US-Autofirmen rücken von Trump ab

General Motors und Ford befürchten, bei der Entwicklung elektrischer Autos von der Regierung gebremst zu werden.

General Motors will den technologischen Anschluss nicht verpassen – Produktionsstätte von GM in Arlington, Texas. Foto: Getty Images

General Motors will den technologischen Anschluss nicht verpassen – Produktionsstätte von GM in Arlington, Texas. Foto: Getty Images

Walter Niederberger@WaltNiederberg

Kalifornien setzt seit Jahrzehnten den Standard, nach dem sich die ganze Autoindustrie ausrichtet. Dank einer Sonderbewilligung im Kampf gegen den Smog kann der Staat tiefere Emissionswerte festlegen und elektrische Fahrzeuge stärker fördern als der Rest des Landes. Das Resultat: Mehr als die Hälfte aller E-Autos der USA sind in Kalifornien unterwegs. Doch die Regierung Trump hat andere Pläne: Sie will Kalifornien die Sondervollmacht entziehen und die Produktion elektrischer Vehikel bremsen, weil diese angeblich negativ für die Sicherheit im Strassenverkehr seien.

Vom Konflikt ist nicht nur Tesla betroffen, sondern zunehmend auch General Motors und Ford. GM etwa will bis in fünf Jahren zwanzig Elektromodelle anbieten und glaubt, dann eine Million dieser Fahrzeuge verkaufen zu können. Ford will elf Milliarden Dollar in 23 E-Modelle stecken. Noch sind batteriebetriebe Autos ein Verlustgeschäft, aber gemäss GM soll in drei Jahren die Gewinnschwelle erreicht werden. Dies erklärt, warum sich GM und Ford nun auf die Seite von Kalifornien geschlagen haben, nachdem sie verschärfte Emissionsgrenzwerte jahrelang bekämpft hatten.

Endlosen Kampf verhindern

Ein Rückzug aus der Förderung elektrischer Vehikel sei exakt der falsche Schritt, hält GM-Chefin Mary Barra der Regierung entgegen, da damit die US- Her­steller den technologischen ­Anschluss verpassen und von europäischen und asiatischen Konkurrenten abgehängt würden. Der Dachverband der Autoindustrie warnt zudem vor einem Kampf vor Gericht mit ungewissem Ausgang, der die bereits getätigten Investitionen entwerten und die Produktionspläne zunichtemachen würde. «GM hat in dieser Sache die Führung übernommen, um einen end­losen Kampf zwischen der Regierung und Kalifornien zu verhindern», sagt Michelle Krebs, Analystin des Marktforschungsinstituts Autotrader. «Ob aber die Regierung nachgeben wird, ist eine andere Frage.»

Für Trump ist wichtiger, wie in vielen anderen Bereichen auch, eine Errungenschaft der Regierung Obama zunichtezumachen. Statt den Flottenverbrauch bis 2025 auf 5 Liter pro 100 Kilometer zu senken, wie Obama entschieden hatte, sollen die Hersteller den Verbrauch nur auf 6,4 Liter verringern. Begründet wird die Lockerung damit, dass die Autobranche zu viel Geld in Elektroautos investiere, für die keine Nachfrage bestehe. Konventionelle Autos seien, was die Fahrer wollten und sich leisten könnten.

Gemäss der Regierung Trump verringern E-Fahrzeuge die Sicherheit im Strassenverkehr sogar, weil die Autoindustrie die Entwicklung von benzinbetriebenen Fahrzeugen vernachlässige und deswegen noch zu viele ältere, unsichere Wagen in Betrieb seien. Tatsächlich zeigen Statistiken, dass Amerikaner ihre neuen Wagen 6,5 Jahren ­behalten, im Vergleich zu nur 4,3 Jahren im Jahr 2006. Die Zahl der tödlichen Unfälle in dieser Zeitspanne ist um 20 Prozent gesunken.

Tesla ist direkt betroffen

Das Manöver der Regierung ist nicht nur gegen Kalifornien gerichtet, sondern trifft direkt auch Tesla. Weil Elon Musk den Markt für Elektrofahrzeuge von Anfang besetzt hat, profitiert er am meisten vom Handel mit Emissionszertifikaten. Tesla konnte allein von 2013 bis 2016 Emissionskredite im Wert von 610 Millionen Dollar an andere Autohersteller verkaufen, die höhere Luftschadstoffe produzierten, als Kalifornien zuliess. Im laufenden Jahr dürften die Gutschriften rund 200 Millionen Dollar erreichen und Tesla den Sprung in die Gewinnzone erleichtern.

Sehr persönlich ist die Sache auch für den abtretenden Gouverneur Jerry Brown. Mit einer progressiven Verkehrs- und Energiepolitik hatte er Kalifornien zum Vorbild für zwölf demokratisch regierte Bundesstaaten gemacht, unter ihnen Massachusetts, New York und New Jersey. «Kalifornien wird diese Stupidität mit allen erdenklichen Mitteln bekämpfen», sagt Brown zum Bremsmanöver der Regierung. Sein Nachfolger Gavin Newsom ist gleicher Meinung.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt