TV-Kunden bleiben der Swisscom treu

Im Frühling haben die Kabelnetzbetreiber angekündigt, dass sie im ­September mit ihrem neuen TV-Sportsender Mysports starten wollen. Die Charme­offensive verpufft jedoch bei den Kunden von Swisscom. Das zeigen aktuelle Zahlen.

Treue Fans: Die Swisscom kann auf ihre TV-Kunden zählen.

Treue Fans: Die Swisscom kann auf ihre TV-Kunden zählen.

(Bild: zvg)

Jon Mettler@jonmettler

Wichtige Pflöcke für ihren neuen Sportsender Mysports haben die Kabelnetzbetreiber im März und im April 2017 eingeschlagen: Sie ­gaben damals bekannt, dass sie auf die kommende Schweizer Eishockeysaison hin nicht nur sämtliche Spiele der NLA und Topmatchs der NLB exklusiv übertragen, sondern auch die Eishockey-Weltmeisterschaften der Damen- und Herren-Nationalteams.

Als neue Programm­direktorin konnten die Kabelnetzanbieter ausserdem die SRF-Sportfrau Steffi Buchli gewinnen. Ihre po­larisierende Art soll ­helfen, ­Mysports als freche Alternative zum Sportangebot von Swisscom TV zu positionieren.

Swisscom hat die Exklusivrechte am Schweizer Eishockey an die Kabelnetzkonkurrenten verloren und kann nur noch mit Schweizer Fussball punkten. Mit dem neuen Eishockeyangebot versuchen nun UPC, Quickline und Co., dem Erzrivalen Swisscom TV-Kunden abspenstig zu ­machen.

Das Nachsehen haben die Sportfans: Wenn sie Schweizer Eishockey und Schweizer Fussball schauen wollen, brauchen sie neu je ein Abonnement bei Swisscom und einem Kabelnetzbetreiber. Das geht ins Geld: Die jähr­lichen Kosten für beide Gesamtpakete beliefen sich auf rund 2500 Franken im Jahr.

Swisscom gewinnt Kunden

Nur scheint das Werben um neue TV-Kunden mit Sport nicht zu fruchten, wie die aktuellen Halbjahreszahlen von Swisscom und dem Dachverband der Kabelnetzbetreiber Suissedigital zeigen. Der grösste Schweizer Tele­comanbieter gewann von Januar bis Juni 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode knapp 96 000 neue TV-Kunden hinzu. Es schauten 1,44 Millionen Haushalte mit Swisscom TV fern. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der TV-Nutzer bei den Kabelnetzbetreibern um 40 000 auf 2,41 Millionen zurück.

Was sagen die Widersacher zu dieser Entwicklung? «Sie zeigt deutlich, dass Sport kein alleiniges Entscheidungsmerkmal für das TV-Angebot ist», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi gegenüber dieser Zeitung. «Vielmehr achten die Kunden auf eine ­bedienungsfreundliche Plattform mit nützlichen Zusatzfunktionen und ein breites Angebot bei den Sendern und mietbaren Filmen.» Er mache sich keine ­Illusionen darüber, dass die eingefleischten Eishockeyfans von Swisscom TV zu den Kabelnetzbetreibern wechseln werden. «Ich rechne aber mit stabilen Verhältnissen», so Schaeppi.

Bei Suissedigital ist man überzeugt, dass Mysports bereits eine Wirkung entfaltet: «Verglichen zu den Vorjahren zeigt sich im ersten Semester 2017, dass der Rückgang bei der Zahl der TV-Kunden gebremst wurde», sagte Verbandssprecher Matthias ­Lüscher auf Anfrage. «Wechselwillige Nutzer warten noch ab und wollen sich erst einmal ein Bild des neuen Sportsenders ­machen.» Er gehe deshalb davon aus, dass sich der Sendestart von ­Mysports am 8. September in den Kundenzahlen des zweiten Halbjahres positiv niederschlagen werde. Zu Suissedigital gehören knapp 200 Kabelunternehmen.

Wettbewerb wird schärfer

Tatsächlich hat sich zu Beginn des zweiten Semesters der Wettbewerb auf dem Schweizer Sport-TV-Markt verschärft. Im Juli ­haben die Kabelnetzbetreiber den Druck auf die Swisscom erhöht, indem sie die TV-Rechte an der Bundesliga für Mysports erworben haben. Weiter errang UPC vor einem Monat einen Teilsieg gegen die Swisscom vor der Wettbewerbskommission ­(Weko). Es geht um die Wiederverwertung der Schweizer Eis­hockey-TV-Rechte. Die Swisscom behält sich vor, den Weko-Entscheid an das Bundesverwaltungsgericht weiterzuziehen.

In diesem Monat wurde bekannt, dass Sunrise dank einer Partnerschaft mit dem deutschen Anbieter Sky Sports die Bundes­liga und die Champions League ausstrahlen kann. Gleichzeitig bietet Sky Sport seinen Sportstreamingdienst ab sofort in der Schweiz an.

Für den Swisscom-Chef Urs Schaeppi ist klar: «Im Sport-TV-Markt steckt derzeit viel Bewegung. Er fragmentiert sich immer mehr. Die Fernsehrechte wechseln besonders auf internationaler Ebene ständig den Besitzer.» Aus Sicht der Swisscom könne die Antwort darauf nur sein, das breiteste TV-Sportangebot der Schweiz bereitzuhalten.

Schaeppi kündigte an, dass sich der blaue Riese dem Wettbewerb stellen werde. Ob das auch über die Preise geschehen wird, liess er vor dem Hintergrund des kleineren Sportangebots auf Swisscom TV allerdings offen.

Berner Zeitung

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