Tesla-Mitarbeiter machen Bogen um Musks Schreibtisch

Dass Elon Musk ein schwieriger und exzentrischer Chef ist, ist bekannt. Ein neuer Insiderbericht zeigt, wie er tickt.

Unter ihm zu arbeiten, ist Insidern zufolge eine Herausforderung: Tesla-Chef Elon Musk.

Unter ihm zu arbeiten, ist Insidern zufolge eine Herausforderung: Tesla-Chef Elon Musk.

(Bild: Keystone Chris Carlson)

Caroline Freigang@c_freigang

Er legt sich öffentlich mit der US-Börsenaufsicht an, rauchte während Interviews einen Joint und gilt auf Twitter als Trump der Businesswelt: Dass Elon Musk in der Öffentlichkeit aber auch als Chef von Tesla exzentrisch ist, ist bekannt. Mit seinen provokanten Aktionen schickt er regelmässig die Aktie seines Unternehmens Tesla auf Berg-und-Tal-Fahrt.

Doch auch seine Launen und sein Umgang mit den Mitarbeitern gleichen laut einem Bericht einer Achterbahnfahrt. Das US-Portal «Wired» sprach mit Dutzenden ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des Elektroautobauers. Sie zeichnen ein Bild des Chaos und einer Firma, die zwar von Musks Visionen der Zukunft, aber genauso von seinen Launen gesteuert wird. Ein junger Ingenieur berichtete etwa, bei seinem ersten Treffen mit Musk entlassen worden zu sein. Und das aus einer Laune des Chefs heraus.

Es sei an einem Samstagabend um 22 Uhr passiert. Eine Produktionsanlage habe nicht funktioniert. Musk regte sich auf, der Ingenieur sollte ihm helfen, das Problem zu lösen. Musk habe ihn angebrüllt, ob er für den Fehler bei der Maschine verantwortlich sei. Der junge Mann habe verblüfft nachgefragt – und sei auf der Stelle entlassen worden mit den Worten: «Du bist ein verdammter Idiot! Verschwinde hier und komm nie wieder zurück.» Das Ganze habe weniger als eine Minute gedauert.

«Produktions- und Auslieferungshölle»

Kurz nach diesem Intermezzo feuerte Musk im letzten Herbst 700 weitere Mitarbeiter und damit zwei Prozent der Belegschaft. Begründet wurde dies mit mangelnder Leistung. Dies zeigte auch, wie blank die Nerven beim Elektroautobauer lagen. Musk steht unter massivem Druck, seine Autos auf die Strasse zu kriegen. Viele Kunden warten auf ihre Bestellung, Tesla hat aber sowohl bei der Produktion als auch bei der Zustellung Probleme. Man sei von der «Produktionshölle» direkt in die «Auslieferungshölle» gefahren, antwortete Musk einer Kundin auf Twitter, die sich beschwerte, ihren Wagen nicht erhalten zu haben.

Hinzu kamen finanzielle Probleme: Durch die Fertigungsprobleme habe sein Unternehmen «wie irre» Geld verloren, sagte Musk. Letztes Jahr sei seine Firma kurz vor dem Ende gestanden, sagte Musk in der Sendung Axios des US-Senders HBO. Ein ehemaliger Manager des Unternehmens berichtet gegenüber «Wired», Musk habe in dieser Zeit öfter gesagt: «Heute muss ich jemanden feuern.» Der Manager habe ihm jeweils geantwortet: «Nein, das musst du nicht.» Aber Musk habe darauf bestanden: «Doch, doch, ich muss jemanden feuern.» Ein Tesla-Sprecher widersprach dieser Darstellung, Musk habe zu dem Zeitpunkt «schwere, aber notwendige Entscheidungen» treffen müssen.

80- bis 100-Stunden-Wochen erwartet

Musks hohe Ansprüche an seine Mitarbeiter hatte er auch der Öffentlichkeit immer wieder mitgeteilt. Um die Welt zu verändern, müsse man 80 bis 100 Stunden pro Woche arbeiten, twitterte er vor einer Weile. «Niemand hat die Welt mit einer 40-Stunden-Woche gerettet.» Wenn man das liebe, was man tue, fühle es sich aber nicht nach Arbeit an, fügte Musk beschwichtigend hinzu. Doch nicht nur der geforderte Arbeitseinsatz, auch der Umgang mit den Mitarbeitern scheint dem «Wired»-Bericht zufolge grenzwertig.

Neben spontanen Entlassungen schüchtere Musk seine Mitarbeiter auch auf andere Arten ein. Viele Manager seien jeden Tag mit der Furcht zur Arbeit gekommen, dass es ihr letzter Tag sein könnte. «Da war dieses ständige Gefühl der Angst», sagte ein Manager. Ein anderer erzählt, er habe seinen Mitarbeitern verboten, an Musks Schreibtisch in der Tesla-Gigafactory vorbeizulaufen. So sollten sie sich vor unangenehmen Fragen und einer möglichen Entlassung schützen. In einer Sitzung habe Musk vor Ärger ein Telefon kaputt gemacht. In einem anderen habe er einen fehlenden Mitarbeiter telefonisch zusammengestaucht. Seine Frau habe vor kurzem ein Kind geboren, erklärte sich dieser. Kein Grund, nicht ans Telefon zu gehen, befand Musk. Ein Kind zu haben, halte einen nicht davon ab, zu telefonieren. «Jeder bei Tesla ist in einer destruktiven Beziehung mit Elon», sagte eine ehemalige Führungskraft.

Kein Parfüm, falsche Schuhe

Auch bei Bewerbungskandidaten sei Musk knallhart gewesen. Zum einen sei er sehr sensibel, was Gerüche angeht, weshalb Bewerbern empfohlen wurde, kein Parfüm zum Gespräch zu tragen. Mehrere Personen berichteten zudem, dass ein Kandidat nicht eingestellt wurde, weil Musk seine Schuhe nicht mochte. Die Person habe blaue Schuhe getragen, und Musk habe während des Gesprächs seinem Kollegen gesagt, dass er die Schuhe des Kandidaten nicht möge. Dieser habe auf die Qualifikationen des Kandidaten verwiesen. Musk habe diesen nicht eingestellt. Ein Tesla-Sprecher wies diese Version zurück – der Grund sei die Qualifikation gewesen.

Ein Tesla-Sprecher sagte dem US-Portal «Quartz», die Story über Tesla auf dem Portal «Wired» sei überdramatisch und ein sensationsheischend. Interne Debatten seien nicht unterdrückt worden, und Angestellte seien nicht ohne Grund entlassen worden. «Die Menschen, mit denen er arbeitet, sind Elon sehr wichtig.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt