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Villiger lässt Grübel hängen

Bei der UBS tobt ein Machtkampf. Der fehlende Vertrauensbeweis des Verwaltungsratspräsidenten Villiger könnte dazu führen, dass Grübel das Handtuch wirft.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Oswald Grübel und Kaspar Villiger an der UNS-GV in Basel. (14. April 2010)
Ein Bild aus besseren Zeiten: Oswald Grübel und Kaspar Villiger an der UNS-GV in Basel. (14. April 2010)
Keystone

Auf das erlösende Communiqué von der UBS wartete man gestern vergeblich. Alex Wilmot-Sitwell, der Verwaltungsrat der Grossbank, der die Untersuchung des 2-Milliarden-Verlustes in London leitet, wollte nicht einmal bestätigen, ob Oswald Grübel noch im Amt ist. Die Kommunikationsstelle antwortet auf die Frage, ob Oswald Grübel seinen Job behält, mit einem simplen «No comment». UBS-Präsident Kaspar Villiger zeigte sich einmal mehr nicht in der Öffentlichkeit und lässt seinen CEO und mit ihm fast 65 000 Angestellte hängen. Eine unhaltbare Situation.

Der Verwaltungsrat der grössten Schweizer Bank konnte sich also weder dazu durchringen, endlich Klarheit darüber zu schaffen, wer die UBS in Zukunft führt, noch wie die neue Strategie im Investmentbanking aussehen soll. Lieber verzogen sich die Verwaltungsräte in alle Welt. Sie wollen am Wochenende via elektronische Kommunikationsmittel weiter tagen, heisst es. Dass die als zweitägiges Treffen geplante Sitzung schliesslich fünf Tage dauern könnte, bedeutet nichts Gutes. Offenbar ist man sich nicht einig, und es gibt einen Machtkampf an der Spitze. «Es ist schlicht zu früh, zu sagen, wer gewinnt», meint ein mit der Situation Vertrauter. Am plausibelsten sei eine Kommunikation am Sonntag, heisst es.

Grübel will das volle Vertrauen

Hinter den Kulissen durchgesickert ist gestern, dass in den Sachfragen eine Vorentscheidung gefallen ist &endash nämlich die, dass die UBS künftig eine Vermögensverwaltungsstrategie fährt. Das heisst, die Investmentbank wird ziemlich radikal redimensioniert. Das wollen die Investoren, und das erklärt auch den rasanten Kursanstieg der UBS-Aktie (plus 4,8 Prozent) nach dem Ende des Meetings in Singapur gestern Nachmittag. Warum man über die neue Strategie nicht gleich offen kommunizierte, bleibt ein Rätsel. Weniger klar ist der Personalentscheid, und das könnte sogar dazu führen, dass Grübel seinen Job freiwillig abgibt. Er will das volle Vertrauen des Verwaltungsrats, sonst macht er nicht weiter.

Es gibt einen überzeugenden Grund, warum man im Moment noch zuwartet, über die personellen Konsequenzen zu entscheiden: Noch ist nicht klar, wie gravierend die Sicherheitslücken bei der UBS sind und ob es Warnungen gab, die man nicht beachtete. Warum? Erst seit Donnerstag ist klar, dass der UBS-Händler Kweku Adoboli nicht erst seit drei Monaten die Bücher der UBS fälschte, sondern seit 2008 in mehreren Fällen.

Scheinbar ging das einige Male gut und wurde darum nicht publik. Doch auch die Deals, die zum Milliardenverlust führten, liefen nicht erst seit drei Monaten, wie bis anhin kommuniziert, sondern seit Anfang Jahr. Offenbar fand Adoboli eine Lücke im Sicherheitssystem, die lange unentdeckt blieb: dass so-genannte Over-the-counter-Geschäfte (Trades, die nicht über die Börse abgewickelt werden) im Bereich der Ex- chagetradefonds (ETF) von der Gegenpartei nicht bestätigt werden müssen. Dies ist eine Praxis, die bei Händlern bekannt ist und vor den Over-the-counter-Geschäften die Regulatoren auch schon gewarnt haben. Ob auch innerhalb der UBS gewarnt wurde, wird sich zeigen. Möglich, dass die Verwaltungsräte bereits mehr wissen. Jedenfalls dürfte Carsten Kengeter, der Chef der Investment-bank, keine ruhige Zeit haben, bis dies geklärt ist. Gestern wurde bekannt, dass die Revisionsgesellschaft KPMG diese Sicherheitslücken der UBS untersuchen soll.

Kengeter muss wohl gehen

Trotz den Unsicherheiten bezüglich des genauen Hergangs des Betrugsfalls ist es unverständlich, dass sowohl Öffentlichkeit wie auch Personal nun noch länger hingehalten werden, wie es weitergehen soll. Der VR hätte es durchaus in der Hand gehabt, eine überzeugendere Lösung schon gestern zu präsentieren. Die hätte gelautet, dass als Zeichen für den Aufbruch die neue Strategie in den Grundzügen bekannt gegeben wird, dass der bisherige Präsident Kaspar Villiger vorzeitig abtritt und sein designierter Nachfolger Axel Weber bereits nächsten Mai nach der Generalversammlung Präsident wird. Grübel könnte man unter Vorbehalt gravierender neuer Erkenntnisse für eine beschränkte Zeit im Amt lassen, mit dem klaren Auftrag, die Investmentbank massiv zu schrumpfen und einen Nachfolger aufzubauen. Und Kengeter muss wohl so oder so seinen Hut nehmen und die Verantwortung für den Fall Adoboli übernehmen.

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