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US-Banken planen für EU-Austritt Grossbritanniens

Ihren Europasitz haben amerikanische Finanzinstitute heute in London – mit freiem Zugang zu allen anderen EU-Ländern. Ein Austritt aus der Union könnte anderen Städten einen Vorteil verschaffen.

Bislang beliebter Bankenstandort: Der Londoner Finanzbezirk Canary Wharf.
Bislang beliebter Bankenstandort: Der Londoner Finanzbezirk Canary Wharf.
Reuters

Der britische Premier David Cameron will 2017 über den Verbleib seines Landes in der Europäischen Union abstimmen lassen. Angesichts des Erfolgs der europaskeptischen Partei Ukip bei den englischen Kommunalwahlen scheint es zurzeit ungewiss, ob eine Mehrheit der Briten in der EU verbleiben will. Wie die «Financial Times» berichtet, erarbeiten amerikanische Banken nun offenbar Szenarien für den möglichen EU-Austritt Grossbritanniens.

Gemäss den nicht namentlich genannten Quellen der Zeitung sollen sich die Pläne der Wallstreet-Banken Bank of America, Citigroup und Morgan Stanley in «sehr frühen Stadien» befinden. Heute haben die meisten US-Banken ihren Europasitz in London, was den Finanzinstituten gleichzeitig Marktzugang zu allen 28 EU-Ländern gibt. Dass die EU den Londoner Niederlassungen diesen nach einem Austritt Grossbritanniens immer noch gewähren würde, ist zumindest fraglich.

Frankfurt, Paris und Dublin als Alternativen

Als mögliche alternative Standorte werden Frankfurt und Paris gehandelt. Laut der «Financial Times» drängt sich aber auch Dublin auf. Die irische Hauptstadt Dublin besitzt bislang zwar keinen bedeutenden Finanzplatz, lockt aber mit tiefen Unternehmenssteuern. Hinzu kommen eine Englisch sprechende Bevölkerung und ein Rechtssystem nach angelsächsischer Tradition.

Neben dem EU-Austritt gibt es auch andere Faktoren, welche die Banken offenbar dazu bringen, über zumindest die Verlagerung eines Teils ihrer Aktivitäten nach Irland nachzudenken. Ab Herbst 2014 übernimmt die EZB die Aufsicht über die Banken des Euroraums, was zu Streitigkeiten mit dem britischen Finanzplatz führen könnte.

Die Bank of America, J. P. Morgan und Citigroup besitzen bereits irische Banklizenzen. Ein vollständiger Umzug nach Irland wäre für die Banken trotzdem ein gewisses Wagnis. «Es ist sehr kompliziert und teuer, Infrastruktur wie Handelsräume zu verschieben», zitiert die «Financial Times» einen Partner der Anwaltskanzlei Shearman & Sterling. Dieser fügt aber an, dass nichts unmöglich sei. Wenn es ein Ereignis gebe, das einen Wegzug der US-Banken auslösen könnte, dann sei es ein EU-Austritt Grossbritanniens.

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