Zum Hauptinhalt springen

UPC als Bauernopfer für Megafusion?

Der Mutterkonzern von UPC lotet eine Fusion mit dem britischen Mobilfunk­anbieter Vodafone aus. Um den Zusammenschluss finanzieren zu können, soll Liberty Global Planspiele für einen Verkauf der ehemaligen Cablecom ausgearbeitet haben.

Bald ein neuer Arbeitgeber? Steffi Buchli ist Chefin des neuen Sportsenders Mysports von UPC und anderen Schweizer Kabelnetzbetreibern.
Bald ein neuer Arbeitgeber? Steffi Buchli ist Chefin des neuen Sportsenders Mysports von UPC und anderen Schweizer Kabelnetzbetreibern.
Keystone

Es könnte der erste Zug in ei­nem Schachspiel zwischen zwei Grossmeistern der europäischen Telecombranche sein: Die britische Liberty Global soll einen Verkauf ihrer Tochterfirmen UPC Schweiz (ehemalige Cablecom) und UPC Österreich prüfen.

Das berichtet die britische Zeitung «The Telegraph» und beruft sich auf «Quellen, die mit den Plänen vertraut sind». Die Gespräche seien «in einem frühen Stadium und führen möglicherweise nicht zu einer Transaktion», schreibt das Blatt weiter.

Hintergrund ist, dass sich Liberty Global offenbar auf eine Fusion mit der britischen Anbieterin Vodafone Group vorbereitet. Den Verkaufserlös für UPC Schweiz und UPC Österreich könnte der international tätige Konzern nutzen, um den Zusammenschluss mit Vodafone voranzutreiben. Branchenkennern ist aufgefallen, dass beide Unternehmen im Verlauf dieses Jah­res ihre Geschäftsbereiche so reorganisiert haben, dass ihre Infrastrukturen besser zueinander passen. Gemeint sind die Mobilfunknetze von Vodafone und die Kabelnetze von Liberty Global.

Ein fusioniertes neues Unternehmen könnte Kosten sparen und sich strategische Vorteile verschaffen, indem es dank beider Netze eine umfassendere Versorgung sicherstellt. Offiziell finden keine Gespräche zwischen Vodafone und Liberty Global statt.

Die Braut macht sich schön

Ein Verkauf von UPC Schweiz und UPC Österreich wird als weitere Massnahme von Liberty Global interpretiert, sich als Braut für die Ehe mit Vodafone schöner zu machen. Oder ist es eher ein Bauernopfer? UPC muss sich in einem hart umkämpften Schweizer Markt behaupten, verliert im Fernsehgeschäft Kunden an die Swisscom.

Zudem investiert der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber Millionenbeträge in exklusive Sportrechte und den neuen TV-Sender Mysports, was sich auf die Liquidität auswirkt. Im vergangenen Jahr wies UPC Schweiz rund 1,3 Millionen TV-Kunden sowie einen Umsatz von 1,3 Milliarden Franken aus. Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Aus Sicht von Vodafone wären UPC Schweiz und UPC Österreich als Mitgift unbedeutend, da das global tätige Unternehmen mit Sitz in London in keinem der zwei Länder aktiv ist.

Die Stellungnahme von UPC Schweiz fiel am Mittwoch auf Anfrage knapp aus: «Wir kommentieren Gerüchte nicht.» Ein vehementes Dementi tönt anders.

Wer könnte an UPC Schweiz interessiert sein? Am ehesten der Mobilfunkanbieter Salt, findet «The Telegraph». Die ehemalige Orange Schweiz hat öffentlich Interesse signalisiert, in den Festnetzmarkt einzusteigen. Mit dem Kabelnetz von UPC würde Salt auf einen Schlag vom reinen ­Mobilfunkbetreiber zum Voll­serviceanbieter, der wie die Konkurrenten Swisscom und Sun­rise Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen aus einer Hand verkaufen könnte. Salt gehört dem französischen Unternehmer und Milliardär Xavier Niel.

Chance auf eigenes Festnetz

Doch auch die Nummer zwei in der Schweiz könnte von einer Übernahme von UPC profitieren. Zwar bietet Sunrise neben Mobilfunk über die eigenen Antennen auch Festnetztelefonie und TV via Swisscom-Netze an. Mit einer eigenen Festnetzinfrastruktur könnte das Unternehmen aber bessere Erträge anstreben.

Jedoch ist fraglich, ob Sunrise eine derartige Übernahme aus eigener Kraft stemmen könnte. Dem Vernehmen nach wäre ­Liberty Global bereit, Sunrise-Aktien als Teil der Kaufsumme anzunehmen.

Schliesslich käme noch die Swisscom mit ihrer prallen Kriegskasse infrage. Der blaue Riese kann im gesättigten Schweizer Telecommarkt kaum mehr wachsen und hält Ausschau nach neuen Möglichkeiten. UPC Schweiz wäre eine davon, zumal die Swisscom die TV-Rechte fürs Schweizer Eishockey an ein Konsortium von Kabelnetzbetreibern unter der Führung von UPC verloren hat.

Allerdings dürfte die eidgenössische Wettbewerbskommission einen solchen Deal kaum durchwinken. Die staatsnahe Swisscom ist Marktführer und würde diese Position nur noch zementieren.

Die Wettbewerbshüter hatten vor sieben Jahren eine Fusion zwischen Sunrise und der damaligen Orange Schweiz untersagt. Daraufhin warf sich Orange in die Arme von Xavier Niel und wurde zu Salt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch