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Australien kauft U-Boote für 38 Milliarden Euro

Den grössten Rüstungsauftrag seiner Geschichte vergibt Australien an den französischen Industriekonzern DCNS. Deutsche und Japaner gehen leer aus.

Soll durch eine neuere Flotte ersetzt werden: Australisches U-Boot. (Archivbild)
Soll durch eine neuere Flotte ersetzt werden: Australisches U-Boot. (Archivbild)
Sara Williams, Australian Navy, AFP

ThyssenKrupp geht im Wettstreit um den grössten Rüstungsauftrag der australischen Geschichte leer aus. Als Partner für den Bau von zwölf neuen U-Booten sei der französische Industriekonzern DCNS ausgewählt worden, teilte Premierminister Malcolm Turnbull am Dienstag vor Reportern in Adelaide mit. In der Küstenstadt befindet sich die Werft, in der nun die U-Boote französischer Bauart produziert werden sollen.

Der Deal wird die australische Regierung nach Angaben von Marineexperten mindestens 56 Milliarden australische Dollar (rund 42 Milliarden Franken) kosten. Neben DCNS und ThyssenKrupp Marine Systems hatte sich ein Konsortium um den japanischen Konzern Mitsubishi für das Prestigeprojekt beworben.

Japaner waren zuerst Favorit

In der ersten Phase hatte noch das Unternehmen mit Sitz in Tokio als Favorit gegolten. Doch Japans Aussichten auf den ersten umfassenden Militärtechnologie-Transfer seit dem Zweiten Weltkrieg schwanden nach dem Sturz von Turnbulls Vorgänger Tony Abbott im September. Dieser hatte einer Kooperation mit Japan strategische Bedeutung beigemessen, da dadurch die Beziehungen zu den Verbündeten Tokio und Washington gestärkt würden. Doch warnten Kritiker damals auch, dass Canberra dadurch in einen Konflikt mit dem grössten Handelspartner China geraten könnte.

Den Zuschlag für DCNS begründete Turnbull nun damit, dass das Angebot der Franzosen den besonderen Anforderungen Australiens am meisten entsprochen habe. Der Industriekonzern mit Sitz in Paris hatte eine auf Diesel-Elektrotechnik aufgebaute Version seiner Atom-U-Boote der Barracuda-Klasse in die Waagschale geworfen. Die gleichen Modelle mit Druck-Düsenantrieb werden gerade auch für die französische Marine gebaut.

Japan bot Australien eine grössere Version des Diesel-Antriebssystems der Soryu-Klasse mit erweiterten Tarnkappenkapazitäten an.

Australien verfügt über eine der grössten Flotten

ThyssenKrupps Offerte bestand aus einer grösseren Variante seiner U-Boote vom Typ 214, die als Typ 216 an australische Anforderungen angepasst wurde. Der deutsche Konzern hatte den Bau der gesamten Flotte in Adelaide für 20 Milliarden australische Dollar angeboten – und damit für weniger als die Hälfte als von der australischen Marine veranschlagt. Zudem warb ThyssenKrupp damit, dass es durch eine Partnerschaft mit Siemens gegenüber den anderen Konkurrenten im Vorteil sei. Siemens hatte zugesagt, die Software der U-Boote beizusteuern und ein digitales Schiffsbauzentrum in Adelaide zu schaffen.

Australien verfügt schon jetzt über eine der grössten Flotten mit konventionellen U-Booten weltweit, die dort erbaute Collins-Klasse. Die Marine hatte darauf bestanden, dass die Nachfolgemodelle auch deren Reichweite von mindestens 22'000 Kilometer erreichen.

Australien will seine U-Boot-Flotte von zurzeit sechs Schiffen ersetzen und ausbauen. Die Regierung kündigte im März ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm an, mit Ausgaben von allein 195 Milliarden Australischen Dollar (146 Milliarden Franken) bis zum Jahr 2025. Der U-Boot-Auftrag gilt als grösste militärische Anschaffung der Landesgeschichte.

AP/sda/chk

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