzen, wie es weiter hiess.

SDA/ldc

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