UBS und Credit Suisse mit neuem Modell für die KV-Lehre

Die Grossbanken starten ab dem 1. August einen Pilotversuch mit dem Ziel, die KV-Lehre attraktiver zu machen.

Der Umbau des Bankgeschäfts hat nun auch Rückwirkungen auf die kaufmännische Lehre: Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Der Umbau des Bankgeschäfts hat nun auch Rückwirkungen auf die kaufmännische Lehre: Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Holger Alich@Holger_Alich

Sergio Ermotti, seines Zeichens Konzernchef der UBS, fing so an: mit einer kaufmännischen Ausbildung. Bei den beiden Schweizer Grossbanken startet ab dem 1. August ein Pilotversuch mit dem Ziel, die KV-Lehre neu zu strukturieren und dadurch auch attraktiver zu machen. Zwölf Lernende pro Grossbank sind mit von der Partie.

«Kernstück ist, dass im ersten Lehrjahr der Fokus auf dem Berufsfachschulunterricht liegt», sagt Sabine Balmer, verantwortlich für die Nachwuchsförderung bei der Credit Suisse. Statt zwei bis drei Tage pro Woche wie bisher büffeln die Jungbanker im Pilotversuch fünf Tage die Woche in der Schule. «KV Berufsmaturität Fokus» heisst dieses neue Konzept.

Auch er hat mal mit einer kaufmännischen Ausbildung gestartet: Sergio Ermotti, Konzernchef der UBS. Foto: Keystone.

Der Schulstoff selbst – wie Mathematik, Fremdsprachen oder Informatik – bleibt sowohl von der Stundenzahl als auch vom Inhalt her gleich. Er wird nun aber blockweise im ersten Lehrjahr konzentriert.

Zwei Sprachaufenthaltein Dijon und Manchester

Die Folge: «Bei den Fremdsprachen Englisch und Französisch sowie im Fach Information, Kommunikation, Administration legen die Lernenden die Abschlussprüfung bereits nach dem ersten Lehrjahr ab», sagt Christian Wölfle, Rektor der KV Zürich. Sie unterstützt den Pilotversuch gemeinsam mit den Grossbanken, dem Zürcher Bankenverband sowie dem Banken-Ausbildungsanbieter CYP.

Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Betriebswirtschaftslehre werden dagegen weiter im zweiten und dritten Jahr unterrichtet, allerdings dann nur noch an einem Tag pro Woche. Daher heisst das Modell analog zu den Schultagen pro Woche auch «5-1-1-Modell». Da Sprachen im ersten Jahr im Fokus stehen, enthält der Lehrplan auch zwei Sprachaufenthalte von je einer Woche, einmal in Dijon und einmal in Manchester.

Die Lernenden verbringen eine Woche Sprachaufenthalt im französischen Dijon. Foto: Lionel Montico

Die «Verblockung» der KV-Schule im ersten Jahr hat indes zur Folge, dass die angehenden Bankerinnen und Banker zu Beginn ihren Ausbildungsbetrieb kaum von innen sehen werden. «Die Ansprüche im Betrieb sind gestiegen, es wird immer schwieriger, die Lernenden im ersten Jahr in der Bank sinnvoll einzusetzen», erklärt Credit-­Suisse-Managerin Balmer.

Das alte KV-Modell bleibt wohl erhalten

Das ist auch eine Folge der Digitalisierung: Einfache Routine­tätigkeiten, die Banken gerade im ersten Lehrjahr ihren neuen Mitarbeitenden anvertrauen können wie etwa Belege bearbeiten, gibt es immer weniger. «Von Hand Zahlungsbelege eingeben, das gibt es bei uns nicht mehr», sagt Balmer.

Daher sollen die KV-Absolventen erst einmal ein Jahr zur Schule. «Sie sind dann reifer, können mehr und sind häufiger im Betrieb präsent», sagt die Nachwuchsexpertin der Credit Suisse. «Mit dem schulischen Rüstzeug im Rucksack und der grösseren Präsenz am Arbeitsplatz im zweiten und dritten Lehrjahr können die Lernenden in der Bank anspruchsvollere Aufgaben übernehmen», ergänzt Eliska Vogt, Leiterin Junior Talent Schweiz bei der UBS.

Es wird immer schwieriger, die Lernenden im ersten Jahr in der Bank sinnvoll einzusetzen.Sabine Balmer, Nachwuchsspezialistin Credit Suisse

Das Interesse an dem neuen Lehrgang war sehr gross. «Wir sind nun bereits daran, für das nächste Jahr zu rekrutieren», so Vogt. Bei Erfolg soll das Modell im nächsten Jahr auf mehr ­Lernende und auch auf andere Banken ausgedehnt werden. Zum Standard wird es aber nicht. «Solange wir Schalter haben, wird es das alte Modell geben», sagt Nachwuchsspezialistin Balmer. «Es gibt aber Interesse von anderen KV-Schulen in anderen Kantonen sowie von anderen Lehrverbünden», berichtet KV-Rektor Wölfle. Auch er rechnet nicht damit, dass das neue Blockmodell zum Standard wird: «Es ist nicht so einfach in den Lehrbetrieben umzusetzen, das muss man sorgfältig anschauen.»

Versicherungen setzenauf ihr eigenes Angebot

Die Versicherungswirtschaft hingegen winkt ab. «Eine Übernahme des Modells ist nicht geplant», teilte der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) mit. Er stellt sein KV-Angebot «Versicherungs-KV International» in den Vordergrund. Hierbei können die Lernenden nach dem ersten Lehrjahr ein Auslandjahr absolvieren. Das Modell gehe nun vom Pilotversuch in den Regelbetrieb über, so der SVV.

Die ZKB plant nicht, am neuen KV-Modell teilzunehmen. Foto: Keystone

Die Zürcher Kantonalbank, die grösste Kantonalbank der Schweiz, wartet erst einmal zu. Die Teilnahme an dem neuen KV-Modell sei derzeit nicht geplant, teilte die Bank mit.

Schweizweit hat die populäre KV-Lehre zunehmende Konkurrenz durch das Gymnasium. «Mit dem neuen Modell schaffen wir eine attraktive Alternative zum Gymnasium», erklärt daher UBS-Nachwuchsspezialistin Vogt. «Mit der KV-Lehre und dem Abschluss der Berufsmaturität stehen jungen Menschen alle Wege offen, inklusive eines Studiums», ergänzt ihre Kollegin von der Credit Suisse, Sabine Balmer. UBS-Chef Sergio Ermotti ist dafür der beste Beweis.

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